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Neuanfang im ältesten Gestüt Europas

Der Marstall ist seit Ende letzten Jahres wieder im Besitz des Klosters Einsiedeln. Mit Horst Becker als neuem Geschäftsführer hat Abt Urban Federer nicht einfach einen Verwalter gefunden, sondern einen echten Pferdemenschen und teilt mit neuen Geschäftsführer Horst Becker ein und die selbe Vision.

Der Marstall des Klosters Einsiedeln hat unruhige Zeiten hinter sich. In den vergangenen Monaten wurde jedoch Schritt für Schritt sichtbar, dass sich etwas verändert. Neue Abläufe wurden eingeführt, Stallungen umgebaut, Weiden saniert und die Reitschule neu ausgerichtet. Doch wer steckt hinter diesem Wandel? Wie ist der Betrieb heute organisiert, welche Rolle spielt die traditionsreiche Einsiedlerzucht – und welche Vision verfolgt das Kloster? Der Einsiedler Anzeiger hat sich mit Horst Becker getroffen, dem neuen Geschäftsführer des Marstalls. Der international erfahrene Pferdeausbilder, Coach und Buchautor hat für seine neue Aufgabe den grössten Teil seiner bisherigen Karriere aufgegeben und lebt heute im Kloster.

Becker fährt eine klare Linie, packt selbst mit an und verlangt Verbindlichkeit. «Ohne Struktur und Rhythmen geht es nicht», sagt er. Als er seine Arbeit aufnahm, ging er zunächst selbst misten und putzen, erstellte eine Liste mit rund 150 Punkten und begann, den Betrieb von Grund auf neu zu ordnen. Im Zentrum steht die Zucht. Der Bestand der Einsiedler Pferde soll gesichert, die Stutenherde vergrössert und der traditionsreiche Schlag als verlässliches Freizeitpferd in die Zukunft geführt werden. Gleichzeitig soll der Marstall wieder zu einem offenen Ort werden – für Einheimische, Familien, Reitschüler und Touristen.

 

Etappenschlaf

Wenn im Marstall eine Stute kurz vor der Geburt steht, schläft Horst Becker in Etappen. Zwei Stunden, dann klingelt der Timer. Er öffnet ein Auge und schaut auf den Bildschirm. Bleibt die Stute ruhig, stellt er den Timer erneut auf zwei Stunden. Bewegt sie sich auffällig, wird aus zwei Stunden eine. Zeigen sich die ersten deutlichen Anzeichen, bleibt vielleicht noch eine halbe Stunde Schlaf.

Die Bilder kommen aus der Abfohlbox direkt in Beckers Wohnung im Kloster Einsiedeln: aufs Handy, aufs iPad und auf den Fernseher. Sein Wohnzimmer liegt über einem Durchgang, nur wenige Schritte vom Stall entfernt. «Ich sehe auf die Pferde», sagt er. «Das geht nicht, wenn ich irgendwo wohne. Ich muss sofort Zugriff haben. Ich brauche drei Minuten, dann bin ich im Stall.» Vier Fohlen sind in diesem Jahr im Marstall zur Welt gekommen. Für Becker ist klar: «Wenn du das richtig machen willst, dann ist das kein Job, bei dem du um acht anfängst und um fünf aufhörst. Mein Tag fängt zwischen vier und fünf Uhr an und hört meistens zwischen 21 und 22 Uhr auf.» Das ist der erste Eindruck von Horst Becker: Hier hat kein Verwalter einen neuen Posten angetreten. Hier ist ein Pferdemensch angekommen, der sein Leben so eingerichtet hat, dass zwischen ihm und den Tieren keine Distanz bleibt.

 

Tempi Passati

Der Marstall hat unruhige Jahre hinter sich. Nach der Trennung von der langjährigen Geschäftsführerin Ursi Kälin im Frühjahr 2023 folgte eine schwierige Übergangszeit. Pensionskunden zogen ihre Pferde ab, Personal wechselte, das Vertrauen litt. Im Herbst 2024 mündete die Unruhe in harte Schlagzeilen in den nationalen Medien. Ehemalige Pferdebesitzer und Mitarbeitende erhoben schwere Vorwürfe gegen den Marstall. Das Kloster wies den Vorwurf einer grundsätzlichen Tierwohlgefährdung zurück.

