Pärchen finden sich eigentlich schon schnell – doch nach erstem schüchternem Annäherungsversuch scheint das Ganze am intriganten Vater zu scheitern, der mit der Tochter ganz andere Pläne hat. Foto: Franz Kälin
Pärchen finden sich eigentlich schon schnell – doch nach erstem schüchternem Annäherungsversuch scheint das Ganze am intriganten Vater zu scheitern, der mit der Tochter ganz andere Pläne hat. Foto: Franz Kälin

Bühne

Willerzeller Theater: «Ich will ja nüt gseit haa…»

Mit der Premiere sorgten die Willerzeller Theaterleute für beste Unterhaltung. «Urueh im Waldfriedä» besticht in bester Willerzeller Tradition mit den Ingredienzen Gerüchte, Intrigen, Verwirrungen, Liebe und natürlich einem Happy-End.

Ein kalter Winterabend war dieser Stephanstag, ja, saukalt war es. Trotzdem liessen es sich die Theaterfans nicht nehmen, ins Willerzell zu «pilgern». Man kam sich fast vor wie bei einem Klassentreffen: Seit vielen Jahren kommen praktisch die gleichen Leute an diese Premiere. Das geht so weit, dass einzelne Theaterbesucher gar immer die gleichen Plätze belegen. Das treue Stammpublikum wollte «seine» Schauspieler agieren sehen. Und dies sei vorab gesagt: Den weiten Weg dorthin musste keinen reuen.

Dorfklatsch und Geheimnisse

Wie es sich für einen richtigen Schwank gehört, beginnt alles ruhig. Die Protagonistinnen und Protagonisten bringen sich eine/r nach der/dem andern ins Spiel ein. Und da geht es in schönster Komödienmanier bereits los. Die «Dorfzeitung» Hermine, nebenbei noch Ladenbesitzerin, tauscht sich mit der Wirtin Ida Knobel aus. Das geht dann so: Hermine – glänzend gespielt von Margrith Fuchs – lockt ihr Gegenüber gezielt aus der Reserve, um mehr zu bestimmten Personen zu erfahren. Doch Ida weiss scheinbar auch nicht alles, oder will es nicht verraten und so bleibt für Hermine nur eines zu sagen: «S'nimmt mi ja schu wunder – aber ich will nüt gseit haa…» Und dieses «ich will ja nüt gseit haa…» bringt die gute Dame im Verlaufe des Stücks noch mehrere Male ein – immer, wenn sie etwas aus ihrem Gegenüber herausholen möchte. Und sie umgarnt die Leute geschickt, erfährt viel. Nicht umsonst ist sie die «lebende Dorfzeitung». Diesem Ruf wird sie voll gerecht.

Zarte Liebesbande geknüpft

In so ein Stück gehört auch die Liebe – und das Spiel und Verwirrspiel darum. Pärchen finden sich eigentlich schon schnell – doch nach erstem schüchternem Annäherungsversuch scheint das Ganze am intriganten Vater zu scheitern, der mit der Tochter ganz andere Pläne hat. Da kommen Arm und Reich, also einheimisch und amerikanisch, schneller weiter. Da behindert niemand die aufkeimende Liebe zueinander. Ja, natürlich: Was wäre eine Wil-lerzeller Aufführung ohne Annerös Kälin, die die Hausangestellte Serafina Schön gibt. Die ledige, etwas schrullige Angestellte «verschenkt ihr Herz nicht, lässt es höchstens erobern!» Der Pöstler hat es ihr eigentlich angetan, doch einmal will sie nicht, dann wieder will er nichts von ihr wissen. Ja, hier geht die Liebe viele Umwege, bis... ja eben, bis. Doch wie das ausgeht sei hier nicht verraten; dieses Buhlen und Werben auf alle Arten ist köstlich.

Ideale Rollenverteilung

Martina Birchler, die Regisseurin, ist zu beneiden. Für dieses Stück kann sie personell aus dem Vollen schöpfen. Sie hat für jede Rolle die ideale Besetzung zur Verfügung. Die zwei neuen Ensemble-Mitglieder – Nicole Kälin als Tochter Katharina Tobler und Heidi Ott als Monika Wallner – fügen sich auf Anhieb gut ein. Jedes Jahr drückt – je nach Stück – der oder die Schauspieler/in dem ganzen Geschehen den Stempel auf. Heuer sind es Margrith Fuchs als Hermine Pfeiffer und Annerös Kälin als Serafina Schön. Die beiden geben zwei völlig verschiedene Frauentypen ab. Die spielen sie nicht, sie leben sie förmlich – und das springt auf die Zuschauer über. Man amüsiert sich köstlich, wartet auf die nächste «Tat». Etwas weniger Glanzpunkte setzen kann dieses Jahr Xaver Tobler. Das liegt aber an seiner relativ kleinen Rolle als Polizei-Inspektor, der offenbar «Dreck am Stecken» hat. Da hat es Werner Steinauer als Pöstler schon besser. Der lässt sich ja von Serafina umgarnen – aber auch von Hermine. Was wiederum der Serafina gar nicht gefällt. Mehr sei hier nicht verraten – nur so viel: Ein Besuch bei den Willerzeller Theaterleuten lohnt sich auch dieses Jahr. Das Ensemble spielte schon an der Premiere «in Höchstform». Also: Nichts wie hin ins Willerzell und einen Abend lang vergnügt lachen können! bis zum 15. Januar wird gespielt.

Weitere Aufführungen

Mi, 5.1., 20 Uhr;
Do, 6.1, 20 Uhr;
Fr, 7.1., 20 Uhr;
Sa, 8.1., 20 Uhr;
So, 9.1., 17 Uhr;
Mi, 12.1., 20 Uhr;
Fr, 14.1., 20 Uhr;
Sa, 15.1., 20 Uhr (Derniere)

Vorverkauf

täglich von 9 bis 11 Uhr
T 055

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

30.12.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/qAjAeL