Musik
«Die Winterreise» erzählt von Herzschmerz und Einsamkeit
Der Opernsänger Bastian Thomas Kohl sang den Liederzyklus «Die Winterreise» von Franz Schubert am Sonntag in der Kirche Tuggen. 24 Lieder schildern die Qualen eines liebeskranken Wanderers.
Liebeskummer, Sehnsucht, Einsamkeit: So lässt sich der Liederzyklus «Die Winterreise » von Franz Schubert aus der Epoche der Romantik umschreiben. Ein Wandersmann ist unglücklich verliebt, muss weiterziehen und beschreibt seinen Zustand von seelischer Eiszeit. In 24 Reimen schildert der Dichter Wilhelm Müller (1794–1824) dessen Qual, und Franz Schubert schrieb die Musik dazu. Er war schon lange krank und verstarb im Jahr 1828 mit nur 31 Jahren. Eigentlich eine unfassbare Tragödie, wie sie zu jener Zeit unter den Menschen nicht selten war.
Von der Schwermut der Liebe
Ein Jahr vor dem Tod vertonte er die «Winterreise» für eine Singstimme und Klavier. In dieser Besetzung wurde das Werk am Sonntagnachmittag am 2. Klassiktag Tuggen in der Pfarrkirche aufgeführt. Basssänger Bastian Thomas Kohl wurde von Pianistin Daria Chaikovska auf dem Flügel begleitet. Hier die virtuose Leichtigkeit, ein scheinbares Verschmelzen mit dem Instrument, dort die ausdrucksstarke Bassstimme, welche den Schmerz dieses einsamen Wanderers in dunklen Schattierungen wiedergab.
Mensch und Natur verwoben
Die Melancholie der Texte wird nur durch einzelne Verse aufgelockert, etwa beim Reim «Lindenbaum». Wer also will sich so viel Seelenschmerz anhören? Wohl jeder, denn Liebe und Liebeskummer sind und bleiben gegenwärtig. «Gefrorene Tropfen fallen von meinen Wangen ab», sang Bastian Kohl. «Ich such' im Schnee vergebens nach ihrer Schritte Spur» ... «ich will den Boden küssen» ... «mein Herz ist wie erstorben». Um dann im «Frühlingstraum» seiner Sehnsucht Ausdruck zu geben: «Wann halt' ich dich, Liebchen, im Arm?» Reiche Naturbetrachtungen sind als Ausdruck der Gefühle des Leidenden eingeflochten. Auch nach der Pause – in der die Kulturkommission Tuggen und die Kirchgemeinde einen Apéro spendierten – ging es traurig und bewegend weiter. Und kein Happy End in Sicht. Und doch überraschten oft die leichten, ja verspielten Pianoklänge, als wollten sie die Schwermut des Wanderers erträglicher machen. Die Ukrainerin Daria Chaikovska und Schuberts licht- und lebensvolle Klänge – bedenkt man, dass er damals um seinen nahen Tod wusste – waren eine Klasse für sich. Bastian Kohls emotionsreicher Gesang, Mimik und Körpersprache ebenso; leider aber waren für die Zuhörenden nicht alle Sätze dieser Poesie verständlich. Rolf Hinder, Kirchenratspräsident der Pfarrei St. Erhard und Viktor, brachte es am Ende auf den Punkt: «Welch ein Genuss, wenn man dieser Musik zuhören darf, und das Leiden einen selber nicht betrifft.»
3. Klassiktag Tuggen
Bastian Kohl, der mittlerweile selber in Tuggen wohnt und auf mehreren Weltbühnen singt, wird auch im kommenden Jahr voraussichtlich am 3. Klassiktag Tuggen auftreten. Was Klassik-Grossartige freunde schon heute freuen dürfte.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Johanna Mächler
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- Musik
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