Literatur
Krimi-Lesung über einen wahren Justizirrtum
Nach der Geschichte der letzten Muotathaler Hexe erzählte Prisca Gaffuri von der letzten Enthauptung in Luzern – einer wahren Begebenheit.
Eine Guillotine, das Foto eines Mannes in Frauenkleidern und verschiedene Gerichtsakten sind Zeugnisse eines eigentlichen Justizkrimis, den Prisca Gaffuri vor Jahren selbst verarbeitet hat. Als sie im Historischen Museum Luzern arbeitete und in dessen Theaterensemble auftrat, entstand die Erzählung «Mord im Untergrund» über den unschuldig enthaupteten Giovanni Gatti.
Parallelen zur Kastenvögtin
Die erwähnte Guillotine wird heute im Museum ausgestellt und diente der Schauspielerin bereits als Requisit. Wie Gaffuri erklärte, habe sie die Story, die sie am Mittwoch vor 20 Zuhörern vortrug, kürzlich wieder hervorgeholt. Sie sieht Parallelen zum Solo-Stück «Die Kastenvögtin» über die Hexenverfolgung in der Region, mit dem sie diesen Monat in Seewen auf der Bühne stand. Gatti war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort, als an einem Januarabend 1891 die Lehrerin Fräulein Degen mit einem Strick um den Hals im Schnee aufgefunden wurde. Für die Ermittler handelte es sich um einen Raubmord, für den laut Zeugenaussagen nur der italienische Landstreicher infrage kommen konnte. Dieser konnte sich nicht gut ausdrücken, um die Anschuldigungen zu entkräften. Die Richter mussten handeln und liessen die Zeugen ihre Aussagen unter Eid wiederholen. In den Kleidern des Opfers wurde Gatti ihnen gegenübergestellt. Gaffuri ist davon überzeugt, dass solche Erinnerungen täuschen und zu falschen Schlüssen führen. In die Ecke gedrängt, hoffte Gatti durch ein Geständnis auf eine mögliche Begnadigung. Als Fremdem ohne Familie wurde diese ihm jedoch verweigert, sodass er 1892 als Letzter zum Tod mit der Guillotine verurteilt wurde. Der mutmasslich wahre Mörder bekannte sich später übrigens brieflich zur Tat.
Bote der Urschweiz (Patrick Kenel)
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Bote der Urschweiz
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