Musik
«Alle Menschen werden Brüder» – und Schwestern
Am Samstag führten das Sinfonieorchester des Kantons Schwyz und rund 110 Sängerinnen und Sänger in der Riedmatthalle in Wollerau Ludwig van Beethovens «9. Sinfonie in d-Moll op. 125» auf. Ein gigantisches Projekt.
Leise erklingen die ersten Töne, schwellen an, werden kraftvoll, gar furios. Dann folgen liebliche Passagen, wechseln wieder ins Kraftvolle, zeigen eine Zerrissenheit. Er ha-be nach einer schmerzlichen Trennung immer nur die zwei ersten Sätze von Beethovens «9.Sinfonie» gehört, sagt ein Konzertbesucher und Beethoven- Liebhaber. Und auch der zweite Satz zeigt den Kontrast zwischen beschwingtem Leichten und Bedrohlichem.
Das Sinfonieorchester des Kantons Schwyz (SOKS) unter der Leitung von Urs Bamert hat sich mit der «9. Sinfonie in d-Moll op. 125» von Ludwig van Beethoven ganz schön was vorgenommen. «Ein gigantisches Projekt, unsere grösste Produktion ever.» Und gigantisch sind die Zahlen: Über 70Musikerinnen und Musiker des SOKS und 110 Mitwirkende der Kantorei St. Georg Kaltbrunn unter der Leitung von Daniel Winiger sowie eines Ad-hoc-Chors unter der Leitung von Jonathan Prelicz haben das seit längerer Zeit angedachte Projekt «Beethovens Neunte» umgesetzt.
Auf der Bühne wird es eng
Bekannt ist Beethovens letzte Sinfonie in erster Linie wegen des vierten Satzes mit der «Ode an die Freude», seit den frühen 70er-Jahren die offizielle Hymne des Europarats. Aber nur darauf zu warten, würde dem Werk nicht gerecht. Im dritten Satz mit geschlossenen Augen dem lieblichen Adagio zu lauschen, lässt einen zur Ruhe kommen. Ein wahrer Hörgenuss. Dann gesellen sich die Sängerinnen und Sänger zum Orchester. Rund 180 Personen müssen auf der Bühne des Riedmattsaals Platz finden. Aufgrund eines Wasserschadens hat das Konzert kurzfristig vom Maihofsaal in Schindellegi nach Wollerau verlegt werden müssen.
Eng wird es auch für die zwei Solistinnen und zwei Solisten, Sopranistin Sybille Diethelm, Altistin Michaela Unsinn, Tenor Luca Gotti und Bass Jonathan Prelicz. Sie nehmen zwischen Orchester und Chor Platz, sind vom Publikum nur schwer zu sehen. Aber letztlich lebt Musik vom Hören. Und der letzte Satz, die Vertonung von Friedrich Schillers Gedicht «An die Freude», hat es in sich: Nach furiosem Auftakt stimmen die Celli leise das bekannte Motiv der «Europahymne» an, die Violas nehmen die Melodie auf, dann die Geigen, letztlich stimmt das ganze Orchester ein. Erhaben schmettern die Sängerinnen und Sänger «Freude schöner Götterfunken…» in den Saal. Spätestens bei «Alle Menschen werden Brüder» – und auch natürlich Schwestern – bleibt ein zugegeben klitzekleiner Hoffnungsschimmer, dass dieser Wunsch nicht nur bei den rund 500 Besucherinnen und Besuchern in der Riedmatthalle angekommen ist, sondern in die Welt ausstrahlt.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Hans-Ruedi Rüegsegger
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