An diesem Bild arbeite er schon seit zwei Jahren. Bild Eliane Weiss
An diesem Bild arbeite er schon seit zwei Jahren. Bild Eliane Weiss
Das Bernina-Massiv löst sich langsam in die Abstraktion auf. Bild zvg
Das Bernina-Massiv löst sich langsam in die Abstraktion auf. Bild zvg

Kunst & Design

«Ich brauche meine ganze Geduld für die Malerei»

Während der vergangenen vier Jahre entstand in Valentin Roschachers Atelier in Wollerau der Bilderzyklus «Alpha bis Omega». Dieser wird nun erstmals in St. Moritz ausgestellt.

Sechs mehr als zwei Meter lange Bilder prangen zurzeit an den Wänden des «Medici-Saal» im Hotel «Kulm» in St. Moritz. Der grossformatige Bilderzyklus «Alpha bis Omega» stammt vom Zürcher Maler Valentin Roschacher und zeigt die majestätischen Berge des Bernina-Massivs. Von detailliert und gegenständlich lösen sich die Bilder bis in die völlige Abstraktion auf. Das letzte Bild der Reihe zeigt dann lediglich noch Formen und Striche. Ungewöhnlich, denn der ehemalige Schweizer Bundesanwalt und heutige Berufsmaler ist für die Gegenständlichkeit in seinen alpinen Bildern bekannt.

Ein starker Geduldsfaden für die Malerei

Obwohl Roschacher seine Berge sehr genau malt, stimmt nicht jeder einzelne Fels oder jede Steigung mit dem Original überein. Der Charakter und die wesentlichen Merkmale des Berges machen das Bild aus. Deshalb seien es immer nur die Bergsteiger, die seine Bilder kritisieren würden. «Reinhold Messner wollte mal an einer Ausstellung erklären, wo er die Nordwand bestiegen hatte, und sagte mir, dass alles falsch sei – aber es sind Gemälde, keine Kletterkarten», so der Künstler. Für seine Werke braucht der Maler vor allem eines: Geduld. Denn in jedes Bild der Reihe «Alpha bis Omega» hat er in seinem Atelier in Wollerau 2000 Arbeitsstunden investiert – und dies über vier Jahre lang. Grund dafür ist seine spezielle Vorgehensweise. Die wichtigsten Utensilien für seine Werke sind nämlich Pinsel mit nur einem, zwei, drei oder vier Haaren. «Eigentlich bin ich ein absolut ungeduldiger Mensch. Bei meinen Bildern ist das jedoch nicht so. Ich brauche alle meine Geduld für die Malerei», schwärmt Roschacher über seine Leidenschaft. Anfangs habe es manchmal sogar länger gedauert, genügend Farbe auf den Pinsel zu bekommen, als diese danach auf die Leinwand aufzutragen, fügt der einstige Jurist schmunzelnd hinzu. Aber es lohne sich, denn nur so lassen sich Striche statt Flächen aufmalen und somit der gewünschte 3D-Effekt erzielen.

Ausstellung vor nationalem und internationalem Publikum

Dass die Ausstellung in der Ski-WM-Hochburg St. Moritz stattfindet, ist kein Zufall. Roschacher empfand die Weltmeisterschaft als ideale Plattform, um seinen Bilderzyklus einem grossen nationalen und internationalen Publikum zu präsentieren. Zusätzlich meldeten die Organisatoren von «White Turf St. Moritz», dem internationalen Pferderennen auf Schnee, ebenfalls ihr Interesse an der Ausstellung an. Diese hat sich mit der Ski-WM überkreuzt. So findet Roschachers Ausstellung unter der Woche von Montag bis Samstag in St. Moritz im Dorf statt und wird am Sonntagmorgen an den See hinunter verlegt und in einem Zelt installiert.

Von Alpha bis Omega – von realistisch bis abstrakt

Die Reaktionen seien meist positiv, erklärt der Künstler, aber oft auch sehr verwundert. Denn die Ungegenständlichkeit der letzten beiden Bilder ist man sich vom Maler nicht gewohnt. Ausschlaggebend für sein ungewöhnliches Experiment sei die ewige Diskussion zwischen Malern von abstrakten und Malern von realistischen Bildern, welche denn die «wahre» Malerei sei. «Ein Malerfreund sagte mir, dass der Betrachter mehr von einem abstrakten Bild habe, da er frei sei, zu sehen, was er möchte. Er argumentierte mit der Freiheit des Betrachters. Also fragte ich mich, ob ich diese Freiheit dem Betrachter nehmen kann», erklärt Roschacher den Gedanken hinter seiner Bilderreihe. So sehe man auch aus den Kreisen und Strichen des letzten Gemäldes noch immer deutlich das Bernina-Massiv. Valentin Roschacher zeigt die aktuellste Arbeit in seinem Atelier in Wollerau. Bild Nummer zwei aus dem Zyklus «Alpha bis Omega».

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Eliane Weiss)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

23.02.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/hdBnjP