Franz Osswald wusste gut zu lesen und gleichzeitig zu unterhalten. Die Aufmerksamkeit der Anwesenden war ihm sicher. Bild zvg
Franz Osswald wusste gut zu lesen und gleichzeitig zu unterhalten. Die Aufmerksamkeit der Anwesenden war ihm sicher. Bild zvg

Literatur

Krimi-Autor über die Schulter geschaut

Der Freitagabend in der Bibliothek Wollerau beinhaltete ausser Lesung auch «Erzählkunst».

Längst ist der Krimi salonfähig geworden: Während des Sommers brachten auch die Kultursender «Arte»und «3Sat» abends zur Hauptsendezeit Kriminalfilme. Wer am letzten Freitagabend in der Gemeindebibliothek Wollerau jedoch harsche Verfolgungsjagden und blutrünstiges Dauermorden erwartete oder befürchtete, sah sich sofort eines Besseren belehrt: Des Basler Autors Franz Osswalds Krimi-Erzählungen bürgen zwar für Spannung, aber sind solche der eher leisen Art, was nicht zuletzt auf dem sympathischen Protagonisten basiert, dem etwas schrulligen Journalisten Oskar Behrens, der oft unorthodox ermittelt, aber doch zum Ziel kommt.


Hohe Schule der Erzählkunst


Was den Krimi-Abend in der Dorf-Bibliothek so speziell machte, war nicht bloss die Lesung aus Franz Osswalds zweitem Krimi «Ehrlich wie Schnee», die eher spärlich ausfiel, aber doch just genügend Interesse weckte. Einzigartig war, dass es sich beim Autor um einen grossartigen Erzähler handelt. Liegt dies wohl am Klima, in dem er aufwuchs? Denn vor vielen Jahren gab es mal eine baslerische Reihe im Radio: «Verzell du das em Fährima». Osswald liess sich ungefragt in die Karten blicken, wie er arbeitet, dass er kaum erfindet, selbst Erlebtes wiederverwertet und wahrhaftig existierende Personen so verfremdet, dass man sie nicht wiedererkennt. Die Art und Weise, wie dies der Basler tat, war ganz einfach hohe Schule der Erzählkunst. So müssen einst in frühester Zeit die Erzähler auf den Märkten, oft genug auch noch Schlangenbeschwörer zugleich, ihr Publikum fasziniert haben. Nur schade, dass die Erzählkunst in froher Runde so selten geworden ist. In der Wollerauer Bibliothek kam sie voll zum Tragen: Die lauschenden Damen genossen sie nicht minder als der Verursacher, ja selbst seine lesungsgewohnte Hündin Mara machte keinen Mux.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / eing.

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

24.09.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/H112Bn