Die 33-jährige Eva Schönbächler aus dem Klosterdorf ist Präsidentin des neu gegründeten Vereins «Die Zauberlaterne Einsiedeln». Bild zvg
Die 33-jährige Eva Schönbächler aus dem Klosterdorf ist Präsidentin des neu gegründeten Vereins «Die Zauberlaterne Einsiedeln». Bild zvg

Film

«Wir wollen Kindern Zugang in die Welt der Filme eröffnen»

Im Klosterdorf ist der Filmklub «Die Zauberlaterne Einsiedeln» gegründet worden.

Der neue Verein will sechs- bis zwölfjährigen Kindern die Möglichkeit geben, Zugang zur faszinierenden Welt des Films im Kino zu finden. Die Präsidentin Eva Schönbächler schildert, wie es zur Gründung des Vereins gekommen ist.

Magnus Leibundgut: «Die Zauberlaterne» ist ein Dachverein, der seit 1992 Filmbildung für Kinder in den Kinos anbietet. Wie ist es zur Gründung des lokalen Vereins in Einsiedeln gekommen?


Eva Schönbächler: Es gibt aktuell über 76 lokale und eigenständige Zauberlaterne-Vereine in der Schweiz. Meine Vorstandskollegin Francisca Eugster kannte die Zauberlaterne aus ihrer Zeit in Zürich. Noch vor ihrem Umzug im Februar 2019 nach Einsiedeln hat sie dann erstmals mit dem Dachverband Kontakt aufgenommen und dann stetig das Projekt weiterverfolgt. Unabhängig von ihr hatte auch Franz Kälin von der Cineboxx Interesse an diesem Angebot bekundet und sich beim Dachverband informiert. Mit dieser engagierten Zusage des Kino-Partners nahm das Projekt dieses Jahr so richtig Fahrt auf.

Haben Sie Unterstützung erfahren bei der Gründung Ihres Vereins?


Mit der Unterstützung des Dachvereins wurden via benevol-jobs. ch und Kunst Schwyz vier Freiwillige gefunden, die hinter dem Konzept der Zauberlaterne stehen, um einen lokalen Zauberlaterne- Verein mit der finanziellen Rückendeckung des Bezirks Einsiedeln, des Kantons Schwyz, Stiftungen wie auch der privaten Hauptsponsorin Raiffeisenbank Einsiedeln zu gründen. Neben Francisca Eugster und mir sind noch unsere Buchhalterin Doris Tomaschett-Romer und unsere Sekretärin Patricia Gsell-Coutlon im Vereinsvorstand mit von der Partie. Nun hat sich auch schon jemand für das Fundraising-Amt gemeldet, das wir gerne mit einem zusätzlichen Vorstandsmitglied besetzt haben möchten.

Welche Ziele und Zwecke verfolgt der Filmklub Zauberlaterne Einsiedeln?


Die Zauberlaterne Einsiedeln ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Ziel die Organisation von Vorstellungen ist, die es Kindern erlauben, die Geschichte, Technik, Ästhetik und vor allem das Vergnügen des Kinos zu entdecken. Er stellt sicher, dass seine Aktivitäten für alle Kinder zugänglich sind. Um dieses Ziel zu erreichen, stützt er sich auf das von der Zauberlaterne entwickelte und über die Jahre hinweg diskursiv optimierte Konzept.

Können Sie schildern, wie das Konzept des Filmklubs Zauberlaterne Einsiedeln aussieht?


Jedes Jahr bietet die Zauberlaterne Kindern von sechs bis zwölf Jahren ein neues Programm von neun Filmen zu einem erschwinglichen Preis. Die Vorführungen werden spielerisch pädagogisch eingerahmt. Vor der Vorstellung erhalten alle Mitglieder eine illustrierte Klubzeitschrift, deren Lektüre sie auf den jeweiligen Film vorbereitet. Im Kinosaal führen eine interaktive Moderation und eine szenische Einführung die Kinder in den jeweiligen Film ein. Bei der Zauberlaterne teilen die Kinder die grossen Kinogefühle mit ihren Kameraden und entwickeln zusammen ihren kritischen Sinn.

Wie sieht die Begleitung aus?


Die Filmvorführungen finden ohne Eltern statt, die Kinder werden jedoch von erwachsenen und verantwortungsbewussten Kino-Begleitenden betreut. Die Zauberlaterne bietet jährlich ein neues Filmprogramm mit den besten Kinofilmen der Filmgeschichte. Beginnend mit Klassikern des Stummfilms über erste Farb- und Tonfilme bis hin zu aktuellen Kinoproduktionen lernen die Kinder spielerisch die Entwicklungen der Filmgeschichte kennen.

Mit welchem Programm wartet die Zauberlaterne auf?


