Talentiert: Oliver Gygli stellt in seiner Werkstatt in Siebnen auch Masken für die Fasnacht her. Bild Tanja Holzer
Talentiert: Oliver Gygli stellt in seiner Werkstatt in Siebnen auch Masken für die Fasnacht her. Bild Tanja Holzer

Volkskultur

Wo gruselige Gestalten zum Leben erwachen

Oliver Gygli aus Wangen fertigt in seiner Werkstatt in Siebnen allerhand unheimliche Gestalten für die Fasnacht und sonstige Dekorationen.

Schrecksekunden habe er in seinem eigenen Atelier auch schon erlebt, gesteht Oliver Gygli. Schon mit dem ersten Schritt in seine Werkstatt in der Alten Fabrik Siebnen wird der Besucher von unheimlichen, eigentümlichen und teils wirklich «gfürchigen» Gestalten begrüsst. Von der schwarzen Wand herab äugen Gnome, Ausserirdische, Clowns und Teufel.

60 verschiedene Gestalten

Oliver Gygli ist Maskengestalter und fertigt Masken vor allem für die Fasnacht weit über regionale Grenzen hinaus auch bis nach Deutschland an. Etwa sechzig verschiedene Gestalten stammen aus seiner Werkstatt, schätzt Gygli. Die Gehörnten für eine Kaltbrunner Maskengruppe, die in Uznach zum ersten Mal zu sehen sein werden, gehören zu den aktuellsten Aufträgen. Gygli spielte seit seinem elften Lebensjahr in einer Guuggenmusig.

Alle Freizeit fürs Kunsthandwerk

Als Gründungsmitglied einer eigenen Guuggenmusig wagte er sich erstmals ans Maskengestalten und blieb bis heute bei diesem Kunsthandwerk. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Hauswart und investiert so gut wie all seine übrige Zeit in die Masken und sonstige Dekorationsaufträge. «Meine Freunde wissen immer, wo sie mich finden», schmunzelt Gygli. Sein frisch pensionierter Vater und so mancher Freund würden auch ab und zu tatkräftig mithelfen. Nicht jede Maske setzt Gygli von A bis Z selbst um. Manchmal übernimmt er nur Teilaufgaben, liefert Material oder gibt Kurse. Meistens basierend auf konkreten Kundenideen, fertigt der Kunsthandwerker ein Modell. Die Form, aus der dann der Abguss aus Latex folgt oder die mit Kunststoff ausgestrichen wird, ist aus Gips oder Silikon. Mit Airbrush schenkt Gygli der Maske die Grundierung und die charakteristischen Farbzüge. Mund und Augen werden ausgeschnitten, künstliche Augen,Wimpern und sonstige Details wie Hörner und Haare werden ganz zum Schluss angebracht. Eigene Ideen hat Gygli genug, doch aufgrund der stets wachsenden Auftragslage fehlt ihm meistens die Zeit, Eigenes zu verwirklichen.

Gruseliges nimmt gefangen

Ihm selbst spiele es keine Rolle, ob eine Maske lustig oder gruselig sei, erklärt Gygli. Im Gegenteil, allzu Gruseliges sei nichts für ihn, er schaue sich persönlich nicht mal Horrorfilme an. «In meiner Werkstatt bewegt sich alles», erklärt Gygli die Schrecksekunden in seiner Werkstatt. Jeder Besucher dürfte diese Aussage mit einem Rundblick im Atelier sehr gut nachvollziehen können. Die Werkstattatmosphäre nimmt gefangen mit Hakennasen, roten Augen und gefurchten Wangenknochen – diese kreative Welt hinter den Fasnachtsgestalten fasziniert.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt / Tanja Holzer

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

19.01.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/7AVBn4