Dies & Das
Wie geht es mit der Schoeck-Villa weiter?
Nach zehn Jahren Schoeck-Festival wurde in Brunnen eine Zwischenbilanz gezogen.
Was geht irgendwann auf dem Brunner Gütsch, wo das Geburtshaus und die Wirkungsstätte des international erfolgreichen Komponisten Othmar Schoeck steht? Das Gebäude war auch Atelier seines Vaters, des Kunstmalers Alfred Schoeck, gewesen und ein Treffpunkt, wo die ganze Innerschweizer Kulturszene ein- und ausgegangen ist, von Heinrich Danioth bis Meinrad Inglin oder mit Hermann Hesse als regelmässigem Gast. Bei diesem Ensemble mit seinem unbestritten kulturhistorischen Wert und der grossen Gartenanlage aus der Belle Époque geht es darum, wie es mehr als hundert Jahre nach dem Bau in die Zukunft geführt werden kann.
Die Erbengemeinschaft Schoeck als Eigentümerin der Villa Ruheim mitsamt dem einmaligen und ausserordentlichen Atelier wird durch Alvaro Schoeck nach aussen vertreten. Er macht sich keine falschen oder idealisierten Vorstellungen. Er spricht von einem «immobilientechnischen Unfall», der von den vier Schoeck-Brüdern hinterlassen worden sei und mit dem man sich nun zurechtfinden müsse.
Seit 1952 nichts mehr verändert
Denn hier liegen die Probleme: Die Villa ist durch das gegen Norden ausgerichtete und schräg ins Haus platzierte Atelier sowie durch die Zusammenbauten mit dem Hotel Eden baulich derart verschachtelt, dass «dies die Ursache für den bisherigen Stillstand in Sachen künftiger Nutzung» sei, so Alvaro Schoeck. Seit 1952 ist an der Villa nichts mehr geändert worden. Einzig in den notwendigen Unterhalt, vor allem am Dach, in einen neuen Zugang und eine Stützmauer ist investiert worden. Seine Generation habe rund eineinhalb Millionen Franken investiert, erklärte Alvaro Schoeck. Nun aber müsse ein Plan her, wie es weitergehen solle. Er sei in dieser Sache «ergebnisoffen», was mit dem Haus geschehen sollte. Nach zehnjähriger Arbeit im und rund ums Festival habe sich gezeigt, dass vor allem der historische Bestand als Faktum genommen werden müsse, um so eine Basis für alle weiteren Diskussionen und Entwicklungen zu haben. Auch müsse man «all die Legenden aufarbeiten», die sich über die Jahrzehnte eingenistet hätten. Alvaro Schoeck nannte es ein Tabu-Knäuel, das nun durch das Schoeck-Festival seit 2016 langsam aufgelöst worden sei. Tatsächlich ist die Villa zugänglich gemacht und für Anlässe genutzt worden, was vorher nie möglich gewesen ist. Teile der Villa, das Atelier und das Komponierzimmer von Othmar Schoeck, sind so bis zu einem gewissen Grad popularisiert worden.
Nun gehe es darum, eine Methode zu finden, wie man weiter vorankommen könne. Zu begrüssen sei darum die Absicht der neu gegründeten IG Kultur Eden, welche das Ziel verfolge, dass das zum stillgelegten Hotel gehörende Saalangebot erhalten, saniert oder neu gebaut werden könne. Dazu werde es aber auch Mut brauchen.
Sehr interessant waren an einem Podiumsgespräch zu dieser ganzen Thematik die Erläuterungen von Bettina Stefanini. Ihr Vater Bruno Stefanini war erfolgreicher Bauunternehmer, Milliardär und schliesslich unglaublicher Sammler. Er hat nicht nur 2200 Wohnungen und ganze Stadtteile von Winterthur hinterlassen, sondern auch rund 100’000 Kunst- und Kulturobjekte. Die Lösung wurde mit der gemeinnützigen Stiftung Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) gefunden. Sie verwaltet, erschliesst und popularisiert diese Bestände. Neben den bestehenden mehr als 1000 Museen in der Schweiz noch ein neues zu errichten, mache aber keinen Sinn. Es bleibt bei einer öffentlich zugänglichen Sammlung. Ob auch für die Villa Schoeck eine Stiftung mit klar zum privaten Eigentum abgegrenztem Stiftungszweck eine Lösung sein könnte, wurde mindestens am Rande auch angesprochen.
Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher
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Bote der Urschweiz
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