Das neue Buch vom Marcel Kümin ist wie sein Erstlingswerk in Wollerau angesiedelt. Bild Bianca Anderegg
Das neue Buch vom Marcel Kümin ist wie sein Erstlingswerk in Wollerau angesiedelt. Bild Bianca Anderegg

Literatur

Auf Familiensaga folgen Kurzgeschichten

Sieben Kurzgeschichten umfasst Marcel Kümins neues Buch «Vorderhand keine Weibergeschichten». Das stattliche Haus zur Obermühle in Wollerau nimmt dabei wieder eine Rolle ein – obwohl der Autor das gar nicht geplant hat.

Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, seit Marcel Kümin sein Erstlingswerk «Kümin Obermühle – eine Familiensaga aus Wollerau» veröffentlicht hat. Nun liegt bereits sein zweites Buch, der Kurzgeschichtenband «Vorderhand keine Weibergeschichten », vor. Auch wenn es sich um ein ganz anderes Genre handelt, lassen sich gewisse Parallelen zum akribisch recherchierten historischen Familienroman ausmachen. Nicht nur erkennt der Leser einige Personen wieder, auch das Haus zur Obermühle – seit mehr als 200 Jahren im Besitz von Kümins Familie – spielt in einigen der Kurzgeschichten eine zentrale Rolle. Dies, obwohl dieses Thema für den Autor eigentlich abgeschlossen war. Marcel Kümin, der sich ohne Konzept zum Schreiben unter den Sonnenschirm setzte und die Geschichten sich quasi selbst entwickeln liess, ist über diese Wendung nicht unglücklich. «Schliesslich ist es mir ein Anliegen, dass die Obermühle den Menschen zwischen all den Neubauten in Erinnerung bleibt», betont er. Trotz Anknüpfung an frühere Themen sind die Kurzgeschichten auch für jemanden, der «Kümin Obermühle» nicht gelesen hat, problemlos verständlich. «Vielleicht tragen sie sogar dazu bei, Zugang zu meinem ersten Buch zu finden», hofft Kümin.

Sprache widerspiegelt Zeit

Der Kurzgeschichtenband beginnt im Jahr 1890 und zieht sich mit jeder Geschichte weiter in Richtung Gegenwart – und gar darüber hinaus. Der Leser erhält einen Eindruck vom Wollerau in der Zeit der Jahrhundertwende, während des Zweiten Weltkriegs, in den 1970ern und 80ern sowie im fernen 2060. Diese authentische Zeitreise gelingt Kümin nicht nur mit seiner genauen Beschreibung der Umgebung, sondern auch mit seiner Sprache, die er stets dem Zeitgeschehen anpasst. Dass er selbst schon seit über 30 Jahren nicht mehr in Wollerau lebt, merkt man den Geschichten nicht an. Inspiration findet Marcel Kümin sowohl in Erinnerungen als auch in seinem direkten Umfeld. Und obwohl er eingangs seines Buches erklärt, dass alle Personen undGeschichten frei erfunden seien, lassen sich gewisse Anspielungen auf reale Begebenheiten nicht abstreiten. Dass der fiktive Gemeindepräsident etwa Max Xaver Metzger-Hauenstein heisst, ist alles andere als Zufall. Auch der Autor kommt mehrmals selbst vor, als Schulbub und als Senior, wobei er nicht mit Selbstironie geizt. Vor allem die letzte Geschichte, «Die Senioren-WG auf der Obermühle»,ist stark von Kümins eigenem Leben geprägt. Sogar seine drei besten Freundinnen, von denen ihm eine auch die Idee zur Geschichte geliefert hat, nennt er darin bei ihren richtigen Namen. «Zuerst waren sie zwar empört von dieser Idee, doch das hat sich nach dem Lesen gelegt», so der 55-Jährige. Ob nun erfunden oder nicht, die sieben Kurzgeschichten haben eine augenfällige Gemeinsamkeit: Witz. Er verleiht dem Buch eine angenehme Leichtigkeit, die es schwer macht, das Werk aus der Hand zu legen.

Nicht nur für Wollerauer

Auch wenn es am Höfner Bezirkshauptort spielt, sieht Marcel Kümin «Vorderhand keine Weibergeschichten» nicht als Wollerauer Buch. «Es ist nicht nur für Einheimische interessant », betont er, «der Schauplatz ist letzten Endes zweitrangig.» Deshalb hat er auch eine Lesung in seiner Wahlheimat Zürich geplant. «Schwierig ist nur, dass praktisch in jeder Geschichte auf den Zürchern herumgehackt wird. Aber das brauche ich dort ja nicht zu verraten …»

«Vorderhand keine Weibergeschichten»
Marcel Kümin

Edition Lagarto, Bäch

Erhältlich:

www.edition-lagarto.ch
und
im Online-Buchhandel

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Bianca Anderegg)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

26.04.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/x2Dd1Z