Literatur

Open-Air-Lesung mit heimischen Geschichten

Am Samstag fand die erste Ausgabe des Lesegartens statt. Mit dabei waren Graziella Contratto und Blanca Imboden, zwei Autorinnen, die sich seit ihrer Jugend kennen.

«Es fühlt sich an, als wäre ich gar», meinte Schriftstellerin Blanca Imboden, die wie rund 30 Zuhörende den ganzen Nachmittag bei drückender Hitze im Steisteg verbrachte. Für den Lesegarten wurden auf dem Asphaltplatz hinter der Tau Buchhandlung einige Sonnenzelte und Schirme aufgespannt. Der freischaffende Schauspieler Stephan Gramlich hatte den Anlass mit Buchhändlerin Jasmin Isik zusammengestellt und las eingangs drei Kurzgeschichten aus dem Werk von Meinrad Inglin («Die verkehrte Welt», «Rappenspalter» und «Das Begräbnis eines Schirmflickers»). In diesen Erzählungen zeigte sich viel Gesellschaftskritik, teils hatten sie auch märchenhafte Züge.

Anschliessend stellte Graziella Contratto in ihrer Heimat ihren autofiktionalen Roman «Meitsch» vor. Darin taucht sie als Ich-Erzählerin in ihre Jugendjahre ein. Nach dem kurzen Prélude, das die Schilderungen eröffnet, folgten längere Auszüge aus Buchkapiteln. Unter anderem erzählte die Musikerin über die Lager, in die sie mit dem Jugendorchester reiste, dem damals auch Blanca Imboden angehörte. Sie könne gut formulieren, bescheinigte die Schwyzer Bestsellerautorin ihrer Kollegin. Auch der ehemalige Musikschullehrer Melk Ulrich besuchte die Lesung. Wie Contratto anmerkte, habe Ulrich nach Erscheinen des Buches eine Stelle zur Taktsprache im Theorieunterricht korrigiert. Nun werde die Änderung in den kommenden Auflagen berücksichtigt, versprach sie.

 

Letzter Roman von Blanca Imboden?

Zum Abschluss gab Blanca Imboden Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Sie schreibt regelmässig Kolumnen, und im September erscheint «Blumen schenke ich mir selbst», ihr 24. Buch, dessen Handlung in Engelberg angesiedelt ist. Im Rahmen der Recherche durfte sie dort sowohl im Kloster als auch in der Luxussuite des Hotel Kempinski wohnen. Wie die Hauptfigur dieses Romans beschäftigt sich die 63-Jährige oft mit dem Alleinsein. Während viele Tiere per Gesetz nur zu zweit gehalten werden dürften, seien Menschen da weniger privilegiert, findet Imboden. «Ich fordere aber keine Beistellmenschen für alle», fügte sie hinzu. Viele Männer hätten sie aus Angst, in einem Buch vorzukommen, nicht gedatet. Doch wie die Autorin erwähnte, könnte das bereits geplante 25. Buch über Thailand ihr letztes werden. «Mir fällt es zunehmend schwerer, etwas zu schreiben», bekannte sie. Ausserdem habe sie festgestellt, dass die schnell lernenden KI-Plattformen schon viel über ihren Schreibstil wüssten und verblüfft reagierten, wenn sie sich als Blanca Imboden zu erkennen gebe.

 

Bote der Urschweiz / Patrick Kenel

Autor

Bote der Urschweiz

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Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

22.06.2026

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