Dies & Das
Wenn Kultur den Kanton durchströmt
Kultur ist nicht nur das, was wir sehen. Kultur ist das, was wir erleben – und was uns verbindet. So hat die neue Kulturverantwortliche des Kantons Schwyz das 8. Schwyzer Kulturwochenende erlebt.
Es gibt Wochenenden, die sich nicht einfach wie normale Tage im Kalender einreihen. Sie stechen hervor und bleiben hängen. Das 8. Schwyzer Kulturwochenende vom 17. bis 19. April war für mich genau ein solches. Seit Anfang Jahr darf ich die Aufgabe als Kulturbeauftragte des Kantons Schwyz wahrnehmen. Vielleicht hat es mich gerade deshalb besonders berührt. Ich durfte erleben, dass Kultur nicht nur in einzelnen Werken sichtbar wird. Sie entsteht im Zusammenspiel und im Miteinander all jener, die gestalten, erzählen, musizieren und inspirieren.
Die Eröffnungsfeier in der Cineboxx in Einsiedeln gab diesen drei Tagen einen kraftvollen Auftakt. Der Kurzfilm von Lars Mulle versetzte mich sofort in eine besondere Stimmung: offen, neugierig und bereit für die Begegnungen, die folgen würden. Loris Imlig begleitete den Abend mit seinem Schwyzerörgeli und verlieh ihm eine warme, persönliche Note, die den Auftakt stimmig abrundete.
Von dort führte mich mein Weg durch eine beeindruckende Vielfalt bildender Kunst. Im Baumfiguren- Kabinett von Alfons Bürgler erlebte ich, wie Holz zu leben beginnt, sich in Charaktere und Wesen verwandelt, die beinahe zu tanzen und zu atmen scheinen. Mein zweijähriger Sohn stand staunend davor, ein stiller Beweis dafür, dass Kunst alle Generationen erreicht. Im Atelier 678 zeigte Franziska Amstad, wie Steine zu lebendigen Formen werden. Die Ausstellung «Kopfarbeit » von Bildhauer Bernhard Annen und Fotograf Remo Inderbitzin wiederum liess Material und Moment in einen spannenden Dialog treten.
Im Kult-Turm begegnete ich einer neu gestalteten Lokalität voller Energie und Potenzial – und Kunstschaffenden, deren Werke die Räume mit Persönlichkeit füllten. Ebenso eindrücklich war die Ausstellung «Dort, wo ich zu Hause bin», die zeigte, wie unterschiedlich künstlerische Handschriften sein können. Und im Serianna Studio in Küssnacht öffneten mehrere Kunstschaffende ihre Türen, woraus ein Ort entstand voller Entdeckungen und Gespräche.
Ein anderer Blick auf Kultur eröffnete sich mir bei der Führung «Schwyzer Frauengeschichten» mit Angela Dettling. Ihre Erzählungen machten sichtbar, wie viele Geschichten in unserem Kanton noch darauf warten, gehört zu werden – Geschichten von Frauen, die geprägt und gestaltet haben, oft im Stillen und oft übersehen.
In Ried-Muotathal erlebte ich mit der Tanzperformance «Lachs» eine faszinierende Verschmelzung von Kunst und Natur. Die Tänzerinnen und Tänzer bewegten sich im Rhythmus des Geländes, als würde die Landschaft selbst Teil der Choreografie werden. Besonders schön war für mich, viele dieser Momente mit meinem Sohn zu teilen. Beim Kofferkonzert der Avantt-Theatergruppe im Chupferturm sah ich Kultur durch seine Augen: staunend, lachend, ganz im Moment. Auch das Kinderkonzert der Feldmusik Seewen im Gaswerk hat gezeigt, wie wichtig kulturelle Angebote für die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft sind.
Musikalisch bot das Wochenende weitere Höhepunkte. Das Orchester Schwyz-Brunnen widmete sein Frühlingskonzert ausschliesslich Komponistinnen – ein Programm, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern auch ein wichtiges Zeichen setzte. Musik von Frauen, die noch viel zu selten erklingt, erhielt hier den Raum, den sie verdient.
Wenn ich auf dieses Wochenende zurückblicke, bleibt vor allem eines: Dankbarkeit. Für die Vielfalt. Für die Kreativität. Für die Menschen, die mit Leidenschaft gestalten, erzählen, musizieren, tanzen und experimentieren. Kultur ist kein einzelner Moment. Sie ist ein Netz aus vielen Fäden. Und an diesem Wochenende waren sie besonders sichtbar – getragen von einer hervorragenden Organisation durch den Kulturverein Schwyz Kultur Plus.
Auch wenn ich von den 136 Veranstaltungen an 27 Orten über 3 Tage hinweg nur einen Bruchteil erleben konnte: Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit all den Kulturschaffenden, Vereinen, Institutionen und engagierten Menschen im Kanton Schwyz weiterhin Momente entstehen zu lassen, in denen Kultur wachsen kann. Momente, in denen Tradition und Innovation sich begegnen. Momente, in denen wir uns selbst und einander neu entdecken.
Denn Kultur ist nicht nur das, was wir sehen. Kultur ist das, was wir erleben – und was uns verbindet.
Bote der Schweiz / Raphaela Reichlin
(Artikel ist als Forumsbeitrag erschienen. Im «Bote»-Forum schreiben regelmässig prominente Schwyzerinnen und Schwyzer. Sie sind in der Themenwahl frei und schreiben autonom. reda)
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Bote der Urschweiz
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