Ein Klangerlebnis: (von links) Hyungjong Kang (Violine), Stefan Wirth (Klavier), Hannes Bärtschi (Viola), Eva Lüthi (Violoncello) und Fides Auf der Maur (Klarinette) sorgten am Neujahrskonzert für Begeisterung. Bild Christoph Jud
Ein Klangerlebnis: (von links) Hyungjong Kang (Violine), Stefan Wirth (Klavier), Hannes Bärtschi (Viola), Eva Lüthi (Violoncello) und Fides Auf der Maur (Klarinette) sorgten am Neujahrskonzert für Begeisterung. Bild Christoph Jud

Musik

Zigeunerweisen und russische Klänge

Die Absicht, in der lieb gewordenen Tradition des «Schwyzer Neujahrskonzerts» gewohnte Pfade zu verlassen und neue Wege zu beschreiten, hat sich auch in diesem Jahr bestens gelohnt.

Das zahlreich erschienene Publikum erfreute sich an den in stupender Virtuosität gespielten Zigeunerweisen von sechs westlichen Komponisten. Darauf folgten in einem zweiten Teil ebenfalls sechs Kompositionen fünf russischer Komponisten, die in den geschickt arrangierten Werkbearbeitungen gleichsam einen Einblick in die sowohl lebensfrohen wie dunkel eingestimmten Dimensionen der russischen Seele schenkten.

Tolles Konzertprogramm

Trotz dieses aus rein innerweltlichen Erfahrungen von Fides Auf der Maur klug ausgewählten und gestalteten Konzertprogrammes trug die festlich geschmückte Pfarrkirche Seewen mit ihrer ausgezeichneten Akustik viel dazu bei, dass über allem der besinnliche Charakter eines Jahreswechsels ebenfalls gegenwärtig blieb. Diese Zusammenhänge wurden einem durch die einleitenden Worte von Heidy Weber-Wiget auf eine ebenso treffende wie einfühlsame Weise dargelegt. Mit Recht betonte sie, dass gerade unsere Zeit seelische Schutzräume und Orte des Rückzugs auf sich selbst benötigt und wie ein Neujahrskonzert in der Hektik unserer Zeit immer auch eine Ort der Selbstfindung wie der Zusammengehörigkeit sei.

Kühn aufstampfende Rhythmik

Gleich mit der ersten Komposition, einem Zigeunerrondo von Joseph Haydn, wurde man in die besonderen Qualitäten dieser Art Musik eingeführt. Sie ist nicht eigentliche «Zigeunermusik» im ursprünglichen Sinn, sondern lässt sich von den Originalklängen samt ihrer unverkennbar vorwärtsdrängenden, hin und wieder kühn aufstampfenden Rhythmik inspirieren und in eine konzertreife Neuschöpfung umwandeln. Dieses Kunstprinzip einer aus dem Volksgut schöpfenden und dann umgestaltenden Adaptionsweise beherrschten auf unwahrscheinlich hohem Niveau nicht erst die Romantiker, sondern bereits der Klassiker Joseph Haydn. So war man sowohl vom musikalischen wie vom musikgeschichtlichen Standpunkt her bestens eingestimmt in die nachfolgenden Zigeunerweisen von Max Bruch, Pablo Sarasate, Enrique Granados und Johanns Brahms und Antonin Dvorak. Es waren nicht nur die verschiedenen vorgeführten Kompositionsstile, die zum Vergleich herausforderten, sondern vor allem auch die verschiedenen instrumentalen Zusammensetzungen der präzis und mit grosser Sensibilität miteinander Musizierenden.

Hochdifferenziertes Zusammenspiel

Es sei gleich an dieser Stelle besonders hervorgehoben: Fides Auf der Maur gab mit ihrer Programmzusammenstellung allen Mitwirkenden die Chance, auf dem gleichen hohen Niveau zu muszieren wie sie es selber in so überzeugender Weise versteht. Kein Starkult also, sondern hochdifferenziertes Zusammenspiel in den verschiedenen Formationen, sei es in den Einlagen für Klavier solo, sei es im Zusammenspiel des Soloinstruments mit dem begleitenden Klavier, sei es in den verschiedenen Arrangements wechselnder kammermusikalischer Besetzung bis zum vollen Einsatz im Klavierquintett.

Standing Ovations

Auf diesem hohen musikalischen Niveau konnte sich auch der interpretatorisch schwierigere zweite Teil mit rein russischen Komponisten halten. Begreiflich, dass sich auch hier wie an einer Perlenschnur ein berühmter Namen neben den andern reihte: Peter I. Tschaikowsky, Alexander Borodin, Modest Mussorgsky, Dimitri Schostakowitsch und Aram Chatschaturian. Hyungjong Kang (Violine), Hannes Bärtschi (Viola), Eva Lüthi (Cello), Fides Auf der Maur (Klarinette) und Stefan Wirth (Klavier), diese blendend disponierten Musikerinnen und Musiker stellten sich alle in den Dienst des jeweils zu spielenden Werkes, deren interpretatorische Spannweiten von beseelter Einfachheit bis zum berserkerhaft dahintobenden «Säbeltanz» eines Chatchaturian reichten. Mit der Wiederholung dieser Komposition als Zugabe bedankte sich das reich beschenkte Publikum bei allen Ausführenden mit Standing Ovations.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

04.01.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/SiTru1