Tobias Pfister, Rafael Schilt und Alexander Seidel (v. l.) begeisterten in der reformierten Kirche Wollerau mit ihrer mutig verjazzten Barockmusik. Bild Hans Ueli Kühni
Tobias Pfister, Rafael Schilt und Alexander Seidel (v. l.) begeisterten in der reformierten Kirche Wollerau mit ihrer mutig verjazzten Barockmusik. Bild Hans Ueli Kühni

Musik

Verjazzte Barockmusik

Am Samstagabend war in der reformierten Kirche Wollerau im Rahmen der SommerMusikWollerau das Konzert «Altes verjazzt» auf dem Programm. Zu hören waren mutig umgesetzte Barock-Stücke.

Wer die barocke Musik von Henry Purcell oder John Dowland kennt, war wohl erstaunt, als die beiden Bläser Rafael Schilt und Tobias Pfister und der international tätige Countertenor Alexander Seidel mit Saxophonen und Klarinette vor den Altar in der reformierten Kirche Wollerau traten. Doch der Titel auf dem Programm sagte es bereits: «Altes verjazzt ». Es wurde aber nicht lauter, wilder Jazz gespielt, denn dann hätte man den hervorragenden Countertenor wohl gar nicht mehr gehört. Zwar gab es Stücke, die man durchaus als experimentell bezeichnen könnte.Die Saxophone drifteten auseinander, um sich dann im richtigen Moment wieder zu vereinen und der Stimme Raum zu geben. Die beiden Bläser sind Profis, das war schnell auszumachen. Sie entlockten ihren Instrumenten alle erdenklichen Töne, mal flüsterleise, dann wieder dominant und forsch. Und dennoch wirkte die Musik ruhig, geradezu beruhigend, wenn man dazu noch die Augen schloss und sich voll auf die Klänge konzentrierte.

Als Experiment gedacht

Es war erstaunlich, wie sicher das Trio auftrat, denn wie vom Initiator des Konzerts, Alexander Seidel, zu erfahren war, hatten die drei noch nie einen solchen Auftritt. Er erklärte im persönlichen Gespräch, dass er es als Experiment betrachtete, das Konzert mit Saxophonen und Klarinette statt mit klassischen barocken Instrumenten durchzuführen. So etwas müsse zuerst einmal im kleinen Rahmen ausprobiert werden, denn man könnte damit auch grandios scheitern. Das tat das Trio aber beim ersten Versuch am Samstagabend in Wollerau nicht. Die Besucher zeigten sich begeistert. Dass diesem Konzert eine gewisse Bedeutung beigemessen wurde, war auch daran zu erkennen, dass der bekannte Komponist und Arrangeur Frédéric Bolli, der die Lieder für diese Besetzung arrangiert hatte, aus Konstanz anreiste. Somit: Bühne frei für weitere Aufführungen in grösserem Rahmen. Der auch als Kirchenmusiker tätige Alexander Seidel möchte die Musikreihe weiterführen. Für den 27. August hat er etwas ganz anderes auf dem Programm: Kammermusik. Da erwarten die Besucher Stücke von Bach, Händel, Purcell und anderen grossen Komponisten. Seidel wird dann sein Können an der Orgel beweisen.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Hans Ueli Kühni)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

22.08.2016

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schwyzkultur.ch/ddAJBK