Horst Becker betont über Ursi Kälin: «Sie hat diesen Betrieb damals sehr, sehr schön geführt. Das muss man ganz klar sagen. Der Laden war voll, da passierte etwas.» Der Fokus habe jedoch zu wenig auf der eigentlichen Aufgabe des Ortes gelegen, auf der Einsiedler Zucht. «Das war meiner Ansicht nach ein Fehler, an dem wir heute noch knabbern.» Mit einer Ende Oktober 2025 im Handelsregister eingetragenen Änderung wurde das Kloster wieder alleinige Gesellschafterin der Marstall Kloster Einsiedeln GmbH; Becker ist als Geschäftsführer eingetragen. Der Betrieb und das Kloster, die lange nebeneinanderstanden, sollen wieder als Einheit verstanden werden. Genau darin liegt für Becker der Kern des Neuanfangs: «Nicht Marstall und Kloster, sondern eins.» Tempi passati also. Nicht, weil die Krisenjahre ungeschehen gemacht werden könnten, sondern weil die Antwort darauf heute sichtbar sein soll: in gepflegten Weiden, klaren Abläufen, ausgebildeten Pferden, neuen Fohlen, offenen Türen und einer Zuchtstrategie, die weiter reicht als bis zur nächsten Saison.

 

Wie ein Berater sich in einen Ort verliebte

Dass Horst Becker nach Einsiedeln kam, war zunächst gar nicht als Lebensentscheidung gedacht. Esther Weiss, die damalige Geschäftsführerin der Stiftung zur Förderung der Einsiedler Marstallzucht, holte ihn in ein Beratungsgremium. Becker sollte dort das einbringen, was er über Jahrzehnte in Pferdebetrieben gelernt hat-te: den Blick des Praktikers. «Das war für mich ungefähr der neunzehnte oder zwanzigste Betrieb, den ich in meinem Leben gecoacht habe», sagt er. Noch im Winter fuhr er zweimal inkognito nach Einsiedeln, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen. Es lag Schnee. Becker versuchte, in den Stall zu kommen, stand vor verschlossenen Bereichen und wunderte sich über manches, was er sah oder eben nicht sah. Danach folgte ein Arbeitsessen mit Abt Urban Federer. Beide stellten fest, dass sie nicht nur den selben Jahrgang haben, sondern auch die selbe Vorstellung von einem funktionierenden Marstall. Der Pferdebetrieb sollte kein abgetrennter Fremdkörper auf dem Klostergelände sein. Er sollte zu jenem Ort werden, den Besucher bei einem Kloster erwarten, zu einer zusätzlichen Begegnungsstätte, offen, lebendig und einladend.

 

Becker nimmt die Arbeit auf

Zunächst begann Horst Becker, den Betrieb zu beraten. Als die damalige Leitung ausfiel, sprang er interimistisch ein. «Ich wollte das eigentlich gar nicht», sagt er. Sein Kalender war ein Jahr im Voraus gefüllt, mit Kursen in ganz Euro-pa. Seit 25 Jahren plante er jeweils im Spätsommer, an welchem Wochenende er im folgenden Jahr in welchem Land unterrichten würde. Dann geschah etwas, womit er nicht gerechnet hatte. «Mir hat das Spass gemacht. Mir macht die Zusammenarbeit mit den Mönchen enorm viel Freude. Ich bin kein sehr gläubiger Mensch. Wenn man mir früher gesagt hätte, ich arbeite einmal ganz eng mit einem Kloster zusammen, hätte ich geschmunzelt. Aber ich finde, das ist eine absolute Bereicherung. Alles, was mit ihnen zu tun hat, hat eine gute Energie. Ich habe mich so nach und nach immer mehr in dieses Projekt verliebt. Und dann bin ich hängengeblieben.» Im Herbst 2025 übernahm Becker die Geschäftsführung. Rund 90 Prozent seiner auswärtigen Veranstaltungen sagte er ab.

