Kann ein aussergewöhnliches Jubiläum feiern: Der Schwyzer Otto Tschümperlin leitet seit 50 Jahren den Kirchenchor Steinen.
Kann ein aussergewöhnliches Jubiläum feiern: Der Schwyzer Otto Tschümperlin leitet seit 50 Jahren den Kirchenchor Steinen.

Musik

Mit dem Pferd zur Chorprobe

Der Schwyzer Otto Tschümperlin leitet seit 50 Jahren den Kirchenchor Steinen. 50 Jahre – eine abstrakte Zahl, welcher durch die Erlebnisse und Erinnerungen aber doch sehr viel Leben eingehaucht wird.

Vor 50 Jahren, am Chilbi-Sonntag 1961, hat Otto Tschümperlin erstmals den Kirchenchor Steinen dirigiert. Der überraschende Rücktritt seines Vorgängers Lehrer Rickenbacher erforderte ein schnelles Handeln, per Handschlag wurde der damals 26-jährige Otto Tschümperlin im Sinne eines Provisoriums engagiert. Handschlag und Provisorium haben ein halbes Jahrhundert überdauert.

Während der Predigt Noten geholt

50 Jahre, was dieser Zeitraum beinhaltet, kann wohl am besten durch eigene, persönliche Erinnerungen an den Beginn der Sechzigerjahre nachvollzogen werden. Im Syti-Haus an markanter Lage hoch ob Rickenbach aufgewachsen, hat Otto Tschümperlin damals noch einen ganz anderen Blick auf den Talkessel von Schwyz erlebt: Keine Autobahn, keine Einkaufszentren, die Ortsteile Schwyz, Seewen, Ibach und Rickenbach waren baulich noch nicht miteinander verbunden. Die Winter konnten noch sehr hart sein, die Leute von damals waren fähig, sich den Gegebenheiten der Natur anzupassen. So auch Otto Tschümperlin: Die grosse Schneemenge verunmöglichte das Abholen des Chorleiters durch Alois Schibig mit seinem dreirädrigen Messerschmitt. Kurzerhand sattelte Tschümperlin sein Pferd, ritt durch den Schnee nach Steinen und band seinen «Nothelfer» für die Dauer des Gottesdienstes in den Stall des damaligen Bauernbetriebes Beffa (heute Wohnquartier «Hausmatt»). Gerne denkt Otto auch zurück an die Zeit der «unbeschränkten Geschwindigkeiten», die es ihm einmal ermöglichten, während der Predigt mit seinem Volvo die zu Hause in Schwyz liegen gebliebenen Noten doch noch rechtzeitig nach Steinen zu holen.

Dirigent und Organist

Will man die Leistungen und Verdienste von OttoTschümperlin richtig würdigen, so kommt man nicht darum herum, sein breites Tätigkeitsfeld zu betrachten. Mit dem Abschluss des Musikstudiums wurde die Musik zu seinem Beruf. Die Familie mit seinen vier Buben, das Bauern, das Amt als Gemeindepräsident, das Amt als Vermittler, das Reiten: Alles musste unter einen Hut gebracht werden. Dabei fällt während den Kirchenchorproben jeweils auf, dass bei Otto Tschümperlin Beruf, Familie und weitere Tätigkeiten nicht einzeln betrachtet werden, sondern stets stark miteinander verbunden sind. Dies dürfte wohl der Grund sein, weshalb Otto Tschümperlin ein feines Fingerspitzengefühl beim Anziehen und Loslassen der Zügel an den Tag bzw. in die Probenabende legt und er mit seinem Humor zu jeder Situation einen passenden Vergleich finden und weitergeben kann. Seine Vielseitigkeit und sein Drang nach Selbstständigkeit zeichnen sich im Chor dadurch aus, dass das Repertoire des Chors ein breites Spektrum an kirchlicher und weltlicher Literatur aufweist. Aus dem insgesamt 34- köpfigen Chor hat Otto Tschümperlin sechs vereinseigene Solostimmen geschult und in ihnen den keineswegs selbstverständlichen Mut aufgebaut, alleine vor Publikum zu singen. Die Leistungen von Otto Tschümperlin sind noch höher einzustufen, wenn man weiss, dass er jeweils in der Doppelfunktion als Dirigent und Organist tätig ist. Als Dank für die hohe Bereitschaft und die geleistete Arbeit für den Verein hat der Kirchenchor OttoTschümperlin die Ehrenmitgliedschaft verliehen und damit die Verbundenheit und freundschaftliche Bande gefestigt.

Gottesdienst am Chilbi-Sonntag

Im Hauptgottesdienst vom Sonntag, 2. Oktober, mit Beginn um 09.15 Uhr singt der Kirchenchor die lateinische Messe von Ignaz Baptist Vanhal, das «Locus iste» von A. Bruckner und «s’Chilchli» von E. Grolimund sowie das Jodellied «Bärgandacht» von R. Stadelmann. Vielleicht vermag das Jubiläum die Kirchgänger dazu verleiten, sich nach dem Schlusssegen nochmals hinzusetzen und das zum Auszug obligate Orgelspiel in seiner ganzen Länge auf Herz und Seele wirken zu lassen und OttoTschümperlin mit einem Applaus für sein 50-jähriges Wirken zu danken.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

01.10.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/T8WSFp