Der in der March aufgewachsene Gitarrist Florian Mächler veröffentlicht nach vielen Gemeinschaftsprojekten nun seine dritte Solo-CD. Bild Mike Platter
Der in der March aufgewachsene Gitarrist Florian Mächler veröffentlicht nach vielen Gemeinschaftsprojekten nun seine dritte Solo-CD. Bild Mike Platter

Musik

Florian Mächler trifft musikalisch den Nerv der Zeit

Mit «Mindscapes» veröffentlicht der aus Wangen stammende Florian Mächler eine CD wie geschaffen für diese Zeit. Der Gitarrist und Multiinstrumentalist komponierte nicht nur, er spielte alles selber ein.

Die Zeit ist zweifellos reif, für einmal wieder bewusst Musik zu hören. Insofern kommt die Veröffentlichung des neuen Albums von Florian Mächler gerade richtig. Der Profi-Gitarrist stammt aus einer Wangner Musiker- und Künstler-Familie, lebt jedoch seit Jahren abgeschieden, aber nicht einsam hoch über Goldingen im Atzmännig. Einen grossen Unterschied macht die zurzeit auferzwungene Distanz auf sein Leben also gar nicht aus, abgesehen davon, dass er seine Gitarrenschülerinnen und -schüler höchstens im Fernunterricht anleiten kann.

Ein völlig neues Projekt


Musikalisch darf Mächler durchaus als Tausendsassa bezeichnet werden. Mainstream hat er zwar drauf, wie er damals als Mitglied der SRF-Huusmusig bewies, die ihn einem breiteren Publikum bekanntgemacht hatte. Doch der 43-Jährige sorgt lieber mit jedem Projekt für neue Überraschungen, Routine scheint es bei ihm nicht zu geben. So sorgt er mit seinem Einsatz eines Loopers und der Konzertreihe «All in One» für Aufsehen. Das Gerät, welches das Einspielen verschiedenster Instrumente durch eine Person ermöglicht, kommt bei «Mindscapes» jedoch nicht zum Einsatz, wie Florian Mächler erklärt. Es ist dieses Mal ein Studio-Album, wobei er sämtliche Instrumente von den verschiedensten Gitarren über die Perkussion bis zu den Stimm-Einlagen selber eingespielt hat. Lediglich die echten Schlagzeug-Samples sind «entlehnt».

Balladig, rockig, spacig


Den nicht ganz einfach ins Deutsche zu übersetzenden Albumtitel «Mindscapes» sollten sich Liebhaber handgemachter instrumentaler Melodielandschaften und stilistisch breitgefächerter Akkordgefilde also merken. So macht sich bereits zu Beginn der musikalischen Reise stilistische Vielfalt breit: Mit einer simplen Melodie, die einem Kinderlied entstammen könnte, beginnend, gesellt sich nach wenigen Takten eine klassische Gitarre dazu, um kurz darauf in ein an alte Rocktage erinnerndes Gitarrenunwetter umzuschlagen. Stets von solchen Überraschungseffekten begleitet, bewegt sich dann der Zuhörer auch bis zum letzten Ton seiner Wanderschaft immer wieder durch ihm noch unbekanntes, jedoch stets gehörfälliges Terrain. Balladige, zarte Passagen treten in Interaktion mit Kantigem, Rockigem, Spacigem oder durchaus auch einmal Lustigem. Vorbeiziehende Schallschwaden wechseln sich ab mit pulsierenden, bodenständigen Rhythmen und auch hinter dem nächsten Takt könnte sich bereits wieder ein noch nie gehörtes Klangereignis verbergen – sei dies ein selten gehörter Musikstil, ein Instrument, das in der Geschichte noch nicht erzählt wurde, oder eine nach kilometerlangem heftigem Wildwuchs unerwartet kahle Stelle, an der kaum Töne gedeihen.

16 «Gegenden» erkundigt


Einer Sache kann sich der Reisende jedoch gewiss sein: Wie im richtigen Leben führt ihn auch diese Expedition immer wieder an Plätze, die er schon mal gesehen hat oder ihm zumindest sehr vertraut vorkommen. So besteht der akustische Streifzug beinahe konstant aus Zitaten, mit denen der Musikliebhaber bereits vor längerem oder auch Kurzem Bekanntschaft gemacht hat – irgendwo zwitschert einem aus dichtem Geäst im Vorbeigehen immer mal wieder eine bekannte Tonfolge entgegen. Die Einspielung lebt demnach, im positiven Sinne, zu einem grossen Teil von Wiederholungen – und sei es auch nur eine kurze, unter einem Stein hervorkriechende, melodische Phrase, die einem bereits bekannt vorkommt, da man mit ihr, vielleicht während der letzten Rast, ein paar Worte gewechselt hat. So wird der Zuhörer durch 16 solcher, aus dem Geiste des Erschaffers entsprungenen, Gegenden – oder eben «Mindscapes» – geführt.

Alles im Alleingang


Immer wieder für eine Überraschung gut, häufig auch an bekannte Bands oder im Speziellen auch Gitarristen erinnernd, gelingt es dem Musiker und Komponisten Florian Mächler auch mit seinem dritten, im Alleingang eingespielten Werk, dem Zuhörer einen tiefen Blick in sein musikalisches Wesen zu gewähren. Dass er sich in den vergangenen Jahren zudem mit Hypnosetechniken vertraut gemacht hat, die beim Üben und Lernen Anwendung finden, passt perfekt in den Werdegang von Florian Mächler.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger /pd/bel

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.03.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/r6w7Mr