Bernhard Betschart hoch oben über Muotathal: Seine Heimat und seine geliebte Freundin inspirieren ihn beim Singen. Bild: Melanie Schnider
Bernhard Betschart hoch oben über Muotathal: Seine Heimat und seine geliebte Freundin inspirieren ihn beim Singen. Bild: Melanie Schnider

Musik

So tiefgründig ist das neue Album

Heimweh-Sänger Bernhard Betschart gewährt persönliche Einblicke ins neue Album.

Wie am Laufband produziert der Schweizer Männerchor Heimweh neue Songs. Und dies äusserst erfolgreich. Ihre vier bereits veröffentlichten Alben waren 46 Wochen in den Top 10 der Schweizer Albumcharts. Während des Lockdowns produzierten sie zudem einen weiteren Megahit: «Zämehäbe». Dieser ist bis jetzt das erfolgreichste schweizerdeutsche Lied des Jahres 2020. Warum ist «Zämehäbe» so beliebt? «Das Stück widerspiegelt ein Bedürfnis sowie die Gefühlswelt der Menschen während des Lockdowns», meint Sänger Bernhard Betschart. Zudem sei «Zämehäbe» das Erfolgskonzept des Chors. «Seit mehreren Jahren singen wir in der fast gleichen Formation. Dank unseres Zusammenhalts können wir übermorgen bereits unser fünftes Album veröffentlichen, welches nach der Single benannt ist», sagt Betschart und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Doch bewirkt schlussendlich bloss guter Zusammenhalt so viel Erfolg?

«Er holt sich Inputs aus unseren Leben»


Sobald es an das Dichten neuer Songs geht, ist der kreative Kopf von Georg Schlunegger gefragt. Er ist Freund und musikalischer Leiter des Chors Heimweh. «Er holt sich Inputs aus unseren Leben zur Inspiration. Somit sind fast alle Stücke – auch die auf dem neuen Album – persönliche Geschichten einzelner Sänger», verrät Tenorstimme und Leadsänger Bernhard Betschart. Dies verschaffe den Liedern Wahrhaftigkeit. «Natürlich treffen somit nicht alle Liedtexte und Gefühle auf jeden einzelnen von uns zu. Vielmehr geht es uns darum, die Geschichten gemeinsam als Chor zu erzählen», betont der gebürtige Muotathaler. Sie alle würden sich in die Erlebnisse des anderen reinfühlen. «Diese Fähigkeit zur Empathie gehört einfach zu einem Sänger. Ohne sie wäre jeglicher Gesang unecht», unterstreicht Betschart. Bei so viel Authentizität: Gibt es denn Lieder auf dem neuen Album, welche von Bernhard Betscharts Erlebnissen handeln?

Bernhard Betschart singt von seiner Heimat und seiner Liebe


Neben «Zämehäbe» gibt es auf dem Album neun brandneue Lieder. Zwei davon sind mit Bernhard Betscharts Leben verbunden. «Vor Jahren verliess ich meine Heimat und reiste nach Amerika. Von diesem Ausbruch von Zuhause und der eigenen Herkunft handelt das Stück ‹Lied vo dä Bärge›», offenbart Betschart. «Als ich in den USA war, wurde ich mir meiner Wurzeln oft bewusst, wenn ich an meine Familie, die Berge und den Naturjuuz dachte.» Diese hätten ihn unter anderem zurück nach Hause geführt. Um dies im Song zu unterstreichen, beginne dieser mit Jodelgesang von ihm. Das zweite Lied aus Bernhard Betscharts Leben heisst «Gletscheraugä». Das sagenähnliche Stück schildert die Geschichte eines Wanderers, der sich in die glasklaren, hellblauen Augen einer wunderschönen Frau verliebt. «Singe ich dieses Lied, denke ich an meine Freundin», gesteht er. Mit solch gefühlvollen Erzählungen ist es für Heimweh ein Leichtes, die Herzen der Hörer und Hörerinnen zu berühren. Wird er deshalb auf der Strasse von Fans angesprochen? «Relativ häufig», meint Betschart lächelnd, «doch dies nicht nur wegen Heimweh. Manchmal würden ihn Passanten auch aufgrund seiner früheren Auftritte bei «Kampf der Chöre», «The Voice of Switzerland» oder wegen seiner Juuzer- Gruppe Natur pur bei «Potzmusig» erkennen. «Einen eigenen Fanclub habe ich aber nicht», sagt der Muotathaler mit einem Lachen.

Sieben Dialekte harmonieren zusammen


«Mit unseren Stücken wollen wir die Menschen berühren und Geschichten vermitteln. Doch es geht uns beim Musizieren auch noch um etwas anderes: Um die Vermittlung der Schweizer Sprachkultur», betont er. Neben dem Schwyzer Dialekt sind im zwölfköpfigen Chor der Urner Dialekt, der Obwaldner, der Luzerner, der Glarner, der Aargauer und der Berner Dialekt vertreten. «Bei den Liedern steht immer wieder eine andere Heimatsprache im Vordergrund, was die wahren Geschichten dahinter noch persönlicher macht », sagt Bernhard Betschart.

Bote der Urschweiz / Melanie Schnider

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

05.08.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/6Rw1Yj