Die Zauberlaterne präsentiert jede Saison eine neue Auswahl von neun Filmen, die in drei Zyklen unterteilt sind, die folgenden grossen Emotionen des Kinos gewidmet sind: Freude, Angst, Traurigkeit und Träumen. Jeder Zyklus besteht aus drei Filmen aus verschiedenen Epochen der Filmgeschichte und aus unterschiedlichen Produktionsländern: einem Stummfilm (vor 1930), einem Film vor dem Aufkommen der Computeranimation (zwischen 1930 und 1990) und einem nach dem Aufkommen der Computeranimation (nach 1990). In chronologischer Reihenfolge präsentiert, spiegeln diese Filme die Entwicklung der siebten Kunst wider, oder genauer gesagt, die verschiedenen Mittel, mit denen Filmemacher das Publikum erreichen und emotional bewegen. Vor der Filmprojektion bereiten drei Schauspieler mit einer kurzen szenischen Einführung auf den Film vor.

Was machen diese Schauspieler genau?


Das lokale Geschwister-Moderationsduo Felicitas und Nora Gassner spielt jedes Mal mit einer anderen dritten Schauspielperson eine szenische Einführung – ein kurzes und manchmal multimediales Theaterstück –, das den Kindern den einen oder anderen Aspekt des Films erklärt.

Dürfen Eltern ihre Kinder in die Filmvorführung begleiten?


Nein, denn die Zauberlaterne hat festgestellt, dass Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren ohne ihre Eltern sowohl aufnahmefähiger als auch besonnener sind. Sie sind auch bereits autonom genug, um dies zu tun, und sind sogar stolz darauf. Selbstverständlich hat es erwachsene und verantwortungsbewusste Betreuende während der Projektion im Kinosaal, die sich um die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder kümmern.

Die Kleine Laterne richtet sich an Kinder von vier bis sechs Jahren. Wird dieses Projekt auch in Einsiedeln angeboten?


In der Saison 20/21 wird es noch nicht angeboten. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass wir die Kleine Laterne auch in Einsiedeln lancieren. Nun möchten wir jedoch erstmal mit der Zauberlaterne loslegen. Wenn wir dann sehen, dass alles rund läuft, wir genügend Freiwillige sind und der Bezirk Einsiedeln uns auch dabei Rückendeckung gibt, steht auch der Lancierung der Kleinen Laterne mit drei Vorstellungen pro Schuljahr im nächsten oder übernächsten Jahr nichts im Weg.

Was bietet der Filmklub Zauberlaterne Einsiedeln neben den regulären Vorstellungen an?


Zusätzlich zu den regulären Vorstellungen werden manchmal auch Vorpremieren organisiert, an denen die Kinder mit ihren Eltern teilnehmen können. Wir planen das eine oder andere Mal auch eine Vorstellung für Schulen oder Kindergärten in der Cineboxx anzubieten. Ferner wird in Zukunft vielleicht auch einmal ein Workshop für einen Spezialanlass auf die Beine gestellt werden.

Welche Filme stehen im Fokus Ihres Klubs?


Die Mitglieder der Zauberlaterne Einsiedeln können im Schuljahr 2020/2021 sowohl grosse Stummfilmklassiker wie «Moderne Zeiten», bei dem Charlie Chaplin die Arbeit am Fliessband zum Gag macht, als auch «Hugo Cabret», den einzigen Kinderfilm des grossen Martin Scorsese, der den Kinopionier Georges Méliès vorstellt, entdecken. Ebenso ist «Findet Nemo», einer der schönsten Filme der Studios Pixar, Teil des vielfältigen Programms.

Sollen die ausgewählten Filme bestimmte pädagogische Ansätze erfüllen?


Ja, natürlich! Denn alle Filme, die bei der Zauberlaterne gezeigt werden, werden nach zwei Kriterien ausgewählt: Qualität und das, was sie den Kindern in Bezug auf Emotionen und Lebenserfahrungen bringen können, sodass die Filme auch bilden. Für jeden Film wird ein pädagogisches Material entwickelt, damit das Zauberlaterne-Moderationsteam die festgelegten pädagogischen Ziele erreichen kann. Aber nie geht dabei der Spass verloren, sodass es stets ein Vergnügen für die Kinder bleibt.

Welcher Streifen läuft am 21. Oktober, wenn der Einsiedler Filmklub seinen ersten Film im Cineboxx zeigt?


«Moderne Zeiten» von und mit Charlie Chaplin. Es handelt sich dabei um eines der grossen Meisterwerke der Komödie. In «Moderne Zeiten» setzt sich Charlie mit der entmenschlichten Welt der Arbeit, der Arbeitslosigkeit und der Krise auseinander. Trotz aller Widrigkeiten bleibt er stets positiv und zeigt, wie die Liebe der Antrieb für Hoffnung sein kann. Mit einem Live-Kommentar, wie zu Stummfilmzeit üblich, ist diese Vorstellung ein einzigartiges Erlebnis.

