Bühne

Was für ein Spektakel

Das zweite Freilichtspiel am Morgarten war ein Spektakel im positivsten Sinne und fesselte das Publikum von Anfang bis Schluss auf verschiedenen Ebenen.

Frisch-fröhlich sangen alle Darstellerinnen und Darsteller zum Auftakt des Freilichtspiels «Spatenstich – Das zweite Morgarten-Spektakel» das «Zuger Morgartenlied» (Musik Hansjörg Römer, Text Paul Steinmann, Chorleitung Erika Fässler) und weckten mit patriotischen Zeilen den Nationalstolz. Kurz in der Vergangenheit, wurde das Publikum danach aber rasch in die Gegenwart bugsiert, nämlich ans Treffen der knallharten Investorengruppe Team of Visions. Diese warf mit glanzvollen Versprechungen zum geplanten Luxusresort beim heiklen Standort am Morgartendenkmal nur so um sich: Das Projekt orientiere sich an Luxusbauten in Dubai oder Tokio. Geplant seien ein Helikopterlandeplatz, ein Golfplatz, ein Jachthafen, ein unterirdischer Schiessplatz und eine Strasse, die im Berg verlaufe.

 

Gegenwart geschickt mit der Vergangenheit verknüpft

Das Freilichttheater der Co-Regisseurinnen Annette Windlin und Patrizia Annen verlief sowohl räumlich als auch zeitlich auf verschiedenen Ebenen. Sphärisch näherte sich in Szene vier plötzlich eine wunderschön beleuchtete und tanzende Erinnerungswolke vom Denkmal her Richtung Hauptbühne und brachte Personen aus der Vergangenheit ins Spiel. Die emanzipierte Zuger Fotografin Katharina Weiss (Franziska Bachmann Pfister) und der Architekt des Morgartendenkmals, Robert Rittmeyer (Fredy Schuler), kommentierten das Gesehene tiefsinnig, aber auch mit einer Prise Humor. Ebenfalls eine Rückblende in die Zeitgeschichte erlebte man beim anschliessenden Streitgespräch, in dem angesehene Schwyzer und Zuger Persönlichkeiten über den Standort des Morgartendenkmals debattierten. Die seilziehenden Frauen, die die Kantone Schwyz und Zug darstellten, zeigten diese jahrelangen Streitigkeiten symbolisch perfekt.

 

Tolle bühnentechnische und dramaturgische Umsetzung

Das Freilichtspiel wirkte fürs Publikum besonders eindrücklich, weil die ganze Naturarena vom Spielplatz hinter der Morgartenhütte bis hinauf zum Denkmal bespielt wurde. Das Bühnenbild wurde von Baugespannen und Baucontainern bestimmt: Letztere fungierten auch als Bar oder als Balkon und obere Etage für Gesprächsszenen. Eine sorgfältige Lichtregie half, dass das Publikum immer in Richtung der Aktion geführt wurde. Musikalisch wurden die Szenen mit perfekt passender Livemusik von Christian Wallner (Gitarre) und Carlo Gamma (Sopransaxofon) ergänzt. Stellung der Frau ein wiederkehrendes Thema Die 41 Spielerinnen und Spieler meisterten ihre Rollen- und aufwendigen Kostümwechsel bestens und spielten ihre Charaktere glaubwürdig und professionell. Das Stück befasste sich immer wieder mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft, vor allem mit Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten aus der Lebensrealität um 1900. Zurück in der Gegenwart des Theaters, formierten sich aber hauptsächlich junge Frauen, um gegen das geplante Luxusresort an der Gemeindeversammlung Einwand zu erheben.

 

Gemeinsinn kann es mit der Schönheit des Tals aufnehmen

Das zweite Morgarten-Spektakel «Spatenstich » blieb bis zum Schluss spannend und forderte die Zuschauerinnen und Zuschauer heraus, mitzudenken und kritisch zu bleiben. Ein Schlusssatz ist prägend: «Eso gseh regt das Dänkmal zum Dänke aa, zum Wiiterdänke.» Den Abschluss des Spiels bildete das «Schwyzer Morgartenlied» und schloss so den Kreis zum «Zuger Morgartenlied», welches zu Beginn gesungen worden war. In Morgarten gab es 90 Minuten allerbeste Zentralschweizer Theaterkultur, wie man sie jedem Ort der Schweiz ans Herz wünscht. Nicht umsonst werden die Laientheater der Zentralschweiz vom Bund als eigene lebendige Tradition des immateriellen Kulturerbes geführt. Der zweite Streich von Morgarten liefert das beste Beispiel. Es gab verdient Standing Ovations für diese Uraufführung, bei der es die Wucht des Gemeinsinns mit der Schönheit des Tals aufnehmen kann. Das Stück wird bis am 19. September aufgeführt.

 

Bote der Urschweiz / Ruth Auf der Maur / red

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Bote der Urschweiz

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  • Bühne

Publiziert am

10.08.2026

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