Die von am weitesten hergereiste Kapelle am Volksmusikfest (von links): Erika Ott, Tomoya Nagasawa, Ueli Ott und Hirokazu Sato. Bild Josias Clavadetscher
Die von am weitesten hergereiste Kapelle am Volksmusikfest (von links): Erika Ott, Tomoya Nagasawa, Ueli Ott und Hirokazu Sato. Bild Josias Clavadetscher

Musik

Ybriger Ländlerkapelle aus Japan

Die «Japan-Ybrig-Kapelle» hatte ihren ersten grossen Auftritt. Am Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau traten Tomi und Hiro aus Japan auf, mit grossem Erfolg.

Mehr Exotik geht fast nicht. Innerschweizer Ländlermusik aus dem Land der aufgehenden Sonne, ein Akkordeonist und ein Schwyzerörgeler aus Japan. Kommt noch dazu, dass beide ihre Schweizer Basis im Ybrig haben, das ja auch nicht gerade in Sachen Integration die weltoffenste Gegend ist. Dass es diese «Japan-Ybrig-Kapelle» wirklich gibt, wurde am Eidgenössischen Volksmusikfest in Aarau am letzten Samstag bewiesen. Die japanisch-schweizerische Formation trat konzertant im Wettspiellokal des Kleintheaters Tuchlaube auf und später am Abend auch auf den offenen Bühnen in der Altstadt. Die beiden Japaner strahlten wie die Maikäfer, schliesslich war es ihr erster, lang ersehnter Auftritt an einem Eidgenössischen. Tomoya (Tomi) Nagasawa am Akkordeon und Hirokazu (Hiro) Sato am Schwyzerörgeli wurden dabei von Erika Ott am Klavier und Ueli Ott am Bass begleitet. Gespannt erwartete das Publikum diesen Auftritt und war dann begeistert wie nur etwas.

In Unteriberg spielen gelernt

Die Kapelle spielte reinste Innerschweizer Volksmusik in perfekter Qualität und mit rassigen Läufen. «S'Grosi im Schuss» tönte originell, lüpfig wie an einer Chilbi. Und auf dem roten Hemd der Musiker blitzten auf dem Rücken ein Edelweiss und eine Kirschblüte, die Japan-Schweiz-Verbindung eben. Wie sind Tomi und Hiro zur Ländler musik gekommen? Tomi hat schon als Siebenjähriger mit seinen Eltern ein Alpenfest in Norikura (Japan) besucht. Von dort stammt das Tonbändchen mit Ländlermusik, das Tomi dann 20 Jahre lang immer wieder abgehört hat. So kam er schliesslich auf die Idee, selber das Akkordeonspielen zu lernen. 2013 reiste er in die Schweiz, zu Örgelibauer Edgar Ott in Unteriberg. Zusammen mit der Familie Ott übte er dort mit Feuereifer, ein Jahr später auch zusammen mit seinem Duettpartner Hiro. Das war die Geburtsstunde der exotischen Kapelle Japan-Ybrig. Auch die Otts sind schon mehrmals in Japan im Rahmen von Folkloreauftritten unterwegs gewesen, auch bei Gastspielen mit dem damaligen TV-Moderator Wysel Gyr.

Guschti Sidler als Dolmetscher

Wie aber kommen Tomi und Hiro mit dem Schwyzer Dialekt zurecht? Sie sprechen ja nur Japanisch. Da sprang Guschti Sidler aus Cham ein. Er kennt Edgar Ott sehr gut und ist als Maschineningenieur seit über 40 Jahren in Japan tätig. Sidler spielte nun den Reisebegleiter und Dolmetscher und freute sich mit den beiden Ländlermusikanten aus Fernost über diesen ersten grossen Auftritt in der Schweiz. Ausser an gelegentlichen Stubeten waren die beiden Japaner noch gar nie öffentlich zu hören. Jetzt ist dies als ihr grosser Wunsch in Erfüllung gegangen. Es wird vermutlich auch nicht der letzte Auftritt sein. Tomi war bisher auf eigene Kosten schon siebenmal in Schweiz, Hiro viermal. Und es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass der Elektrotechniker Tomi und der Ambulanzfahrer Hiro die Reise in ihr Ländlerland angetreten haben. Auf die Frage, was denn an der Schweiz so speziell sei, antwortete Tomi strahlend: «Die Berge hier, sie sind schöner als der Fudschijama».

Einsiedler Anzeiger (cj)

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

16.09.2015

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schwyzkultur.ch/gFacWE