Sieht sich weniger als Künstler denn als «Marketing-Handwerker»: Jeroen van de Vlag lebt in Siebnen und vom Skulpturenbau aus Sand und Eis. Bild zvg
Sieht sich weniger als Künstler denn als «Marketing-Handwerker»: Jeroen van de Vlag lebt in Siebnen und vom Skulpturenbau aus Sand und Eis. Bild zvg

Kunst & Design

Meister im Sand- und Eisfach

Weltrekordhalter ist er schon, und bald kämpft er in den USA für die Schweiz um den Weltmeistertitel. Die Rede ist von Jeroen van de Vlag. Der in Siebnen wohnhafte Holländer ist seit Jahren ein Meister im Bau von Sand- und Eisskulpturen.

Eine kleine Sandburg, während der Sommerferien am Meer erstellt, mehr schlecht als recht im Endausbau, das haben schon die meisten Feriengänger fertiggebracht. Sicher auch Jeroen van de Vlag in seiner Kindheit, doch darauf gründe sein heutiges Tun nicht. «Es war kein Kindheitstraum », sagt er. Dass er heute, als 40-Jähriger, davon leben kann, für seine Firmenkunden Sandberge zu bewegen und zu formen, das verdankt er im Grunde seinem Bruder.

Alles begann 1991

1991, an einem Strand in der Nähe von Den Haag im Süden Hollands, arbeitet sein Bruder für eine Event-Firma an einer grösseren Sandskulptur. Weil noch fleissige Hände gesucht werden, greift van de Vlag erstmals professionell in den Sand. Er erinnert sich noch genau: «Damals brauchte ich einen ganzen Tag, um zwei kleine Fensterchen zu gestalten.» Heute baut er in wenigen Tagen ganze Burg und Schlossansichten. Seit 2006 arbeitet er selbständig mit eigener Firma und macht das, was er zuvor über zehn Jahre lang für eine Event-Firma in Holland betrieben hat: Sandskulpturen in allen Formen und Grössen, ebenso aufwändige Schnee- und Eisaufbauten.

Faszinierende Formenwelt

Firmen oder auch andere Institutionen buchen ihn zu Marketingzwecken. So bildete er beispielsweise diesen Sommer in einem Einkaufscenter in Volketswil die bekannten Weltfussballer in einer Art 3-D-Panini-Bildchen nach. Danach war van de Vlag in Bundesbern am Burgenbauen – in den Schaufenstern eines Einkaufscenters. Das Konzept ist im Grunde einfach: Wo Sandoder Schneeberge sich erheben, und ein Mensch daraus etwas formt, faszinieren sich die Leute dafür, bleiben stehen und staunen.

Mehr Handwerker als Künstler

Van de Vlag sieht sich selber mehr als Handwerker denn als Künstler: «Das Künstlerische ist nicht so oft gefragt, am meisten bilde ich Architektur nach.» Und trotzdem, auf dem Gebiet der Sandskulpturen ist auch Kunstvolles gefragt. Das wird vor allem an den zahlreichen internationalen Wettbewerben sichtbar. Bis vor einigen Jahren reiste van de Vlag noch rund um die Welt und mass sich mit anderen Sandkünstlern. Seit er sich im Jahr 2004 in Siebnen niedergelassen und mit seiner Frau eine Tochter hat, ist das anders. Sommer und Winter hat er vor lauter Aufträgen kaum mehr Freizeit. In diesem Jahr war er sogar erstmals ausschliesslich in der Schweiz tätig. Ein Vorteil, den er als Familienvater schätze, wie er sagt.

13 000 Tonnen und der Rekord

Zurück in seine Anfängerzeit als Sandhandwerker. Nachdem ihm sein Bruder damals zu einem ersten Job verholfen hatte, schlug er erst den normalen Ausbildungsweg ein. Er schloss ein paramedizinisches Studium in Holland ab (Ernährungstheorie). Weil durch eine Reform im Gesundheitsbereich dann zu viele seines Fachs auf Stellensuche waren, wurde er nach einem längeren Auslandaufenthalt fester Mitarbeiter in der besagten Event-Firma. An den ersten grosen Auftrag erinnert er sich noch heute. Auf 500m2 erstellte er eine Art Mini-Holland, «vergleichbar mit Swiss Minature». Sein «grösster» Auftrag aber ist noch immer im «Guinnessbuch der Rekorde» verzeichnet. 13 000 Tonnen Sand, «90 Prozent der Skulptur mussten bearbeitet sein, und das Ganze musste frei, ohne Stützkonstruktion stehen», erzählt van de Vlag. Am Ende erreichte die von ihm berechnete Figur 20.91 Meter –Weltrekord!

Junger Sand ist gefragt

Was sich seither geändert hat, ist die Planungstechnik. Früher wurde von Hand berechnet und gezeichnet, seit 1997 per Computer in 3-D. Wichtig dabei ist die Volumenberechnung. Wie viel Sand braucht es? Und dann sogleich: Woher bekomme ich den richtigen Sand? Am besten ist laut van de Vlag sogenannt «junger Sand», der noch nicht rundgeschliffen ist. Meersand ist also weniger geeignet. Ein Trost für all jene, die an ihren Künsten zweifeln, weil die Sandburg am Ferienstrand kaum oder gar nicht dauerhaft werden will. Dass seine Sandbauten noch für lange Zeit gefragt sein werden, davon ist van de Vlag überzeugt: «In der Schweiz bin ich aktuell fast der Einzige in diesem Bereich,

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

27.08.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/tRsAEG