Musik
Unvergessliche Momente am grossen, kleinen Openair Einsiedeln
Das zehnte Openair Einsiedeln sorgte für musikalische Überraschungen und geselliges Beisammensein. Ob einheimische Musiker oder internationale Profis – sie alle gaben Vollgas auf der Bühne im Paracelsuspark am vergangenen Wochenende.
Das Wetter war ideal für ein Sommer-Openair. Nicht mehr ganz so heiss wie in den vergangenen Wochen und auch bei starker Sonneneinstrahlung dank den schattenspendenden Bäumen angenehm warm. Das neunköpfige Organisationskommittee hatte ein kleines Jubiläum mit einigen Neuerungen geplant. Die Hauptbühne auf dem Adlermätteli wurde gestrichen, respektive wurde die neue Kultursommerbühne als solche genutzt. Das Tat der Stimmung übers Wochenende keinen Abbruch. Dank dem gemütlichen Ambiente im Paracelsuspark war das Openair klein und fein, aber dennoch gross.
So zeigt sich das OK nach dem Openair zufrieden. Am Freitag seien etwa 550 Personen auf dem Festgelände gewesen, am Samstag etwa 800, am Kinderkonzert rund 120. «Natürlich hätte es noch mehr Platz gehabt, aber im Grossen und Ganzen sind wir zufrieden», erklärt OK-Mitglied Yanick Tschümperlin. Das Ambiente des Paracelsusparks sei mehrfach gelobt worden, sonst habe man noch keine Rückmeldungen erhalten, weder zur Terminverschiebung noch zur Streichung der Hauptbühne. Nun geht es darum zu sehen, wie sich der Anlass finanziell entwickelt hat, und danach könne man fürs kommende Jahr wieder planen.
Rockiger Freitagabend
Der Freitag war sehr rockig und die einheimische Band Varidian sorgte für einen lautstarken Start. Obwohl die Band nur zu dritt ist, war viel los im Ohr, als sie auf der Bühne standen, dank vorher selber eingespielten Samples. Danach übernahm der Headliner «Basement Saints» aus Zug und Brunnen. Mit fetten Gitarrenriffs, donnernden Drums und einer melodiösen Hammondorgel, die mit seinen beleuchteten Leslie-Verstärkern einen tollen Blickfang gaben, sorgte das Schweizer Trio für eine geballte Ladung Rock’n’Roll. Zum ersten Mal kam so richtig Stimmung auf, alle hatten ein glückliches Gesicht und es wurde getanzt. Den Abschluss am ersten Konzertabend gehörte der Einsiedler Band «Lost In Translation» (LIT). Mit ihrer Mischung aus Alternative, Indie und Rock konnten sie das Publikum mit ihrer Energie mitreissen. Mit ihrer rohen Energie und der melodischen Experimentierfreude liessen sie den Abend gebührend ausklingen. Bemerkenswert: OK- und Band-Mitglied Yanick Tschümperlin spielte trotz gebrochenem Bein.
Wer weniger wegen der Musik als vielmehr wegen des geselligen Beisammenseins kam, der kam am Openair Einsiedeln ebenfalls auf seine Kosten. Die im letzten Jahr so beliebten Buttons wurden wieder angeboten – mit neuen, witzigen Sprüchen. Es gab unzählige Sitzgelegenheiten, die stets sehr gut besetzt waren. Auch das kulinarische Angebot liess kaum Wünsche offen: Es gab Würste, Pommes, Burger, Fackelspiesse, Schnitzelbrote, Momos, Rösti-Tätschli und ein vielfältiges Kuchenbuffet oder verschiedene Glacekübeli. Auch verdursten musste niemand: Neben der gängigen Getränkekarte bot die Jugendförderung Einsiedeln feine alkoholfreie Mocktails an und mit Karamba Caffee wurde ein leckerer, kalter Kaffee Soda zum Kennenlernen angeboten.
Kinderkonzert zum Einstimmen
Der Start in den Samstag gehörte voll und ganz dem Nachwuchs, es gab Ballone, Popcorn und Seifenblasen flogen in der Luft. Marius und seine Jagdkapelle sang im breiten St. Gallerdialekt laut, wild, aber dennoch herzlich. Es gab Lieder, die Mut machen, zum Lachen bringen, berühren. Mit schönen Chörli und lustigen Interaktionen zogen sie die Kinder in ihren Bann und auch das Ausflippen wurde geübt.
Max Grün eröffnete um 14.30 Uhr für die «Grossen». Leider kamen die meisten Besucher erst im Verlauf des späteren Nachmittags, doch Grün und später auch Moira X Otrava gaben alles, um die wenigen Anwesenden zu animieren. Max Grün besang direkt und ehrlich Alltagssituationen und schräge Geschichten. Bei Moira X Otrava stand zum ersten Mal eine grosse Band auf der Bühne. Wer nicht da war, hat etwas verpasst! Die achtköpfige Band und die charismatische Sängerin sorgten für überschäumende Lebensfreude. Mit ihrer Mischung aus französischen Chansons und Balkanbeats verbreiteten sie gute Laune und animierten zum Mitsingen und Tanzen. Das spärliche Publikum gab Vollgas bis zur Zugabe, die «Rum mit Rimuss» hiess – wäre vielleicht mal ein Versuch wert!
Schlussfeuerwerk mit Samora
Gegen 18 Uhr füllte sich dann das Gelände und die deutsche Band «The Booze Bombs» brachte wilden Rockabilly und authentischen 50’s Rock’n’Roll auf die Bühne. Als dann auch noch der einheimische Simi Fässler an der Steelguitar mitspielte, erreichte die Stimmung ein erstes Mal seinen Höhepunkt. Mit den Led Farmers ging es anschliessend nach Irland. Neben bekannten irischen Klängen gab es auch andere Hits in irischen Gewändern – Barbie Girl oder auch Cotton Eye Joe mit Flöte und Benjo. Der Spass war tatsächlich ansteckend!
Ein letzter Stilwechsel führte die Openairbesucher dann noch in die Karibik. Samora brachte karibische Vibes ins Klosterdorf. Und wie! Gemeinsam mit ihren acht Musikern lieferte Samora einen Sound-Mix aus Reggae, Dancehall, Afrobeats und Pop. Ob 20 oder über 60, bis kurz vor Mitternacht wurde gemeinsam vor der Bühne das Tanzbein geschwungen. Wer hätte wohl gedacht, dass er am Ende des Tages «Reggae I’m in Love with you» singen würde? Die Beats gingen durch Mark und Bein und Samora lieferte ein fulminantes Schlussfeuerwerk. Nach 11 Stunden Musik fand kurz vor Mitternacht am Samstagabend das zehnte Openair Einsiedeln seinen Abschluss.
Am 2. und 3. Juli 2027 folgt die 11. Ausgabe des Openair Einsiedeln.
Einsiedler Anzeiger / Angela Suter
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Einsiedler Anzeiger
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