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«Wildiheuet in Studen» lockt viele Besucher ins Baumeli
Am Samstag, 18. April, hat die Kulturkommission Unteriberg im Rahmen des 8. Kulturwochenendes zur Broschüren-Vorstellung «Wildheuet in Studen» ins Mehrzweckgebäude Baumeli eingeladen. Über 250 Interessierte fanden Platz, als Walter Späni, einer der beiden Autoren der Broschüre, aus vergangenen Zeiten erzählte.
Bis zum Ende der 60er-Jahre wurde auf rund 40 Gebirgswiesen «wildigheuet». Die harte Heugewinnung im oberen Sihltal war über Generationen ein wich-tiger Bestandteil, der das Überleben in der alpinen Landwirtschaft sicherte. Da die Wiesen zu steil oder zu schwer erreichbar für Rindvieh waren, begaben sich die sogenannten Wildheuer zur Heugewinnung gut ausgerüstet in die Heuplätze. Das Gras wurde von Hand mit der Sägäzä gemäht, gewendet und getrocknet und anschliessend mit dem Rechen eingesammelt. In 50 bis 60 Kilogramm schweren Burdeli hatte man das Heu zur Heuscheune, der sogenannten Eusch, gebracht oder als Triste gelagert. Im Winter holten die Männer das Heu mit einem Horämännel ins Tal, wo es dann mit Schlitten und Rind zum Hof zum Verfüttern gebracht wurde.
Wie steil erreichbar die Gebiete waren, in denen Wildheu geerntet wurde, zeigt die Geschichte, in der der Horämännel umgedreht beladen wurde, damit er nicht zu schnell zu Tal raste. Die Geschichten des Wildiheuens zeigen, dass mancher Ybriger schon vor Zeiten des Motorsports Freude an der Geschwindigkeit hatte. So sollen manche mit dem Horämännel innerhalb von 2 bis 3 Minuten zirka 900 Höhenmeter ins Tal gefahren sein.
Grosse Veränderung
Die vielen eindrücklichen Geschichten von Walter Späni zeigen, wie hart, aber gleichzeitig froh das Leben als Wildheuer war. Er selbst hatte noch fünf Sommer im «Steihüttli» wildigheuet, bevor das Land der Oberallmend ab 1971 mit den 1000 Schafen abgeweidet wurde. Heute ist es schwer zu glauben, wie unglaublich sich das Leben in den letzten 100 Jahren verändert hat. Für Walter Späni war es ganz normal, als Bub im Laubbett zu schlafen, was heute kaum mehr vorstellbar ist. Diese und viele weitere spannende Geschichten haben Walter Späni und Victor Waldvogel in der Broschüre «Wildiheuet in Studen» festgehalten und zusammen mit alten Bildern dokumentiert. Die vielen Besucher bei der Broschüren-Vorstellung zeigen, dass auch heute noch grosses Interesse an der Geschichte der Region Ybrig besteht.
Neues Projekt «Zeitzeugen»
Dank dieser Broschüre bleibt das alte Wissen über die Wildiheuet bestehen und kann an weitere Generationen weitergegeben werden. Damit auch andere alte Geschichten nicht in Vergessenheit geraten, hat die Gemeinde Unteriberg das Projekt «Zeitzeugen» ins Leben gerufen. Dabei werden alte Fotografien digital abgespeichert und mit Namen, Daten und Geschichten dokumentiert.
Zeitzeugnisse gesucht
Für die Umsetzung des Projektes «Zeitzeugen» finden zwei weitere Treffen in der Cafeteria des APH Ybrig statt. Dazu dürfen Interessierte mit oder ohne alte Fotos kommen, die Bilder werden vor Ort digitalisiert und dokumentiert und können direkt wieder mitgenommen werden. Die Tref-fen finden am Sonntag, 17. Mai, und Sonntag, 14. Juni, jeweils von 14 bis 16 Uhr statt.
Einsiedler Anzeiger / Kathrin Fässler
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