Dominik Flammer, Buchautor und Foodscout, fesselte die Zuhörerschaft trotz sommerlicher Hitze im Müsigricht in Steinen. Bild Monika Neidhart
Dominik Flammer, Buchautor und Foodscout, fesselte die Zuhörerschaft trotz sommerlicher Hitze im Müsigricht in Steinen. Bild Monika Neidhart

Volkskultur

Kartoffeln galten als «Säubrot»

Dominik Flammer referierte im Rahmen des Kulturmonats «g'schmackvoll» im Müsigricht über die Entwicklung der Esskultur und plädierte für die Wiederentdeckung der lokalen Vielfalt.

Rund 2,6 Kilogramm schwer ist das Buch «Das kulinarische Erbe der Alpen». Wer so dicke Bücher schreibt, muss viel zu erzählen haben. Tatsächlich hat Dominik Flammer, der 50-jährige Autor des Buches, ein reiches Wissen. Er ist zudem ein begnadeter Erzähler. Trotz sommerlicher Hitze fesselte er am Sonntag die zahlreichen Interessierten im Müsigricht in Steinen mit einem Überblick über die Entwicklung der Zentralschweiz vom Getreidezum Obst- und Käseland am Ende des Mittelalters. Für den Wahl-Vitznauer war die Zäsur im 16. Jahrhundert eine Folge des Klimawandels mit feuchten Sommern und kalten Wintern: «Getreide konnte nicht mehr auf grossen Höhen angebaut werden. Dafür trieb man das Vieh auf die Alpen, während die Ebenen nun für Gras und Obstbäume genutzt wurden.» Die Innerschweiz war damals wenig besiedelt. Entsprechend wurde lange haltbarer Hartkäse produziert und zusammen mit Milchkühen bis nach Mailand exportiert, wie Dominik Flammer weiter berichtete.

Detailgeschmückt

Die lokalen Essgeschichten machten den Vortrag detailreich. Mit einem Foto aus dem 19. Jahrhundert zeigte Flammer eine Bäuerin, wie sie auf einem Findling jahrelang Humus aufschichtete, um darauf Kartoffeln anbauen zu können. Für das «Säubrot » bekam sie kein richtiges Land. Aus einer Biografie erzählte Flammer, dass 1879 mehrere Tausend Feigenbäume in Vitznau standen. Die Früchte wurden gar exportiert. Heute seien sie wieder vermehrt erhältlich und würden auch von Nenad Mlinarevic, Koch des Jahres im Park Hotel Vitznau, geschätzt.

Lokale Vielfalt wieder entdecken

Gerade das Wiederentdecken der lokalen Geschmäcker ist es, das den studierten Ökonomen antreibt. «Ich möchte das Bewusstsein für die Vielfalt bei uns wecken. Oder wissen Sie, dass es rund um die Rigi verschiedene Anisgebäcke gibt, wie etwa der Rigitüüfel, der Heilige Wendelin oder Dittiring mit je eigenem Aroma?» Die Zuhörer, die sich beeindruckt zeigten vom Wissen von Dominik Flammer, sich aber beieinzelnen Themen mehr Vertiefung gewünscht hätten, werden am 11. September auf die Rechnung kommen. Dann wird Flammer, der auch ein dickes Buch über den Schweizer Käse geschrieben hat, bei einer Degustation zu «Gschwellti Deluxe» über «Chäs und Gummel», abgeleitet vom Gummelhof oberhalb vonGoldau, wo frühKartoffeln angepflanzt wurde, berichten.

Infos

www.müsigricht.ch

Die Fotoausstellungmit Bildern von Sylvan Müller (u. a. aus dem Buch
«Kulinarisches Erbe») dauert bis am 3. Oktober 2016.

Bote der Urschweiz (Monika Neidhart)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

30.08.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/Yg4g8P