Kunst & Design

Warum Lehm ein Baustoff mit Zukunft ist

Ein Zürcher Architekt will dem in Vergessenheit geratenen Baustoff zu einer Renaissance verhelfen. Im Kloster Ingenbohl zeigt er seine Ideen.

Lehm als Baustoff ist das Thema der aktuellen Ausstellung «Prinzip Reduktion» im Kloster Ingenbohl, die noch bis im September zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt Projekte und Modelle, Prototypen von Lehmelementen und Materialproben. Lehm hat demnach viele Vorteile: Er ist lokal verfügbar und rückbaufähig, und wie Holz ist Lehm offenporig und auch feuchteregulierend, was die Behaglichkeit im Raum fördert.

Lehm ist einer der ältesten bekannten Baustoffe, doch im 20. Jahrhundert geriet er in Vergessenheit. Aber für die Boltshauser Architekten ist er «zentraler Ausgangspunkt», wie das Unternehmen schreibt. Roger Boltshauser ist ein Zürcher Architekt. Von 2018 bis 2023 erstellte seine Firma das Alterszentrum Kloster Ingenbohl. Das neue Gebäude steht im Osten an der Hangkante und verbindet das obere Niveau mit dem neuen Besucherparkplatz. Vor allem in der neuen Kapelle aus Trasskalkelementen fühlen sich die Schwestern sehr wohl, so Schwester Rebekka Breitenmoser. Lehm ist ein wichtiger Bestandteil dieses Neubaus.

Gemäss Felix Hilgert, Geschäftsleitung Lehmag in Brunnen, liegt der aktuelle Marktanteil von Lehm bei optimistischem einem Prozent. Roger Boltshauser sieht aber enormes Zukunftspotenzial. Nach seinem ersten Buch im Jahr 2019 veröffentlicht er 2026 sein neues Buch «Hybridkonstruktionen». Das Titelbild ziert der Ofenturm in Cham, welcher in Zusammenarbeit mit der Lehmag aus Brunnen erstellt wurde. Darin betont er, wie wichtig die Verbundenheit zu Materialien wie Holz ist. Traditionell waren die Decken aus Holz und die Wände oft aus Lehm-Holz-Systemen – zwei Materialien, die sich hervorragend ergänzen. Während Lehm die Masse liefert, gibt Holz die Trag- und Zugfähigkeit.

 

Lehm ist noch nicht marktfähig

Boltshauser möchte nicht nur ressourcenschonende Materialien, sondern auch regenerative. In der Projektleitung und als Teil der erweiterten Steuerungsgruppe unterstützt er das Projekt «Think Earth – Regeneratives Bauen». Ziel des Projektes ist es, die Umwelt zu schützen und natürliche Ökosysteme wiederherzustellen. Im Mittelpunkt stehen Holz und Lehm, zwei Materialien, die eine ideale Baustoffkombination abgeben. Teil dieses Teams und Forschungsleiter Felix Hilgert stellte fest, dass Millionen von Tonnen ungenutzten lehmhaltigen Aushubmaterials ins Ausland exportiert und dieselbe Menge Baumaterial importiert wird. Deshalb ist es wichtig, die Forschung und weitere Lernprojekte voranzutreiben, um die Technik weiterzubringen. Denn noch ist Lehm nicht marktfähig. Um dieses Ziel zu erreichen, so Christian Keller, Keller Ziegelei, müsste sich der Preis halbieren.

Mit der Ausstellung möchte Roger Boltshauser den Baustoff Lehm zurück ins Bewusstsein des zeitgenössischen Bauens bringen. Das Thema findet grossen Anklang bei der Bevölkerung und bei lokalen Architekten. Die Ausstellung dauert noch bis am 20. September. Am 20. August um 18 Uhr wird Roger Boltshauser noch einmal referieren.

 

Bote der Urschweiz / Sarah Zimmermann

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

27.04.2026

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