Mozarts Konzert in A für Klarinette und Orchester: Die Klarinettistin Fides Auf der Maur spielte in Begleitung des Urschweizer Kammerensembles unter der Leitung von Stefan Albrecht. Bild Christoph Jud
Mozarts Konzert in A für Klarinette und Orchester: Die Klarinettistin Fides Auf der Maur spielte in Begleitung des Urschweizer Kammerensembles unter der Leitung von Stefan Albrecht. Bild Christoph Jud

Musik

Mozart und Schubert für Franz Pfister

Zu seinem 80. Geburtstag wünschte sich Franz Pfister aus Rickenbach ein Konzert. Der Wunsch wurde nun, auch nach dem Tode Pfisters, dennoch erfüllt.

Zu seinem 80. Geburtstag wünschte sich Franz Pfister aus Rickenbach ein Konzert. Mozart und Schubert waren seit Jahrzehnten die verehrten Komponisten des liebenswürdigen Musikfreundes. Doch der Tod am 15. Januar setzte allem Planen ein unerwartetes Ende. Die Familienangehörigen vergassen den Wunsch nicht. Im Gegenteil: Sie erfüllten ihn in einem eindrücklichen Konzert in der Pfarrkirche Seewen.

Herausforderung höchsten Ranges

Mit Nachdruck wurde man bei den vorgeführten Werken auf die eigentlich paradoxe Tatsache verwiesen, dass es bei den drei aufgeführten Kompositionen um Spätwerke zweier Frühvollendeter geht. Mozart erlebte im 36. und letzten Lebensjahr den geradezu triumphalen Start seiner «Zauberflöte», und Schubert, der mit nur 31 Jahren starb, komponierte seine «Unvollendete» mit 25 Jahren.

Verehrt, gepriesen und geliebt

So verschieden die beiden Werke von ihrem Stil und ihrer Sicht auf die menschliche Existenz sind, etwas Gemeinsames verbindet sie dennoch: Es ist die im Letzten nicht nachvollziehbare Vollendung und Reife, die von beiden Komponisten in so jungen Jahren erreicht wurde. Das Gleiche ist von Mozarts einzigem Klarinettenkonzert zu sagen. Mit Recht wird es von den berufensten Interpretinnen und Interpreten immer wieder als ein nicht mehr zu überbietender Höhepunkt verehrt, gepriesen und geliebt.

Begeisterndes Spiel des Orchesters

Es muss bei dieser Werkwahl nicht besonders betont werden, dass zu ihrer Wiedergabe beim Orchester wie bei der Solistin ein überdurchschnittliches technisches Können und eine differenzierte Auseinandersetzung mit den weit gespannten Ansprüchen unverzichtbare Voraussetzungen sind. Beides wurde mit dem Urschweizer Kammerensemble und seinen 40 Mitgliedern unter der ebenso sorgfältigen wie engagiert-begeisternden Leitung von Stefan Albrecht auf einem bewundernswerten Niveau erreicht. Bereits mit dem heiklen ersten Bläsereinsatz in der Ouvertüre zur «Zauberflöte» und dem darauf folgenden, dahineilenden Fugato war die deutlich spürbare Sicherheit gegeben, dass man ein ebenso inspiriertes wie inspirierendes Konzert erleben wird. Das heisst unter anderem, die Transparenz der Durchhörbarkeit in allen Registern, die rhythmische Präzision, der sich steigernde und aufblühende Glanz hin zum krönenden Schlussakkord musste so nachgestaltet werden, dass der hohe Schwierigkeitsgrad gar nicht erst spürbar wurde. Das gelang den Ausführenden auf überzeugende Art.

Hervorragende Solistin

Man durfte sicher sein, dass dieses Orchester Fides Auf der Maur im darauf folgenden Klarinettenkonzert kongenial begleiten wird. Die zu Beginn noch spürbaren – vielleicht durch Nervosität bedingten Irritationen wichen bald jenem geistreichen, witzigen, dialogischen Wechselspiel, wie wir es auf diesem Niveau vor allem bei Mozart kennen. Fides Auf der Maur bestach denn auch durch ihr perfektes technisches Können, ihren makellosen Ansatz, ihr Mit- und Nachgestalten auch der himmlisch entrückten wie wehmütig dunklen Seiten des wunderbar beseelten Adagios und dem brillanten Rondo des letzten Satzes. Zum Abschluss erklang die sogenannte «Unvollendete», dieses abgründige, nie ganz auszulotende Spiegelbild Schuberts wie der ganzen frühromantischen Epoche.

Albrechtauf Präzision bedacht

Stefan Albrecht tat gut daran, das Kopfthema so einzuführen, um genügend Spielraum für die erschütternden Ausbrüche der Zerrissenheit wie der lyrisch nachempfundenen Sehnsucht zu haben. Hin und wieder hätte man dem Orchester bei den souverän gespielten Tuttistellen der Bläser gerne einen Zuwachs an Streichern in sämtlichen Registern gewünscht. Doch die auf Präzision bedachte Schlagtechnik des Dirigenten fand immer wieder zur Balance der verschiedenen Schwergewichte. Der lang anhaltende Applaus der begeisterten Zuhörer war Ausdruck des Dankes für einen wunderbaren Konzertabend.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

24.10.2010

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schwyzkultur.ch/gLnGHf