Jörg Wiget und Marie-Louise Beffa trugen das Stück vor Publikum vor. Bild Patrick Kenel
Jörg Wiget und Marie-Louise Beffa trugen das Stück vor Publikum vor. Bild Patrick Kenel

Volkskultur

Stückli aus Kriegstagen wurden erweckt

Das «glungnige Stückli» eines Steiner Originals füllte das Atelier des Baumfigurenkabinetts bis auf den letzten Platz.

Viele Anwesende an der Lesung am Sonntagabend kannten Karl Schuler (1907–1985), der im Restaurant Kreuz in Seewen aufgewachsen war und deshalb «Chrüzkari» genannt wurde, persönlich. Er war Briefträger und Zählerableser. In der Freizeit widmete sich Schuler der Ländlermusik und dem «Verse-Schmieden». Schöne Verse finden sich auch im Stück «Die schlau Frau Meier» aus der Zeit der Rationierung im Zweiten Weltkrieg. Die Schlauheit dieser Frau Meier besteht darin, dass sie ihre fünf Freundinnen dorthin verweist, wo gerade Lebensmittel oder Stoffe vorrätig seien, bevor sie sich an ihre Tafel setzen. So können Frau Meier und ihre Magd Lina ihren Gugelhopf alleine geniessen. «Ein Stück mit viel Ironie, das auf einen Schwachpunkt der Gesellschaft hinweist: den Eigennutz, der nicht übertrieben werden sollte», kommentierte Hansjörg Koller. Er hat das Stück kürzlich entdeckt, als seine Schulkollegin, «Chrüzkaris» Tochter Rosmarie, ihm ein Heft mitgegeben hat. Daraus entstand die Idee, das Zeitdokument uraufzuführen. «Wir können uns ja beide gut an die Kriegszeit erinnern», so Rosmarie Wiget, Jahrgang 1937.

Enkel spielte Musik

Ihr Sohn Jörg sorgte während der Lesung mit seinem Akkordeon für musikalische Einlagen. Dabei spielte er Teile aus dem von Karl Schuler getexteten Steiner Lied und stellte Geräusche nach. Auch ihm gefällt das nicht genau datierbare Werk seines Grossvaters: «Das Stück könnte ein Einakter in Gedichtform sein, das ein gutes Zeitdokument darstellt.» So verwendet es die heute unbekannte, aus Deutschland stammende Bezeichnung «Heier» – sie reimt sich auf Meier – anstelle von «Fünfliber». Marie-Louise Beffa, welche in die Frauenrollen geschlüpft ist und die Verse lebhaft vorgetragen hat, übernahm den Dialekt mit einer Ausnahme unverändert. «Aus ‹Härdöpfel› musste ich einfach ‹Gümel› machen», meinte die Schwyzerin nach ihrer halbstündigen Lesung leicht schmunzelnd.

Bote der Urschweiz (Patrick Kenel)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

22.04.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/pQnZ8Q