Literatur

Wenn Online-Dating nicht zum Liebesglück führt

Die Ausserschwyzerin Ela Jenni präsentiert ihren Debütroman. «Weggewischt» handelt von der Suche nach Liebe in Zeiten der Dating-Apps, erscheint im Mai und wird morgen Samstag an einer moderierten Lesung vorgestellt.

In einer Welt, in der Algorithmen Begegnungen arrangieren und Profile mehr versprechen, als die Realität hält, wird die Suche nach Liebe zur Herausforderung. Die in Siebnen aufgewachsene und heute in Feusisberg wohnhafte Ela Jenni beleuchtet in ihrem Debütroman das gesellschaftliche Phänomen, dass es durch Dating-Apps zwar einfacher geworden ist, neue Menschen kennenzulernen, dennoch aber viele alleine bleiben. Diese Beobachtung wollte sie jedoch nicht in Form eines Sachbuchs verarbeiten, sondern in einem Roman. «Ich habe mich bewusst für drei Protagonisten entschieden, um unterschiedliche Perspektiven auf das moderne Dating zu zeigen. Da ist zum einen Sophie. Sie plant ihre Dates wie Projekte, geht das Ganze sehr strukturiert an und schaut, wie viele Matching- Points ein potenzieller Kandidat hat. Loelia hingegen nutzt die Apps, um sich zu inszenieren und darzustellen. Und dann ist da noch Tiento, der es schwerer hat, an Dates zu kommen. Wenn er dann mal eines hat, gibt er sich besonders viel Mühe und überrascht seine potenziellen Partnerinnen. Er sucht gewissermassen die Würze in seinen Dates», erklärt Jenni.

Die Idee zum Buch entstand weniger aus eigenen Erfahrungen als vielmehr aus Beobachtungen. Zwar hat Ela Jenni selbst auch schon Dating-Apps genutzt, doch ihre Geschichte ist nicht autobiografisch. Die Figuren sind frei erfunden. «Auch wenn sich einzelne Personen aus meinem Umfeld möglicherweise in gewissen Verhaltensweisen wiedererkennen», führt sie schmunzelnd hinzu.

 

«Es war ein langer Prozess»

Ela Jenni arbeitet in der Unternehmenskommunikation und beschäftigt sich dadurch auch beruflich intensiv mit Sprache. Den Wunsch, ein Buch zu schreiben, hegte sie schon länger. Als die Idee konkreter wurde, begann sie mit der Umsetzung. «Es war ein langer Prozess, der sich über rund drei Jahre erstreckte.» In dieser Zeit hat sie das Manuskript mehrfach überarbeitet. «Ich musste vor allem lernen, wie man einen Plot entwickelt und die Figuren glaubhaft und authentisch rüberbringt», erinnert sie sich.

Unterstützung fand sie unter anderem in einem Diplomlehrgang für literarisches Schreiben, wo sie sich mit anderen angehenden Autorinnen und Autoren austauschen konnte. Dennoch war der Prozess von vielen Zweifeln geprägt. Immer wieder stellte sie sich die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohne. Letztlich waren es aber ihr Ehrgeiz und die Geschichte selbst, die sie nicht losliess und zum Weitermachen motivierte.

Mit einem Exposé und ersten Textauszügen bewarb sie sich bei verschiedenen Verlagen. Schliesslich fand sie einen Verlag, der ihr Manuskript annahm und gemeinsam mit ihr weiterentwickelte. Der Titel «Weggewischt» bezieht sich direkt auf das zentrale Element vieler Dating-Apps – das schnelle Swipen, bei dem potenzielle Partner ebenso schnell ausgewählt wie verworfen werden.

 

«Ein ganz besonderer Moment»

Den Moment, in dem sie das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, beschreibt die 47-Jährige als «überwältigend». «Schreiben ist lange ein stiller Prozess. Die eigene Idee dann als Buch in den Händen zu halten, ist ein ganz besonderer Moment. Ich konnte es fast nicht glauben und musste mich erst einmal hinsetzen», erinnert sie sich. Ob sie diesen Moment noch einmal erleben möchte, also ein zweites Buch veröffentlichen will? Ela Jenni lacht und sagt: «Tatsächlich gibt es bereits ein zweites Manuskript, und ich bin schon recht weit. Worum es geht, verrate ich natürlich noch nicht. Es wird aber wieder ein zwischenmenschliches Thema sein.» Aktuell liegt ihr Fokus ohnehin auf der Lancierung des ersten Buchs. Langfristig möchte sie das Schreiben weiterverfolgen – als Ergänzung zu ihrem Beruf. «Davon leben zu können, ist in der Schweiz nur für sehr wenige Autoren möglich.» Natürlich würde sie sich über einen Bestseller freuen, aber: «Im Vordergrund steht für mich, eine Geschichte zu erzählen und Menschen zu berühren.»

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger  / Irene Lustenberger 

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

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Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

17.04.2026

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