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«Wir hören auf, wenns noch gut tönt»: Nach 56 Jahren ist Schluss
Seit Jahrzehnten gehört die Kapelle Illgauergruess zu den prägenden Formationen der Schweizer Ländlermusik. Nun hört sie bald auf.
Die Kapelle Illgauergruess blickt auf eine aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurück. Gegründet wurde sie 1970 von den vier leidenschaftlichen Illgauer Ländlermusikanten Sebi Heinzer (Klarinette/Saxophon), Toni Bürgler (Handorgel/Schwyzerörgeli), Walter Rickenbacher (Handorgel) sowie Fridolin Bürgler (Bassgeige). Doch nun hört die schweizweit bekannte Kapelle bald auf. Die drei letzten öffentlichen Auftritte sind wie folgt: Am 29. August spielt sie in der Sigristenhaus-Hütte in Illgau auf, am 12. September im Restaurant Biberegg in Rothenthurm und am 14. September folgt der letzte Auftritt im Restaurant Schützenhaus in Altdorf (ausverkauft). Diese Abschlusskonzerte werden ohne Zweifel nicht nur für die Musikanten selbst, sondern auch für die zahlreichen Fans und Ländlerfreunde zu einem emotionalen Musikerlebnis werden. Sebi Heinzer wird auch in Zukunft noch im kleineren Rahmen als Klarinettist zu hören sein, aber nicht mehr unter dem Namen Illgauergruess. Die restlichen drei Musikanten treten weiterhin – wie bisher – als Gebrüder Rickenbacher mit Sepp Lagler am Bass auf.
Vom Autodidakten zum Musiklehrer
Kapellmeister Sebi Heinzer ist das einzige Gründungsmitglied, das der Formation seit ihrer Entstehung ohne Unterbruch angehört und die Kapelle während 56 Jahren musikalisch leitete. Mit seinem warmen, klangschönen Klarinettenton und seiner sicheren Spieltechnik zählt er seit Jahrzehnten zu den herausragenden Klarinettisten der Schweizer Ländlermusik. Sebi Heinzer wuchs in einer musikalischen Familie auf. Bereits als Primarschüler erhielt er seine erste Klarinette und eignete sich den grössten Teil seines Könnens autodidaktisch nach Gehör an. Später absolvierte er die Ausbildung zum Musiklehrer und unterrichtete während vieler Jahre Klarinette und Saxophon an mehreren Musikschulen im Kanton Schwyz. Seine Begeisterung für die Musik gab er auch den vier Kindern Nadja, Ueli, Fredy und Lea weiter.
In den 1970er-Jahren nächtelang musiziert
Die Kapelle Illgauergruess ist bekannt für ihr riesiges Repertoire und dafür, dass sie immer wieder alte und fast vergessene Tänze neu unters Publikum brachte. Sebi Heinzer schrieb zudem 40 Eigenkompositionen, zum Beispiel den sehr schönen, melodiösen Walzer «Edith», den er seiner Frau gewidmet hat, oder den Schottisch «Ä schöni Alpepassfahrt». Die goldenen 1970er- und frühen 1980er-Jahre bleiben den Musikanten in besonders guter Erinnerung. Damals wurde in Beizen wie zum Beispiel im Adler in Bürglen oder im Kreuz in Cham nächtelang musiziert, getanzt, «bödälät» und «gäuärlät». Die Kapelle war in der ganzen Schweiz unterwegs, wirkte in Radio- und Fernsehsendungen mit, veröffentlichte mehrere Tonträger und musizierte im Jahre 1976 auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Mittelmeer. Seit dem Jahr 2000 spielt die Kapelle unverändert in der heutigen Besetzung. Dies sind Sebi Heinzer, Walter Rickenbacher, Christian Rickenbacher und Sepp Lagler. Mit viel Herzblut und musikalischer Präzision begeistern sie das Publikum immer wieder aufs Neue. 2020 wurde die Formation mit dem Kulturpreis der Gemeinde Illgau ausgezeichnet. Die erfahrene Wertschätzung bedeutet den Musikanten sehr viel. Für Kapellmeister Sebi Heinzer war es stets wichtig, dass der Name Illgauergruess auch bei personellen Wechseln weitergeführt wurde. Nun endet diese eindrückliche Geschichte bewusst zu einem Zeitpunkt, an dem die Kapelle noch auf hohem musikalischem Niveau spielt. Oder, wie Sebi Heinzer es kürzlich treffend zum «Bote» sagte: «Wir hören auf, wenns noch gut tönt.»
Bote der Urschweiz / Guido Bürgler
Autor
Bote der Urschweiz
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