Ist vorgesehen, dass nach dem Film eine Diskussion unter den Kindern über die Bühne geht, an der sie sich über das Gezeigte austauschen können?


Nein, die Zauberlaterne zieht es vor, die Kinder vor der Filmprojektion mit einer Klubzeitung, dem Dialog mit der Moderatorin und der szenischen Einführung (kleines Theaterstück in Bezug auf den Film) vorzubereiten – sozusagen mit diesen drei Elementen an der Hand zu nehmen und an den Film heranzuführen – und ihnen nach der Vorstellung die Freiheit zu geben, ihre eigene persönliche Meinung über den Film zu behalten. Die Zauberlaterne hat auch festgestellt, dass die Kinder sich Zeit nehmen müssen, um ihre Emotionen zu verarbeiten, bevor sie über den Film sprechen können. Sie tun dies oft während des Abendessens mit ihren Eltern. Manchmal rufen einige Eltern bei der Zauberlaterne an, um herauszufinden, ob es eine DVD oder Blu-ray des Films gibt, da ihre Kinder so begeistert darüber sprechen!

Welcher Film war der erste, den Sie als Kind im Kino gesehen haben und welche Erinnerungen haben Sie an dieses Kinoerlebnis?


Mein erstes Kinoerlebnis, an das ich mich erinnern kann, war ein Besuch im Kino Bellevue in Zürich mit meinen Eltern. Das muss im Jahr 1992 gewesen sein, für eine Vorstellung des Disneyfilms «Aladdin». Ich erinnere mich, dass ich besonders stolz darauf war, in der ersten Reihe sitzen zu können. Obwohl das für meine erwachsenen Begleiter wahrscheinlich nicht besonders toll war, sassen wir zu dritt ganz vorne.

Ist Kino in der heutigen Zeit bei jungen Leuten bereits passé und von anderen Medien wie Netflix abgelöst worden?


Nein, denn wir glauben, dass das Vergnügen, einen Film gemeinsam in einem Kino zu entdecken, ein einzigartiges und unvergleichliches Erlebnis bleibt. Dafür muss man Kinder – genug früh – auf den Geschmack des Filmeschauens im Kino bringen. Genau das macht die Zauberlaterne.

Kann dank Ihres Klubs den Kindern ein Zugang in die Filmwelt verschafft werden?


Nicht nur in die Welt der Filme, sondern auch tatsächlich in die Welt des Filmemachens. Die Zauberlaterne hat festgestellt, dass die Mehrheit der Studierenden an Schweizer Filmschulen die Vorstellungen der Zauberlaterne als Kind besucht haben. Und vielleicht haben sie auch dank der Zauberlaterne ihre Berufung entdeckt.

Können Sie schildern, in welcher Art und Weise sich Kinderfilme gewandelt haben in den letzten Jahrzehnten?


Betrachtet man die Entwicklung der letzten zehn Jahre, so kann man auf Nachfrage beim künstlerischen Leiter der Zauberlaterne, Vincent Adatte, sagen, dass es keine oder fast keine Filme mehr gibt, die sich speziell an Kinder richten, sondern vor allem Filme «für die ganze Familie» mit unterschiedlichen Filmlektüreniveaus, um sowohl Erwachsene als auch Kinder zu erreichen, was für die Jüngeren manchmal verwirrend ist. Zeitgenössische Filme, die ein junges Zielpublikum haben, seien meistens aus den USA und jeweils Teil eines Modetrends. Daher finden wir die Zauberlaterne so wichtig, die ein sehr vielfältiges Programm mit Filmen aus verschiedenen Ländern und Epochen bietet. Mit der Vervielfachung der Bildschirme über Fernsehen, Laptops, Tablets und Smartphones werden Kinder heutzutage auch Filmen ausgesetzt, die oft von schlechter Qualität zeugen oder nicht ihrem Alter entsprechen. Es scheint uns daher sehr wichtig, den Kindern mit unserem Einsiedler Zauberlaterne-Klub eine Filmbilderziehung zu geben, welche ihnen die Schule nicht (oder zu selten) anbietet.

Welcher Film war Ihr Lieblingsfilm in Ihrer Kindheit und wieso?


Ein Film, den ich besonders häufig gesehen habe, ist «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel». Ich fand Libuše Šafránková, die Schauspielerin, die Aschenbrödel gespielt hat, damals wunderschön. Ausserdem gefielen mir die Pferde und die romantische Natur im Film. Unterstrichen wurden diese Dinge natürlich durch die besonders schöne Filmmusik. Es ist mittlerweile zu einer Tradition geworden, den Film in der Vorweihnachtszeit mit meinen eigenen Kindern zu schauen.

Informationen


sind zu finden unter: www.lanterne-magique.org/de. Online-Einschreibung unter www. zauberlaterne.org.

Einsiedler Anzeiger / Magnus Leibundgut

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

25.09.2020

Webcode

schwyzkultur.ch/fEPyHD