 

Die Liste mit 150 Punkten

Als Becker im Marstall begann, setzte er sich nicht zuerst ins Büro. Er ging misten. Eine Woche lang arbeitete er mit den Mitarbeitenden in den einfachsten Funktionen, insgesamt putzte und räumte er rund drei Wochen. Ein grosser Container füllte sich mit Abfall. «Am meisten lernst du vom kleinsten Licht, wenn du mit ihm unterwegs bist. Dann siehst du alle Ecken, alle Probleme und wo man ansetzen muss.» Aus diesen ersten Wochen entstand eine Liste mit rund 150 Punkten. Becker besprach sie mit der Klosterleitung, legte eine Reihenfolge fest und arbeitete Thema um Thema ab. Manches war sichtbar: Weiden wurden erneuert, Stallteile umgebaut, Flächen gereinigt. Anderes geschah im Hintergrund: Fütterung, Arbeitswege, Zuständigkeiten und Tagesrhythmen wurden neu geordnet. Mit David Birchler fand Becker einen Partner für die Landwirtschaft, der das Land und seine Besonderheiten kennt. Der Marstall erntet heute wieder eigenes Heu in guter Qualität. Ganz im Gegenteil zu damals, als er den Marstall kennenlernte: «Die Pferde erhielten Kuhfutter, aber ein Pferd hat keine sieben Mägen.»

 

Lückenlose Strukturen, gute Organisation

Beckers wichtigstes Werkzeug hängt gut sichtbar an der Wand: eine grosse Planungstafel. Für jedes Pferd ist eingetragen, wann es trainiert wird, wann es frei hat, wann Reitschüler kommen und wann Schmied oder Tierarzt eingeplant sind. Horst Becker weiss, dass ein Betrieb in einer Krise nicht allein durch gute Absichten gedreht wird. «Ich bin in den ersten Monaten mit der Peitsche durchgegangen », sagt er bildlich. «Anders geht es nicht. Wenn du so einen Betrieb umdrehen willst, musst du das einmal radikal machen.» Gleichzeitig betont er, dass Klarheit für ihn nicht bedeutet, Menschen nur Befehle zu geben. «Einfach Tacheles reden. Dann erklären, bis die Beteiligten die Notwendigkeit und den Nutzen einer Veränderung erkennen.»

 

Die Schulpferde wurden von Grund auf neu dressiert

Die Reitschule fasste Becker bewusst zuletzt an. Sobald er dort beginne, brauche er täglich sechs oder sieben Stunden allein für Ausbildung und Unterricht, sagt er. Die Schulpferde waren unruhig, «das war Mist», bilanziert er schonungslos. Eine naheliegende Lösung wäre gewesen, den Unterricht für ein halbes Jahr einzustellen und die Schulpferde in Ruhe neu auszubilden. Becker lehnte ab. Die Hälfte der Reitschüler hätte man womöglich verloren, die Stiftsschule hätte ihr Wahlfach Reiten nicht weiterführen können. Also machte er aus dem Umbau ein gemeinsames Projekt.

Er versammelte die Reitschüler und sagte: «Wir bilden die Schulpferde neu aus. Von Grund auf. Durchgymnastizieren, erziehen, lockermachen, Krafttraining, Beweglichkeit – alles. Macht ihr mit?» Als die Kinder wissen wollten, welche Rolle sie dabei spielten, antwortete er: «Ihr seid meine Berater.» Fast ein ganzes Jahr lang durften die Schüler kaum reiten. Sie begannen mit Bodenarbeit, kleinen Übungen und einem systematischen Aufbau. Vor der Reitstunde kamen sie früher in den Stall, wärmten die Pferde an der Longe und vom Boden aus auf, bis diese ruhig und gelöst waren. Erst dann stiegen sie in den Sattel. Becker hatte damit gerechnet, einen Teil der Schüler zu verlieren. Sie blieben. «Die Kinder haben das voll gut durchgezogen. Das war richtig cool.» Heute gehört das Aufwärmen vom Boden aus zum Ablauf. Die Pferde gehen gelassener in die Stunde, die Schüler verstehen besser, was Vorbereitung, Gymnastizierung und Verantwortung bedeuten. Für Becker ist das mehr als eine methodische Änderung. Es ist ein Beispiel dafür, wie er den ganzen Marstall führen will: nicht zuerst etwas schliessen, sondern die Beteiligten in die Veränderung hineinnehmen.

