Die Einsiedler Fotografin und Archäologin Evelyne Marty. Foto: Marianne Schulze
Die Einsiedler Fotografin und Archäologin Evelyne Marty. Foto: Marianne Schulze
Einige der bei der Ausgrabung entdeckten Schabmadonnen.  Foto Evelyne Marty
Einige der bei der Ausgrabung entdeckten Schabmadonnen. Foto Evelyne Marty

Dies & Das

Wenn Dinge ans Licht kommen

Die Einsiedler Fotografin und Archäologin Evelyne Marty gewährt Einblicke in ihre Arbeit Gestern sollte Evelyne Marty im Museum Fram über die Klosterausgrabungen erzählen. Die Veranstaltung wurde wegen Corona verschoben. Dem Einsiedler Anzeiger hat die Einsiedler Fotografin und Archäologie-Studentin vorab einige Einblicke in ihre Arbeit gewährt.

«Mit den Grabungen hat sich mir ein Kindheitstraum erfüllt», sagt Evelyne Marty. Die heute 25-jährige Einsiedlerin spricht damit die für sie spannende Zeit an, als sie von Oktober 2018 bis Sommer 2019 im Rahmen der Klosterplatzsanierung insbesondere vor dem Restaurant Tulipan und der Buchhandlung Benziger bei Ausgrabungen mit dabei sein konnte. Ja, diese sogar zeitweise leiten durfte.

144 Schabmadonnas


Und nicht nur das. Sie wurde auch fündig bei diesen Grabungen auf dem Klosterplatz in bis zu zwei Metern Tiefe. Zum Beispiel sage und schreibe 144 Schabmadonnen aus Ton in den verschiedensten Grössen förderte sie zu Tage – neben Münzen und anderen Spuren menschlichen Lebens, zurückgehend bis etwa zum 17. Jahrhundert. «Ich darf nicht zu viel verraten», sagt die sympathische Archäologin und lächelt. Denn sie will ihren künftigen Zuhörerinnen und Zuhörern im Einsiedler Museum Fram ja noch irgendwann bei einem ausführlichen Vortrag über alle Details ihrer Ausgrabungsergebnisse berichten. Über die Schabmadonnen hat sie bereits eine Masterprojektarbeit verfasst mit rund 200 Seiten. «Das war eine rechte Büez», sagt sie. Wann der Vortrag stattfinden kann, sei noch nicht bekannt. «Vermutlich wohl nicht mehr in diesem Jahr.» Die junge Einsiedlerin ist bereits eine erfahrene Archäologin – hat sie doch als Studentin der Ägyptologie, der Altertums- und Medienwissenschaften an der Universität Basel schon mehrere Male im Land der Pharaonen, aber auch in der Schweiz nach verborgenen Kulturschätzen gegraben. «Archäologie macht mir grossen Spass – es fasziniert mich vor allem, dass man durch Ausgrabungen einen Zugang zu Dingen findet, die sonst in Vergessenheit geraten wären», sagt Marty. Man entdecke und erfahre bei solchen Grabungen auch viel über die Alltagswelt längst verflossener Zeiten.

Ins Essen gerieben


In Einsiedeln stiess sie, wie gesagt, auf zahlreiche Schabmadonnen – «religiöse Kultgegenstände, von denen Teile zm Beispiel ins Essen gerieben wurden, unter anderem mit der Hoffnung auf eine heilende Wirkung », erklärt die junge Archäologin. Wobei diese Art von Heilmittel nicht nur typisch für Einsiedeln gewesen seien. «Es gab sie, wie wir wissen, auch an anderen Wallfahrtsorten.»

Auch in der Dunkelkammer


Apropos Einsiedeln. In ihrer Heimat gräbt die ehemalige KV-Lehrlingsfrau nicht nur nach Dingen im Boden, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Sie arbeitet seit zwei Jahren auch als professionelle Fotografin. Jüngster Output ihrer fotografischen Ader: Der neueste Einsiedler Kalender – ihr viertes Opus dieser Art. «Der ist bereits vergriffen, und ich musste einen Nachdruck in Auftrag geben.» Im Sommer fotografiert sie im wahrsten Sinne des Wortes auf vielen Hochzeiten. «Ich fotografiere grundsätzlich Menschen sehr gerne – aber auch Landschaften.» In der Arbeit mit der Kamera sieht sie durchaus Parallelitäten zu ihrer archäologischen Leidenschaft. «Ich halte mit der Kamera ja Momente fest, die sonst verschwinden würden», sagt Evelyne Marty. Fotografie wird auf diese Weise Spielart einer Gedächtniskultur. Dabei hält sie ihre fotografischen Erinnerungen tatsächlich nicht nur mit dem Objektiv der Digitalkamera fest, sondern auch mit blossen Händen – wie in der Archäologie –, entwickelt sie doch hin und wieder noch Schwarzweiss-Fotos in der Dunkelkammer. Und was wäre ihr Traumfund als Archäologin? «Ich finde fast alles spannend», sagt sie und lacht. Vielleicht wird sie ja sogar irgendwann mal noch die erste Schwyzer Kantonsarchäologin.

Einsiedler Anzeiger / Wolfgang Holz

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

13.11.2020

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schwyzkultur.ch/qRikh7