Hochkonzentriert: Guido Cavelti koloriert eines der Bilder für das Schnitzelbanksingen. Am Tisch im Hintergrund kümmern sich seine Neffen Fabio (links) und Ivo um ein weiteres Plakat. Bild Claudia Hiestand
Hochkonzentriert: Guido Cavelti koloriert eines der Bilder für das Schnitzelbanksingen. Am Tisch im Hintergrund kümmern sich seine Neffen Fabio (links) und Ivo um ein weiteres Plakat. Bild Claudia Hiestand

Bühne

Diese bunten Bilder untermalen die Schnitzelbänke

In den letzten Tagen haben diverse Vereine und Fasnachtsgruppen ihre Schnitzelbankverse gedichtet und Bilder dazu gemalt. Auch ein Tross an Mitgliedern des Turnvereins Wollerau-Bäch war wacker an der Arbeit.

Eigentlich ist der Aufwand riesig, wenn man bedenkt, dass der Zuschauer nur ein paar wenige Sekunden auf das Bild schaut», sagt Roland Cavelti. Seit 28 Jahren ist er mit von der Partie, wenn Mitglieder des Turnvereins Wollerau-Bäch einige Tage vor dem Beginn der Fasnacht die Bilder für das Schnitzelbanksingen malen. Wichtigste Voraussetzung: Die Verse müssen stehen. Auch hier hat Cavelti seine Finger im Spiel. Zusammen mit Bruder Guido und – man höre und staune – der Wollerauer Regierungsrätin Petra Steimen dichtet er die Strophen. Steimen ist zwar nicht Mitglied im Verein, ihr Mann Urs hingegen ist dort ein Urgestein. Das Talent der Magistratin nutzen die Turner zur Fasnachtszeit deshalb gern zu ihren Gunsten. «Sie ist unglaublich gut und schnell im Dichten», schwärmt Roland Caveltis Frau Monika. «Sie schüttelt die Verse nur so aus dem Ärmel.» Erfreulich, dass sie trotz Regierungstätigkeit noch Zeit dazu findet.

Erprobtes System

Ohne die Caveltis geht in Sachen Schnitzelbanksingen offensichtlich gar nichts. Monika Cavelti, Handarbeitslehrerin in Adliswil, sorgt jeweils dafür, dass sich der Maltrupp in ihrem Schulzimmer ans Werk machen kann. «Das ist deshalb sehr praktisch,weil uns hier die ganze Infrastruktur zur Verfügung steht», erklärt sie. Die Aktuarin der Damen- und Frauenriege will dieses Jahr mit einem Novum auftrumpfen: Sie versieht das Textblatt mit den Versen, das dem Publikum in den Beizen abgegeben wird, mit einem QR-Code. Wer will, kann sich die Bilder mit dessen Hilfe nochmals in aller Ruhe im Internet ansehen. Immer wieder kommt es vor, dass dem Turnverein sogar ein Bild abgekauft wird – in der Regel von einer Person, die beim Schnitzelbanksingen auf die Schippe genommen und auf einem der Plakate parodiert wird. Die übrigen Zeichnungen – wie auch sämtliche Verse – bewahrt der Turnverein in seinen Archivräumen in der MGH Riedmatt auf. Fortgeworfen wird gar nichts.

Elf Bilder innert fünf Stunden

Am vergangenen Samstagvormittag herrschte in Caveltis Schulzimmer im sonst verlassenen Schulhaus Kopfholz aufgeräumte Stimmung. Nebst Guido, Roland und Monika Cavelti war mit Ivo und Fabio auch die jüngere Cavelti-Generation zugegen. Ausserdem griffen auch Frank Schuler und Adrian Ulrich zu Pinsel und Farbe. Innerhalb von fünf Stunden entstanden insgesamt elf Bilder. Allerdings ist es schon vorgekommen, dass die Turner aus Gründen der Aktualität einen oder zwei Tage vor dem Schnitzelbanksingen noch eine weitere Strophe dichteten und ein Bild dazu malten. «Wenn es sein muss, reagieren wir auch noch kurzfristig auf ein Ereignis», so Monika Cavelti. Das System, das die Plakatmaler jeweils anwenden, ist simpel und erprobt: Mithilfe eines Hellraumprojektors werden die Sujets dort an die Wand projiziert, wo zuvor das grosse Zeichenpapier befestigt wurde. Die Konturen von Personen, Gegenständen oder Logos können so einfach nachgezeichnet werden. Das Kolorieren geschieht dann auf den Tischen – mit viel Hingabe.

Die Basler als Inspirationsquelle

Beim Turnverein ist also alles selbst gemacht: die Verse, die Bilder und auch das Singen – wobei letzteres den Männern vorbehalten ist. «Nicht aus frauenfeindlichen Gründen», wie Monika Cavelti beteuert, «sondern weil die Stimmen der Männer einfach mehr Volumen haben.» Geklaut ist eigentlich nur etwas: die Melodie. Laut Roland Cavelti haben die Turner-Vorfahren sie vor geraumer Zeit einer Basler Fasnachtsclique entlehnt. Seither ist sie fester Bestandteil der Schnitzelbank des Turnvereins.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Claudia Hiestand)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

23.02.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/EucFYb