Dies & Das
Wo die Katastrophe bis heute mitbaut
Die Europäischen Tage des Denkmals standen in diesem Jahr unter dem Thema Gefahr. Der Kanton Schwyz fokussierte sich dabei auf Kulturerbe in Arth und Goldau.
Gebäude sind diversen Gefahren ausgesetzt. Dies zeigte sich am Samstag auch auf den Führungen des Lokalhistorikers Erich Ketterer durch Arth und Goldau. Beide Dörfer mussten in der Vergangenheit neu aufgebaut werden und bleiben aufgrund der Geologie langfristig ein «Katastrophengebiet».
In Arth bestanden nach dem Dorfbrand von 1719 noch Grundmauern, während beim Bergsturz 1806 die Nagelfluhfelsen des Rossbergs das alte Goldau Dutzende Meter unter sich begruben. Beinahe explosionsartig entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein neuer Ort, nicht um eine Kirche, sondern um einen Bahnhof herum. Bis dahin vergingen mehrere Jahrzehnte in einer «Mondlandschaft» mit wenig Infrastruktur.
Die Eigentumsverhältnisse im zeitweiligen Niemandsland seien bisher noch nicht erforscht, sagte Ketterer, der sich eingehender damit beschäftigen möchte. Auch auf Parallelen zu Blatten ging er ein und meinte: «Ich finde es unglaublich optimistisch, dass dieses Dorf in wenigen Jahren wieder stehen soll.»
Neue Eigentümer sind ein Glücksfall für das alte Haus
Am westlichen Abhang des Rossbergs befindet sich auch das seit 1980 denkmalgeschützte Haus Baltisberg in einem Bereich, der durch Erdrutsche erheblich gefährdet ist und deshalb mit Mauern gesichert werden muss. In jüngster Zeit nagte jedoch vor allem eindringendes Wasser am leerstehenden und vernachlässigten Blockbau aus dem Jahr 1601. Wie andere Bauernhäuser dieses Typs besteht es aus Vor- und Hinterhaus auf kleiner Fläche. «Die Vorderfront überstand die Strapazen erstaunlich gut», kommentierte Kulturpflegerin Monika Twerenbold am Samstag den Zustand des Baudenkmals und wies auf die für die damalige Zeit gute Isolation hin.
Sie bezeichnete es als Glücksfall, dass Altbausanierer Beat Auf der Maur aus Steinen und sein ebenfalls auf Holz spezialisierter Sohn Simon das Haus erwerben konnten. Seit 2024 restaurieren sie es unter einem Notdach und bauen es zu einem Einfamilienhaus an schöner Lage um. Alte und neue Balken sollen sich darin ineinanderfügen.
Stolz präsentierten die beiden den interessierten Besuchern der Denkmaltage den bisherigen Stand der Arbeiten, die noch ein knappes Jahr andauern dürften. Unter anderem soll der Kachelofen in der Stube wieder eingesetzt werden, ebenso die bestehenden alten Ziegel auf dem Dach. Was danach mit dem vom Luzerner Architekten Jean-Jacques Auf der Maur geplanten Wohnhaus geschieht, ist derzeit offen. «Ich beneide jeden, der darin wohnt», sagte Simon Auf der Maur lächelnd auf eine entsprechende Frage.
Bote der Urschweiz / Patrick Kenel
Autor
Bote der Urschweiz
Kontakt
Kategorie
- Dies & Das
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/k8dAuu