 

«Seine Qualität ist die Passion zum Menschen» 

Das oberste Ziel im Marstall ist der Erhaltung der Einsiedler Pferde, der Cavalli della Madonna. Der Marstall gilt als ältestes aktives Gestüt Europas. Seit 1064 ist die Pferdezucht im Kloster belegt; die traditionellen Stutenlinien Klima, Quarta und Sella lassen sich in die historischen Zuchtbücher zurückverfolgen. Doch eine grosse Geschichte schützt nicht vor dem Verschwinden. Der heutige Bestand ist klein. Fachlich sei das Einsiedler Pferd ausgestorben, denn es benötige mindestens 100 Tiere, um eine Rasse zu erhalten, heute sind es 19. Becker will deshalb zunächst die alte Grundlage verbreitern. Die Stutenherde soll wachsen, die verbliebenen Linien sollen gesichert und vorhandenes traditionelles Erbgut gezielt genutzt werden. Danach soll die nächste Generation behutsam so weiterentwickelt werden, dass der Einsiedler auch in zehn oder fünfzehn Jahren gefragt ist. Die nächste Generation erhält einen sogenannten Stempel mit tiefgefrorenem Sperma eines Einsiedler Hengstes, der bereits 1987 gestorben ist. Danach folgt in der übernächsten Generation die Veredelung mit einem aktuellen Hengst, der sehr gut zum Charakter der Einsiedler Pferde passt. «Das Einsiedler Pferd ist seit tausend Jahren für den Menschen gezüchtet, und das merkt man auch. Die sind unglaublich menschenfreundlich, die wollen es immer recht machen, die sind aber in sich ruhig und breit aufgestellt.» Kein nervöses Hochleistungspferd also, sondern ein Partner, der bei seinem Menschen bleiben will. «Seine Qualität ist die Passion in der Partnerschaft zu Menschen», fasst Becker treffend zusammen.

 

Die Epoche der Freizeitpferde ist angebrochen

Darin sieht Becker auch die wirtschaftliche Chance. Jahrzehntelang war die Pferdezucht stark auf Sportleistung ausgerichtet. Hochspezialisierte Pferde können unter Profis faszinieren, sind für viele Freizeitreiter aber zu anspruchsvoll. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach einem verlässlichen Partner, der am Wochenende entspannt ins Gelände geht, nicht bei jedem Traktor, Auto oder Mountainbike erschrickt und vielseitig einsetzbar ist. Genau dort, sagt Becker, könne der Einsiedler seine alte Stärke neu ausspielen: als ruhiges, gesundes, charakterfestes Reit-, Fahr- und Freizeitpferd. «Wir legen jetzt sozusagen die Epoche zum Freizeitpferd an. Das bedeutet nicht, die Tradition zu verlassen. Es bedeutet, sie fortzusetzen », denn die Einsiedler Pferde wurden in den vergangenen 1000 Jahren immer an die aktuell vorherrschenden Bedürfnisse der Menschen angepasst. So soll es auch jetzt sein. Der Weg ist lang. Becker rechnet mit zehn bis fünfzehn Jahren, bis aus dem kleinen Bestand wieder eine breite, tragfähige Zucht entstanden ist. Die Dringlichkeit formuliert er ohne Beschönigung: «Wenn wir die nächsten fünf Jahre Blödsinn machen, sind die Pferde weg. Es gibt keine zweite Chance mehr.»

 

Das Kloster soll wieder bei seinen Pferden stehen

Der Wechsel im Marstall wird nach und nach für Besucher sichtbar. Der Marstall öffnet sich nach aussen. Die Stallungen und die Reithalle sind tagsüber zugänglich, Besucher dürfen die Pferde erleben, bei der Ausbildung zusehen und an Führungen teilnehmen. Im historischen Stalltrakt plant Becker ein kleines Museum. In einem rund 15-minütigen Film sollen tausend Jahre Zuchtgeschichte verständlich werden; ein längerer Dokumentarfilm und ein Buch sollen die Geschichte vertiefen. «Die Leute müssen das wahrnehmen », sagt Becker. «Man muss hier nichts erfinden. Man muss nur ins Archiv gehen und die Sachen rausholen. Dort liegt alles, was es braucht, damit Besucher verstehen, was für ein Diamant dieser Ort ist.»

