Ein Selbstporträt: André Schindler wuchs in Seewen auf.
Ein Selbstporträt: André Schindler wuchs in Seewen auf.
Das Haus «Carmin» in Seewen: Über Jahrzehnte Eigenheim und Atelier.
Das Haus «Carmin» in Seewen: Über Jahrzehnte Eigenheim und Atelier.
Eine ganz historische Aufnahme: Im Hintergrund das erste Wohnhaus der Familie Schindler (Bahnhofstrasse 124), in welchem die Familie von 1908 bis 1912 lebte. Rechts abgebildet der Schopf, in welchem das vermutlich erste Atelier des Kunstmalers eingerichte
Eine ganz historische Aufnahme: Im Hintergrund das erste Wohnhaus der Familie Schindler (Bahnhofstrasse 124), in welchem die Familie von 1908 bis 1912 lebte. Rechts abgebildet der Schopf, in welchem das vermutlich erste Atelier des Kunstmalers eingerichte

Kunst & Design

André Schindler malte Geschichte

In Goldau waren jüngst etwa 30 Werke des 1951 verstorbenen Kunstmalers André Schindler zu sehen. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der in Goldau aufgewachsene Künstler mit seiner Familie aber in Seewen. Doch wer waren die Schindlers überhaupt, von denen man immer wieder Geschichten hört? Wer war André, der Kunstmaler? Auf Spurensuche.

In jedem Dorf und jeder Stadt gibt es Persönlichkeiten; Menschen, die jeder kennt. Meistens zählen der Pfarrer, der Organist, Politiker, Wirtsleute und Lehrer dazu. Dann gibt es aber auch noch sogenannte «Künstler». Und zu denen darf in Seewen zweifelsfrei der 1951 verstorbene André Schindler gezählt werden. Rund 60 Jahre nach seinem Tod ist er immer noch in Form zahlreicher Werke, die er geschaffen hat, im Dorf und der Region präsent. Nur, oft wissen die Besitzer solcher Werke gar nicht, wer der Erschaffer war. Mit dem Namen Schindler können nicht alle etwas anfangen. Doch damals, damals war Schindler der wohl bekannteste zeitgenössische Kunstmaler der Region.

Jugend in Goldau

Zusammen mit seiner Zwillingsschwester Emilie kam André Schindler am 8. Oktober 1877 in Unterägeri zur Welt. Seine Eltern hiessen Anton und Margrith geborene Steiner. Insgesamt schenkte das Ehepaar acht Kindern das Licht der Welt. Im Jahre 1880 nahm die Familie Wohnsitz in Goldau. Dort wuchs André schliesslich auf. Wie sein Vater lernte er Sattler und Tapezierer. Das tat er in Neuenburg und Burgdorf. Doch dieser Beruf erfüllte ihn nicht. So entschloss er sich, eine Zusatzlehre bei Orell-Füssli in Zürich in der Abteilung für grafische Kunst zu absolvieren. Es folgte eine Weiterbildung für dekorative Malerei in Aarau, wo er ein eigenes Atelier für Kreideporträts eröffnete. Parallel dazu besuchte er die Kunstgewerbeschule in Luzern und Zürich unter Professor Hans Bachmann.

Studienreisen durch Europa

Auf Studienreisen, die ihn nach München, ins Tirol, nach Florenz und Rom führten, lernte er auch, sakrale Bilder zu malen. So war er dann einige Jahre als Zeichner und Dekorationsmaler beim Kirchenmaler Josef Heimgartner angestellt, in dessen Diensten er unter anderem bei Renovationen in den Kapuzinerklöstern Schwyz, Solothurn, Zug und Sursee tätig war. In dieser Zeit dürfte er seine Braut kennen gelernt haben. Im Jahre 1904 – als 27- Jähriger – heiratete er Nina Jurt aus Sursee. Durch seine berufliche Tätigkeit kam es in den folgenden Jahren zu zahlreichen Wohnortswechseln. Die vier Kinder aus der Ehe von André und Nina kamen allesamt in verschiedenen Ortschaften zur Welt: Andrea mit Jahrgang 1905 in Goldau, Joséphine im Jahr 1906 in Kreuzlingen am Bodensee, Richard mit Jahrgang 1907 in Bruggen-St. Gallen und schliesslich Paula im Jahre 1909 in Seewen.

Familiäres Zentrum in Seewen

André Schindler liess sich mit seiner Familie 1908 definitiv in Seewen nieder. Das erste Seebner Heim der sechsköpfigen Familie befand sich im Haus «Edelweiss» (heute Bahnhofstrasse 124). Dort richtete André sich ein. Das Kunstmaleratelier befand sich gleich neben dem Haus in einem Schopf, welcher später der Halle der Firma Paul Weber AG weichen musste. Doch nur mit der Kunstmalerei konnte Schindler den Lebensunterhalt nicht bestreiten. So integrierte er in das Atelier ein Malergeschäft, welches ihm und seiner Familie fortan die Existenz sicherte. Fast 40 Jahre lang, bis 1945, betrieb er das Malergeschäft an der Bahnhofstrasse, bis er es am 15. Oktober 1945 seinem Nachbar Alois Hafner verkaufte. Die Kombination zwischen traditionellem Malerbetrieb und der Kunstmalerei ging auf, André Schindler kam gut über die Runden. Vier Jahre nach der Wohnsitznahme 1908 in Seewen – also 1912 – ergriff der Familienvater die Gelegenheit und baute unmittelbar neben dem Haus «Edelweiss» sein künftiges Eigenheim. Dieses wurde auf den Namen Carmin getauft (heute Bahnhofstrasse 126). Darin lebten das Ehepaar Schindler und seine vier Sprösslinge.

Breites Schaffensfeld

Blickt man heute auf das Schaffen von Kunstmaler André Schindler zurück, so fällt die Breite seines künstlerischen Spektrums auf. Er malte Porträts (klassische Ölbilder auf Leinwand, aber auch mit Kreide), dann Landschaftsbilder (vor allem die Mythen, den Lauerzersee, aber auch ganze Dörfer wie Goldau vor und nach dem Bergsturz und Seewen als Bäderkurort), Ereignisbilder aus der Vergangenheit und der damaligen Gegenwart (Landsgemein

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

11.02.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/TQFkDM