Der Merlischacher Zälli Beeler schreibt Drehbücher, führt Regie und spielt Theater. Bild: Edith Meye
Der Merlischacher Zälli Beeler schreibt Drehbücher, führt Regie und spielt Theater. Bild: Edith Meye

Bühne

Theater ist sein Leben: Zälli Beeler will dennoch kein Profi werden

Zälli Beeler wirkt beim Volkstheaterfestival in Meiringen mit. Der Merlischacher hat viele Talente, sei es als Regisseur, Laienschauspieler oder Juror.

Edith Meyer Vorhang auf: Zälli Beeler wohnt mit seiner Partnerin Lisa Halter und zwei Pflegekindern im ehemaligen Postgebäude in Merlischachen. In den Räumen ist seine Liebe zum Theater allgegenwärtig. In der Stube sind Theaterplakate an der Wand befestigt, sie erzählen von unzähligen Auftritten. Auf der anderen Seite des Raums sind Drehbücher und Fachliteratur im Büchergestell eingereiht. «Meine Familie kann gut damit umgehen, wenn ich wegen eines Engagements fehle. Meine Lebensgefährtin und die Mädchen haben 5 von 15 Aufführungen des Stücks ‹Der Gott des Gemetzels› der Bühne 66 besucht – und waren begeistert», sagt Zälli Beeler. Er ist seit über 45 Jahren als Vereinspräsident, Produktionsleiter, Schauspieler und Regisseur in der Amateurtheaterszene aktiv.

Tausendsassa im Hintergrund und auf dem Schauplatz

Wenn es um Theater geht, ist Zälli Beeler ein Tausendsassa im Hintergrund und auf der Bühne. Regelmässig führt er Regie, als Hausregisseur bei der Bühne 66 in Schwyz und als Gastregisseur bei anderen Amateurtheatern in der Zentralschweiz. Zudem ist er Kursleiter beim Südtiroler Theaterverband STV, beim Österreichischen Bundesverband für ausserberufliches Theater ÖBV und sitzt in der Jury an den internationalen Theatertagen am See in Friedrichshafen. Früher arbeitete er als Posthalter in Merlischachen, heute im Strassenverkehrsamt in Luzern im Bereich Zulassungen. Während der Covid-Zeit durfte Beeler drei Erklärvideos über das Strassenverkehrsamt realisieren. «Ich spielte einen Arzt im weissen Kittel, einen Verkehrsexperten in der blauen Schürze und einen Fahrlehrer.»

«Das Leben als professioneller Schauspieler ist hart»

Das erste Mal stand Zälli Beeler mit 13 Jahren an der Mittelpunktschule in Oberarth auf der Schultheaterbühne und spielte die Hauptrolle. «Mit 16 Jahren habe ich mit einem Lehrer Theater unterrichtet, erste Stücke geschrieben und Regie geführt», sagt Beeler. Seither habe ihn das Theaterspielen nie mehr losgelassen. Es sei ein zeitloses Hobby, das bis ins hohe Alter ausgeübt werden könne, wenn Körper und Geist es zuliessen. «Mich hat immer die Rolle interessiert, die ich erhalten habe, um daraus mit meiner Handschrift etwas Eigenes zu machen.» Er lebe sich auf der Bühne aus, sei aber kein Pausenclown, der alle Leute unterhalte. Und gab es auch schwierige Momente? «Ja, 1989. Während der Aufführung ‹Zum Tüfel mit em Sex› auf der Georgsbühne in Arth verletzte sich meine Bühnenpartnerin während des Spiels. Sie musste ins Spital. Ich stand plötzlich alleine auf der Bühne, improvisierte, führte einen Monolog und konnte so den zweiten Akt bis zum Ende retten», erzählt Beeler. Für den dritten Akt sei eine Schauspielkollegin vom Verein mit Gehgips und Drehbuch eingesprungen. «Wir informierten das Publikum und spielten weiter. Das kam sehr gut an.» Beeler wird oft darauf angesprochen, warum er sein Hobby nicht zum Beruf mache. «Ich wollte nie Profi werden. Das Leben als Schauspieler ist hart. Wer davon leben will, muss ins Ausland.» Zälli Beeler gefällt es als Laienschauspieler auf der Bühne, in seinem Berufsfeld und in Merlischachen. Sein Blick schweift Richtung Luzernerstrasse, und er sagt: «Ich bin mir bewusst, wie schön wir es haben, das Glück, hier zu leben, ist unbezahlbar und überhaupt nicht selbstverständlich.»

Bühne 66 bewirbt sich für internationale Theatertage

Das Kammerspiel «Der Gott des Gemetzels » unter der Regie von Zälli Beeler wird noch zweimal aufgeführt. Die Bühne 66 gastiert am 8. und 9. November mit dem Erfolgsstück im Theater Duo Fischbach in Küssnacht. «Einstudiert haben wir dieses Vierpersonenstück in den ehemaligen Posträumen bei uns zu Hause. Mit unserem Stück bewerben wir uns zudem für die internationalen Theatertage am See in Friedrichshafen 2024», sagt Beeler. Er ist dort seit sieben Jahren als Juror tätig. Wenn eine Produktion von ihm inszeniert wird, wird er in den Ausstand treten müssen. Der 60-Jährige sagt: «Ich hoffe, dass ich dieses wunderbare Hobby noch lange ausüben kann.»

Bote der Urschweiz / Edith Meyer

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

14.06.2023

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