Bühne
«Ich wollte mich noch einmal riskieren»
Gardi Hutter trat mit ihrem neuen Programm «Gardi Zero» im Theater Duo Fischbach auf. Dabei zeigte die Clownin auch neue Seiten.
Poetisch, verspielt und ausdrucksstark interpretierte Gardi Hutter zu Beginn ihres Stückes «Gardi Zero» den Erlkönig. Den Muff, den sie zu ihrem üppigen Kleid trug, machte sie kurzerhand zum Kind, das der Vater in Goethes Gedicht in den Händen hielt. Die flauschige Stola mimte bald den Pferdekopf. Nach wildem Ritt legte Gardi Hutter die Stola auf den Koffer, darauf den Muff. Auch wer das Gedicht nicht kannte, wusste: Das Kind ist tot. Kein Wort. Jede Geste, ihr Körper reine Präzision.
Die Musik zum Stück komponierte ihre Tochter
Das Publikum im voll besetzten Theater Duo Fischbach ging mit der Clownin am Donnerstagabend mit. Es staunte über Hutters Fähigkeit, nahezu jeden Laut zu imitieren. Es amüsierte sich, wie Gardi mit aller Ausführlichkeit in der Nase bohrte und mit ihren Haarläusen spielte. Das Schattenbild hatte es der Figur angetan. Doch dann ging das Licht aus. Nichts. Trauer. Aus dem von den Tränen nass gewordenen Boden formte sie sich ihren Traummann. Im Gegensatz zu den früheren Programmen mit der Figur Hanna hatte die Clownin nur gerade einen Koffer auf der Bühne. Sonst nichts. «Ich musste mich zuerst an die leere Bühne gewöhnen», drückte es eine Besucherin aus, die Gardi Hutter als Hanna mehrfach erlebt hat. Aus dem am Anfang üppigen, barocken Kleid jedoch verwandelte sie sich immer wieder neu bis hin zu Sperma und Embryo – aus dem Nichts wird etwas. Im Hintergrund begleitete Hutter eine Art sphärische Musik, die ihre Tochter Neda Cainero zusammen mit Pino Basile komponiert hat. «Gardi Zero» ist ein anspruchsvolles, siebzigminütiges Stück ohne Pause.
Seit über 40 Jahren auf Tournée
«Ich wollte mich noch einmal riskieren », begründete Gardi Hutter ihr neustes Programm «Gardi Zero» in einem Interview. Über 40 Jahre tourte die Schweizer Clownin durch die ganze Welt. In über 35 Ländern und in mehr als 4000 Vorstellungen spielte sie ihre Hanna in verschiedenen Programmen. Ja, die Grande Dame des Kleintheaters muss sich nicht mehr beweisen. Gerührt nahm sie den warmen Schlussapplaus entgegen. Da war zu spüren, was sie damals im gleichen Gespräch gesagt hat: «Ich mache es aus reiner Freude.»
Bote der Urschweiz / Monika Neidhart
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Bote der Urschweiz
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