Musik
Eine schöne Konzertstunde
Der Musikverein Euthal musizierte am Neujahrsnachmittag in der Jugendkirche in Einsiedeln und sorgte mit seinem musikalischen Blumenstrauss für «einen beschwingten und stimmungsvollen Jahresbeginn».
Die Euthaler Musikantinnen und Musikanten gastierten in der gut besetzten Einsiedler Jugendkirche. Sie spielten ein gefälliges, unterhaltsames Programm, das mit den Zugaben rund eine Stunde dauerte – also eine schöne Konzertstunde. Ansagerin Martina Petrig sprach zu Beginn von «Musik zum Ankommen», und Präsident Christoph Dubacher nannte diesen Konzertbesuch die «beste Entscheidung».
Euthaler interpretieren Wiener Romantik
Johann Strauss drei-, viermal, Brahms, Fučík, aber auch der Ausschnitt aus dem Musical «Elisabeth » deuteten auf eine bewusste Musikwahl hin. Werke vorwiegend aus der Zeit, da Wien der musikalische Hotspot und die k.u.k. – königlich und kaiserliche – Monarchie noch nicht die «gute alte Zeit» war. Nostalgie also, wie sie jedes Jahr bei den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker gelebt wird. Allerdings gibt es zum Konzert in der Jugendkirche einen gewichtigen Unterschied, der Musikverein Euthal spielt natürlich in Blasorchesterbesetzung. Unbestreitbar findet diese Musik der Romantik auch heute viele Liebhaber. Und so sind neben den Vertretern der Wiener Strauss-Dynastie auch Tschaikowsky und Brahms völlig passend im Programm. Denn beide zählen zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik.
Musikalische Perlen
Roland Kälin überzeugte einmal mehr als Dirigent. Unter seiner sicheren, ruhigen Leitung eröffneten die rund 40 Musikantinnen und Musikanten mit dem Einzugsmarsch aus «Der Zigeunerbaron» von Johann Strauss, Sohn, überzeugend, mit sattem Klang, für den Blasmusikfreund ein Genuss. Obwohl Tschaikowsky sicher nicht zum Wiener Establishment gezählt werden kann, passte sein Blumenwalzer aus dem Ballett «Der Nussknacker» bestens in dieses Konzertprogramm, schwungvoll, leicht kamen die Blumen daher, allerdings hätte sich der Schreibende etwas mehr Dynamik gewünscht. Von Julius Fučík, dem weltberühmten Marschkomponisten, erklang «Die lustigen Dorfschmiede ». In diesem Charakterstück vereinten sich «Arbeiten und Lebensfreude», wusste Ansagerin Petrig zu berichten. Die Musikanten leisteten überzeugende «Arbeit», besonders schön ordnete sich der «Amboss » ins Tutti ein.
Solo, Tanz, Solo
Nimmt man Wiener Glamour und Neujahrskonzert zum Massstab, tanzte sicher das «Scherzando for Flute and Concert Band» von Steve Hagedorn aus dieser Reihe. Nicole Marty spielte dieses Flötensolo engagiert und sicher. Dieses Werk mit seinen zwei kontrastierenden Teilen ist nicht ganz tückenlos! Der «Ungarische Tanz Nr. 5» gehört zu den bekanntesten der insgesamt 21 Tänze, die Johannes Brahms komponierte. Das Allegro ist auch eine beliebte Zugabe bei den Wiener Neujahrskonzerten. Die «Nummer 5» lebt von Tempowechsel und rassiger Zigeunermusik, auch dieses Stück ist «nicht ganz ohne». Der Titelsong «Ich gehör nur mir» ist ohne Zweifel das Highlight aus dem Musical «Elisabeth ». Die Musik komponierte Sylvester Levay. Nach der Premiere in Wien eroberte «Elisabeth » die Herzen von Millionen Menschen und wurde schnell zum erfolgreichen Musical. Und Sheila Grätzer erwärmte die Herzen der Zuhörenden mit ihrem ausdrucksvollen Saxofonsolo.
Zwei Meisterwerke des Walzerkönigs
Natürlich gab es auch Musik aus der Feder von Johann Strauss, Sohn, den man den «Walzerkönig » nennt. Sein Konzertwalzer «Frühlingsstimmen» beschäftigt sich thematisch mit dem Frühling, verbunden mit viel Fröhlichkeit und Frische. Als erste Zugabe durften wir Zuhörer «An der schönen blauen Donau» geniessen. Dem Schreibenden gefiel die Interpretation, sie hatte eine Leichtigkeit, der Klang war nicht mehr so raumfüllend, die Musik flüssig. Vor dem Donauwalzer gab es mit «Ohne Bremse» ein Werk von Eduard Strauss. Er war der jüngste Sohn von Johann Strauss, Vater, somit ein Bruder von Johann Strauss, Sohn. Seine Schnellpolka war rassig, vielleicht zum Schluss allzu schnell. Aber Drive hatte sie allemal – logisch ohne Bremse. Und was gab es zum Schluss? Natürlich den berühmten Radetzky- Marsch, der nicht vom Sohn sondern von seinem Vater stammt. Ohne ihn endet kein Wiener Neujahrskonzert, auch das Neujahrskonzert des Musikvereins Euthal nicht. Das Publikum klatschte begeistert mit. Nach dieser Konzertstunde konnte man dem Präsidenten mit seiner «besten Entscheidung » zu diesem Konzertbesuch zu Recht zustimmen. Ein musikalisch guter Start ins neue Jahr.
Einsiedler Anzeiger / René Steiner
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Einsiedler Anzeiger
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