Denkpause: In diesem Jahr wird das «Goldige Örgeli» an der Steiner Chilbi nicht übergeben.
Denkpause: In diesem Jahr wird das «Goldige Örgeli» an der Steiner Chilbi nicht übergeben.
Schwierige Phase: Die Steiner Chilbi hat auch schon bessere Zeiten gesehen.
Schwierige Phase: Die Steiner Chilbi hat auch schon bessere Zeiten gesehen.

Volkskultur

Kein «Goldigs Örgeli» mehr

Die Steiner Chilbi macht eine schwierige Phase durch. Das traditionelle Angebot ist kleiner geworden, Rambazamba rückt in den Vordergrund. Zudem wird der Ländlernachwuchs- Wettbewerb «Goldigs Örgeli» dieses Jahr nicht durchgeführt.

Seit Jost Ribary vor 76 Jahre den Schottisch «Steiner Chilbi» komponiert und in Steinen grandios aus der Taufe gehoben hat, gibt es da gar keine Diskussion: Die Steiner Chilbi ist mit Abstand die bekannteste der ganzen Schweiz. Zeitweise fuhren ganze Busladungen von Chilbi- Fans und Touristen heran. Der Anlass am traditionellen ersten Wochenende im Oktober zeichnete sich immer durch ein Spitzenangebot an Ländler-und Volksmusik-Formationen aus, die in den Gaststätten aufspielten.

Aula nur «mässiger Ersatz»

Nun sieht es ganz so aus, als ob die Steiner Chilbi mindestens «leichtes Fieber» hat. Letztes Jahr stand das legendäre «Rössli» am Dorfplatz erstmals nicht mehr zur Verfügung. Die früheren Gasthäuser Krone, Schützengarten undAdler sind schon längst verschwunden, zwei andere haben auf Pop umgestellt. Neuestens sucht auch das bekannte Restaurant Kündig eine Nachfolge. Nachdem das Angebot an Plätzen zurückgegangen war, hat die Gemeinde als Chilbi-Veranstalterin die Aula wieder in Betrieb genommen. So richtige Chilbi-Stimmung im alten Stil mag in diesem grösseren Saal aber trotzdem nicht aufkommen.

Nachwuchswettbewerb gestrichen

Es ist also irgendwas im Gange. Dazu kommt, dass dieses Jahr der Ländler-Nachwuchswettbewerb um das «Goldige Örgeli» erstmals nicht mehr stattfinden wird. Vor 17 Jahren ist mit dieser Idee zur Nachwuchsförderung gestartet worden, vor zehn Jahren hat sich Radio Central engagiert und den Wettbewerb seither erfolgreich organisiert, moderiert und live übertragen. Etliche der jungen Formationen haben sich hier vor einem grösseren Publikum ihre ersten Sporen abverdienen können und später Karriere gemacht. «Central»-Programmchef Alfons Spirig erklärte, dass man eine Denkpause einschalten wolle. Dann werde man sehen, wie es weitergeht. Allerdings tönte Spirig auch an, dass es seitens der Gemeinde an Anerkennung für diesen Wettbewerb gefehlt habe. Sieht man das aktuelle Programm der Steiner Chilbi 2009 durch, dann sind es immerhin noch acht Lokalitäten, welche am verlängerten Chilbi-Wochenende Live-Musik bieten, mehr als 20 Formationen wechseln sich ab. Daneben aber gibt es auch Lokale, die sich mit DJs begnügen.

Veränderung ist nichts Neues

Ein guter Kenner der Volksmusik-Szene wie der Steiner Gastrobetriebe ist der einheimische Hansjörg Koller. Er bestätigt, dass die Vielfalt des Angebots sicher kleiner geworden sei. Umgekehrt aber sei das Image immer noch vorhanden, «dass die Steiner Chilbi und die Ländlermusik ein Zwillingspaar sind». Das Angebot sei nach wie vor gut. Ebenso erfahren in Sachen Chilbi ist Paul Kündig vom gleichnamigen Speiserestaurant. Dass die Steiner Chilbi sich gewandelt habe, das sei ein offenes Geheimnis. Vor allem am Samstag sei sie mehr zu einem Dorffest mit Rambazamba geworden, erklärte Kündig, mit allen negativen Randerscheinungen. Da könne es schon vorkommen, dass traditionelle Besucher gar nicht mehr vorbeikommen. Am Sonntag dagegen und am Montag sei die Chilbi im alten Stil erhalten geblieben. Kündig gibt sich aber auch gelassen. Er erlebe in seinem Gastrobetrieb die Chilbi nun schon seit 1966. Da habe es immer wieder ein Auf und ein Ab sowie Veränderungen gegeben. «Da muss man nachgeben und dann wieder etwas bremsen », gibt er sich für die Zukunft der Steiner Chilbi optimistisch.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

30.09.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/1f9Srt