Gelungener Event: Beat Auf der Maur, Präsident Kulturverein Steinen (Mitte), stellte den Referenten Paul Reichmuth (links) vor. Rechts Tanzschenker Carl-Heinz Schottroff. Bild: Christoph Jud
Gelungener Event: Beat Auf der Maur, Präsident Kulturverein Steinen (Mitte), stellte den Referenten Paul Reichmuth (links) vor. Rechts Tanzschenker Carl-Heinz Schottroff. Bild: Christoph Jud

Volkskultur

Schwarzer Tag in Steinens Geschichte

Der 5. und letzte Abend im Rahmen des Events Zeitreise in Steinen war dem Bauernaufstand vom 22. September 1942 und der Ländlerlegende Kasi Geisser gewidmet.

Zeitreise Steinen – Geschichten und Musik von anno dazumal – ist ein Event des Kulturvereins Steinen. Am Samstag erzählte der ehemalige Steiner Paul Reichmuth über die Steiner Affäre 1942. Musikalisch blickte Beat Auf der Maur, Präsident des Kulturvereins Steinen, auf das Leben und Schaffen der Arther Ländlerlegende Kasi Geisser zurück. Die Ländlerkapelle Leo Kälin mit dem 77 Jahre alten Klarinettisten Leo Kälin spielte viele Kompositionen von Kasi Geisser. 160 Personen füllten das Obergeschoss in der ehemaligen Schnapsbrennerei an der Räbengasse. Der Kulturverein Steinen schloss mit diesem Anlass am fünften Freitagabend in Folge die Zeitreise ab.

Bauern trotzten den Behörden

Der Steiner Aufstand vom 22. September 1942 hatte seinerzeit schweizweit enorme Wellen geschlagen. 67 Jahre später sassen auch einige Enkelkinder der damaligen Revoluzzer am Geschichtsanlass, um zu hören, was ihre Grossväter damals bewirkt hatten. Was war geschehen? Wegen Verdachts auf Schwarzhandel undWiderhandlung gegen das Kriegswirtschaftsrecht wurde am 19. September 1942 Josef Nufer, Betreiber einer Sennerei und der Futter- und Maismühle «Untermühle», Steinen, von der Polizei abgeholt und in Untersuchungshaft gesetzt. Nufer war ein hoch angesehener Mann in Steinen, der viele öffentliche Ämter bekleidete wie Schulpräsident, Präsident der Raiffeisenkasse sowie früher acht Jahre lang Gemeinderat. Die Verhaftung Nufers sorgte in Steinen für Gesprächsstoff. Die Bevölkerung war über das wirkliche Ausmass von Nufers Schwarzhandel nicht im Bilde und empfand dessen Inhaftierung deshalb als behördliche Willkür. Nufer jedoch hatte den Vorwurf des Schwarzhandels nicht abgestritten.

Todesdrohungen gegen Beamte

Die Behörden ordneten eine amtliche Kontrolle in der «Untermühle» und in der Sennerei an. Steiner Bauern wollten diese Kontrollen verhindern. Ein Sohn von Josef Nufer widersetzte sich der Kontrollen und drohte, alle Beamten, die sich in Steinen blicken liessen, totzuschlagen. Am 22. September trafen zwei staatliche Inspektoren in Schutzbegleitung des Ortspolizisten in der Räbengasse ein. Dies verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Dorf. Viele Aufständische und Neugierige kamen zur Mühle und Molkerei. Das aufgebrachteVolk forderte die Freilassung von Nufer und griff die Inspektoren tätlich an. Einer der beiden verletzte sich ernsthaft, der andere Beamte rettete sich mit der Flucht aus dem Fenster. Ein Alarmdetachement der Armee zog in Steinen auf. Die Freilassung Nufers konnten die Bauern nicht bewirken, jedoch wurde die Kontrolle der Betriebe verschoben auf den Zeitpunkt, an dem der Inhaftierte wieder auf freiem Fuss sei.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

28.09.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/nMUY7r