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Wandbild am Bundesbriefmuseum löste grossen Kunstkampf aus
Autor Beat Stutzer hat sich mit der Geschichte und Bedeutung des Wandbilds «Fundamentum» am Bundesbriefmuseum befasst.
Alle sehen es, viele kennen es, wenige wissen um die Hintergründe: das grosse Wandbild «Fundamentum» an der Hauptfassade des Bundesbriefmuseums in Schwyz. Jetzt ist dazu eine äusserst interessante Publikation erschienen, welche die ganzen Hintergründe aufzeigt und auch den damals verursachten Skandal ohne Vorbehalte darstellt. Als Autor zeichnet Beat Stutzer, Luzern, renommierter Kunsthistoriker, ausgezeichneter Kenner der Schweizer Kunstszene des 20. Jahrhunderts und Spezialist für das Werk von Heinrich Danioth, dem Schöpfer des Wandbilds. Annina Michel, Leiterin des Bundesbriefmuseums, bezeichnete es an der Vernissage als «absoluten Glücksfall», dass das Wandbild nun eine umfassende Dokumentation erhalten habe. Denn gerade dieses Wandbild zeige die Bedeutung des Museums, das im Umfeld der geistigen Landesverteidigung eine enorm zentrale Rolle gespielt habe. In einem von TV-Journalistin Sabine Dahinden präzis geleiteten Moderationsgespräch ging Stutzer auf die Vorgeschichte, den ausgeschriebenen Wettbewerb, die Entstehung des Werks und die folgenden Auseinandersetzungen um dieses Wandbild ein. Gemäss Stutzer handelt es sich um ein Schlüsselwerk, eines der hervorragendsten Wandbilder der Schweiz, zudem an einem symbolhaften Standort. Das Bild setze sich auch von der bis dahin traditionellen, oft idyllischen, pathetischen und historisierenden Bildsprache ab. Der Urner Maler Heinrich Danioth blieb in der Ausführung zwar figurativ, näherte sich aber doch der Abstraktion. Das Wandbild ist flächig ausgeführt, zeigt keine Perspektiven und wirkt damit sehr stark.
«Viel Rütli-Kitsch» unter den Vorschlägen
Die Wahl fiel im Rahmen eines Wettbewerbs auf Heinrich Danioth. Autor Stutzer ist bei seinen Recherchen auch auf die damaligen Wettbewerbsunterlagen gestossen und zeigt erstmals im Buch, was alles eingereicht worden ist. Darunter habe es «viel Rütli-Kitsch» gegeben, vieles auf bescheidenem Niveau. Ein Vorschlag wollte sogar im Schützengraben liegende Schweizer Soldaten mit Gasmasken zeigen. Fünf Entwürfe wurden schliesslich als künstlerisch wertvoll erachtet und kamen in die Endrunde. Am Schluss setzte sich Danioths Vorschlag durch, unter anderem gegen einen Entwurf von Hans Erni. Der Rütlischwur, den Danioth zeigt, ist stark strukturiert, mit den drei Landammännern im Zentrum, dem Bundesbrief als Dokument oben links, den Bannern als vertikalem Abschluss rechts und den Eidgenossen der drei Stände im Umkreis. Symbolisch wird die Szene durch die Berge und den See als Kammer zusammengehalten. Das ganze Bild lässt sich wie ein Buch lesen. Auch werden viele Skizzen und Entwürfe Danioths in der Publikation gezeigt.
Arbeiten mussten geschützt werden
Das Wandbild wurde auf die Eröffnung des Bundesbriefmuseums – damals noch Bundesbriefarchiv – rechtzeitig 1936 fertiggestellt. Allerdings mit grossen Nebengeräuschen, die Arbeiten mussten zeitweise sogar geschützt werden. Landesweit wurde Danioths Entwurf sehr positiv aufgenommen. Forciert durch die nazifreundlichen Frontisten, wurde aber Agitation gegen die «bolschewistisch-asiatische Kunst» und «volksfremde Bildsprache» betrieben, die schliesslich in Schwyz verfangen hat. Der Schwyzer Kleriker und Mittelschullehrer Paul Styger stachelte die Schülerschaft des Kollegiums an, es kam zu Protestmärschen, wüsten Anschuldigungen, fast 300 Leserbriefen und massiven Drohungen. Allerdings erhielt das Werk Unterstützung vom damaligen Zuger Bundesrat Philipp Etter, von Josef Beeler als Architekt des Bundesbriefmuseums und vom Schwyzer Regierungsrat August Bettschart. Sie erklärten den Gegnern «den Tarif» und haben damit eines der bedeutendsten Wandbilder der Schweiz ermöglicht.
Hinweis
«Fundamentum, das Wandbild von Heinrich Danioth» von Beat Stutzer.
Erhältlich im Bundesbriefmuseum Schwyz, im Buchhandel oder direkt via www.triner.ch/verlag.
Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher
Autor
SchwyzKulturPlus
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