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Filmteam rückt Einsiedelns Brücken ins Rampenlicht

Oldtimer, Kameras und Ingenieure prägten am Freitagabend, 19. Juni, das Bild im Kobiboden. Der Dokumentarfilm «Ultra» nutzte Einsiedeln als Drehort – wegen zweier Brücken, die weit über die Region hinaus Beachtung finden.

Oldtimer rollten über das HLM-Areal, Kameras waren auf die neue Schrägseilbrücke gerichtet und Ingenieure aus dem In- und Ausland diskutierten über moderne Baustoffe. Was am Freitagabend im Kobiboden zu beobachten war, war kein Oldtimertreffen, sondern ein Drehtag für den Dokumentarfilm «Ultra».

Im Mittelpunkt stand die neue Schrägseilbrücke, die als erste ihrer Art weltweit aus Ultrahochleistungsfaserverbund-baustoff (UHFB) gebaut wurde. Genau deshalb fiel die Wahl des Filmteams auf Einsiedeln. Der Dokumentarfilm beleuchtet neue Möglichkeiten im Brückenbau und zeigt, wie bestehende Bauwerke mit innovativen Baustoffen erhalten werden können.

 

Die Schulhausbrücke begleitet den Film

Für Produzentin Jasmin Morgan ist Einsiedeln sogar mehr als nur eine Station. Die entstehende Schulhausbrücke zieht sich als roter Faden durch den Film. «Ich gehe regelmässig hin. Bis jetzt habe ich noch nie ein Projekt vom Spatenstich an begleitet », sagt sie. Gerade die Bauphase mit ihren technischen und logistischen Herausforderungen interessiere sie besonders. Morgan möchte jedoch keinen klassischen Ingenieurfilm drehen. Ihr Ziel sei es, komplexe Themen für ein breites Publikum verständlich zu machen. «Ich versuche, die Fachwelt zum normalen Volk zu bringen», erklärt sie. Die spannendsten Geschichten entstünden dabei nicht im Sitzungszimmer, sondern direkt auf der Baustelle.

 

Eine Idee, die mit einer alten Brücke begann

Der Ursprung des Filmprojekts liegt nicht in Einsiedeln, sondern in Morgans Wohnort. Dort sollte eine alte Brücke abgebrochen werden. «Es entstand aus privater Initiative, diese Brücke zu ret-ten », erzählt sie. Bei der Suche nach Alternativen stiess sie auf den Baustoff UHFB und auf Ingenieure, die bestehende Bauwerke erhalten statt ersetzen wollen. Aus dieser Geschichte entwickelte sich schliesslich der Dokumentarfilm.

 

Oldtimer als bewusst gewählter Kontrast

Für die Aufnahmen im Kobiboden versammelten sich Fahrzeuge aus rund hundert Jahren Automobilgeschichte. Vom Austin Seven über amerikanische V8-Klassiker bis hin zu historischen Feuerwehrfahrzeugen entstand eine ungewöhnliche Kulisse vor der modernen Schrägseilbrücke. Auch Brückenbauer Edgar Kälin brachte zwei seiner historischen Fahrzeuge mit. Die Fahrzeuge dienten dabei nicht nur als Dekoration. Die Kamera filmte aus dem Innenraum eines Morris Minor von 1928 auf die Brücke. So entstand bewusst ein Kontrast zwischen historischer Technik und einem Baustoff, der neue Möglichkeiten im Brückenbau eröffnet.

 

Gewitter verzögerte die Aufnahmen

Geplant war eine sogenannte Startrail-Aufnahme. Dabei wird der Nachthimmel über mehrere Stunden belichtet, sodass die Sterne als Lichtspuren sichtbar werden. Doch zunächst zog ein Gewitter auf. Die wertvollen Oldtimer mussten in der Anlieferungshalle des HLM-Neubaus untergestellt werden, bevor die Dreharbeiten später fortgesetzt werden konnten. Erst als der Himmel wieder aufklarte, gelang die geplante Aufnahme.

 

Ingenieure aus mehreren Ländern vor Ort

Neben den Dreharbeiten nutzten zahlreiche Fachleute den Anlass zum Austausch. Zu den Gästen gehörten unter anderem Bauherr Heinz Leuthold, der Freiburger Bauingenieur Prof. Eugen Brühwiler, Empa-Forscher Christoph Czaderski sowie Vertreter der Geoterra-Gruppe. Sogar ein UHFB-Forscher aus Indonesien reiste nach Einsiedeln. Während des Abends wurden auf der Brücke zudem Schwingungsmessungen durchgeführt, um die Bewegungen des Tragwerks zu analysieren.

 

Bauwerke erhalten statt ersetzen

Im Zentrum des Films steht letztlich die Frage, wie bestehende Bauwerke möglichst lange genutzt werden können. UHFB ermögliche bei bestimmten Anwendungen deutlich schlankere Konstruktionen als herkömmlicher Beton und könne helfen, den CO2-Ausstoss gegenüber einem Neubau deutlich zu reduzieren. «Es ist kein Ersatz für alles, aber für bestimmte Sachen», sagt Morgan. Gerade diese Möglichkeiten möchte sie mit ihrem Film einem breiten Publikum näherbringen.

 

Einsiedler Anzeiger / Stefan Bisig

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Kategorie

  • Film

Publiziert am

30.06.2026

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