 

«Wir Einsiedler haben Freude»

Becker hat zu Beginn seines Engagements im Marstall bewusst wenig Werbung gemacht. «Wir müssen erst unsere Hausaufgaben machen», sagte er. Erst als die Richtung sichtbar wurde, schrieb er in seinem Facebook-Profil, dass er in Einsiedeln arbeite. Die Reaktionen kamen aus ganz Europa. Menschen aus Schweden, Dänemark, Island, Luxemburg, Portugal und Tschechien meldeten sich. Eine Gruppe aus dem tschechischen Nationalgestüt besuchte den Marstall. Die Botschaft war oft dieselbe: Wenn Becker dort sei, habe dieses Gestüt wieder eine Chance. Auch die Nachfrage nach Pensionsplätzen kehrte zurück. Vor dem Ausbau waren wieder alle Plätze besetzt.

Besonders berühren Becker die Reaktionen im Ort. Im Winter trägt er einen langen Reitmantel. Irgendwann erkannten ihn die Leute, wenn er morgens beim Bäcker stand. Eine Begegnung ist ihm geblieben: «Sie sind doch der, der den Marstall leitet? Sie machen das schön. Ich kann Ihnen sagen: Wir Einsiedler haben Freude.» «Das ist eine sehr hohe Wertschätzung », sagt Becker. «Und das gibt Antrieb. Das gibt Motivation, es schön zu machen und weiterzukommen.»

 

 Die Endstation

Horst Becker lebt heute dort, wo er arbeitet. In seiner Wohnung im Gästebereich des Klosters sitzt er am Abend und blickt auf die Pferde. Der Weg zum Stall dauert drei Minuten. Der Weg zum Sihlsee ist kurz genug, dass er sich an einem Sommertag nach dem Mittagessen eine Stunde zum Schwimmen und für einen Kaffee nehmen kann. Er habe immer gesagt: Wenn ihm eine Fee zwei Wünsche erfülle, wolle er im Winter am Berg und im Sommer am Wasser leben. Einsiedeln bietet ihm beides. «Ich fühle mich hier sauwohl.» Auf die Frage, ob er hier seine Endstation gefunden habe, antwortet er ohne Zögern: «Ja, definitiv. Das ist definitiv die Endstation.» Mit seinen 58 Jahren heisst dies aber nicht, dass er mit 65 in die verdiente Pension gehen möchte. Nein. Er wird weiter machen, so lange er kann. Seine Vision ist es, noch mit 85 Jahren durch den Marstall zu laufen, um zu sehen, ob sich alles so entwickelt hat, wie er es aufgebaut hat.

 

Für die Zukunft des Marstalls sucht Becker bereits jene Menschen, die später Verantwortung übernehmen sollen: einen Pferdewirtschaftsmeister, einen Bereiter, junge Fachkräfte, die er über fünf bis zehn Jahre in der Philosophie des Hauses ausbilden kann. Wenn der Betrieb wächst, sollen sie Abteilungen und ihrerseits Mitarbeiter führen. «Das ist nicht mein Stall», sagt Becker. «Aber ich bewirtschafte diesen, als wäre er mein Eigentum. » Darum ist Horst Becker für den Marstall ein Glücksfall: Er vereint die Erfahrung eines europaweit gefragten Trainers, die Bodenhaftung eines Bauernsohns, die Strenge eines Betriebscoachs und die Geduld eines Ausbilders. Er kann über Strategien, Stammbäume und Wirtschaftlichkeit sprechen – und steht nachts trotzdem selbst auf, wenn auf dem Bildschirm eine Stute unruhig wird. Für ihn ist Einsiedeln die Endstation. Für den Marstall ist es ein Neuanfang.

 

Einsiedler Anzeiger / Lukas Schumacher

 

Autor

Einsiedler Anzeiger

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Publiziert am

21.07.2026

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