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«Wir feiern einen Misserfolg»

In Einsiedeln hat die Vernissage des Buches über das Schicksalsjahr 1526 für das Kloster stattgefunden.

Am Samstag, Maria Himmelfahrt, schaute das Kloster Einsiedeln zurück auf das Wendejahr 1526. Auf den Tag genau vor 500 Jahren wurde der St. Galler Mönch Ludwig Blarer zum Abt von Einsiedeln eingesetzt. Er löste damit den 86-jährigen Abt Konrad von Hohenrechberg ab, der als Einziger im Kloster Einsiedeln ausharrte.

Damit begann eine Erfolgsgeschichte, an der nebst dem Kloster St. Gallen auch die Schwyzer eine entscheidende Rolle spielten. Sie holten den Mönch von St. Gallen ohne Rücksprache mit dem Heiligen Stuhl, welcher das Recht besass, den neuen Klostervorsteher von Einsiedeln zu bestimmen.

Die Umstände dieses Wendejahres haben 14 Historiker aufgearbeitet und im lesenswerten Buch «1526, Ende oder Wende? Wie das Kloster Einsiedeln zu neuer Blüte fand» zusammengefasst. Initiant und Herausgeber dieser Schrift ist Pater Thomas Fässler. Für den gebürtigen Schwyzer war die Vernissage am Samstag der Abschluss und Höhepunkt einer umfangreichen Arbeit, die sogar in der NZZ gewürdigt wurde.

 

«Unser Kanton wäre ohne das Kloster ein anderer»

Abt Urban Federer nahm die Feier zum Anlass, die Verbundenheit der Abtei Einsiedeln mit St. Gallen und den Schwyzer Behörden zu feiern. «Wir feiern einen Misserfolg unserer Gemeinschaft, und St. Gallen machte damals daraus etwas Neues», sagte er vor der Festgemeinde, an welcher der St. Galler Bischof Beat Grögli, Regierungsdelegationen von St. Gallen und Schwyz, Vertreterinnen der Klöster Fahr, Au bei Trachslau, Seedorf, St. Gallenberg sowie der Bezirke Schwyz und Einsiedeln anwesend waren.

Der Schwyzer Landammann Sandro Patierno erinnerte daran, dass unser Kanton ohne das Kloster ein anderer wäre. Der Wallfahrtsort mit seiner jahrhundertelangen Ausstrahlung «ist bis heute ein wichtiger religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Anker des Kantons Schwyz».

 

Einsiedeln im Brennpunkt der frühen Reformation

Der Historiker André Holenstein ­machte mit einigen Beispielen darauf ­aufmerksam, dass das Kloster ein «Brennpunkt der frühreformatorischen Bewegung und Brennpunkt der eidgenössischen Politik» war. Nicht nur ­Ulrich Zwingli und sein radikaler Nachfolger Leo Jud wirkten als Leutpriester in Einsiedeln. Den letzten jungen Mönch von Einsiedeln zog es nach Zürich, wo er Zwinglis Weg folgte, sodass nur noch der alte Abt übrig blieb. Die Tagsatzung, die in Einsiedeln tagte, wollte mit einem Glaubenskonkordat Reformen anstossen, die dann jedoch nicht zustande kamen.

Die Veranstaltung im Grossen Saal wurde musikalisch umrahmt mit Klängen aus der Zeit des Wendejahres. Es herrschte eine feierliche Stimmung und anschliessend eine ungezwungene Atmosphäre beim Apéro. So erinnerte Abt Urban daran, dass die grosse Glocke des Klosters nur bei hohen Festtagen läutet – «und wenn die Schwyzer kommen». Damit werde jedoch nicht an den Überfall von 1314 erinnert, sagte er mit Augenzwinkern, «sondern aus Dankbarkeit, dass die Schwyzer uns vor 500 Jahren geholfen haben».

 

Bote der Urschweiz / Franz Steinegger

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Bote der Urschweiz

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Publiziert am

17.08.2026

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