Musik
Die Klangvielfalt der Klarinette
Am Sonntagvormittag gastierte das Klarinettenensemble «Holzbiig» im Alten Schulhaus und präsentierte Bearbeitungen von drei berühmten Komponisten. Während einer guten Stunde konnten sich die Besucher an der Klangvielfalt und Wendigkeit des Klarinettenspiels erfreuen.
Das Klarinetten-Ensemble Holzbiig lud am letzten Sonntag zur Matinee im Gemeindesaal des Alten Schulhauses ein. Eine stattliche Besucherzahl – längst sind es nicht mehr nur Angehörige – wollte es sich nicht entgehen lassen, was die Holzbiig unter dem Motto: «Äs orgelet, brodlet, schmachtet und fägt!» zu bieten hatte.
Mit diesen vier Attributen hatten die elf spielfreudigen Klarinettistinnen und Klarinettisten unter der Leitung von Sabine Gertschen Grosses vor. So sollten die Klarinetten in der «Toccata und Fuge» die Orgelpfeifen ersetzen. Es sollte brodeln und fegen – das tat es schon im wohl bekanntesten Orgelwerk von Bach. Aber auch in Mozarts Ouvertüre zur «Hochzeit des Figaro» und in vielen Motiven von Dvoráks ausdruckstarker Musik, die sodann auch das «Schmachten» in der Klangwelt des dafür bestens geeigneten Holzinstruments ermöglichte. Und bezüglich «Schmachten» muss unbedingt Mozarts «Maurerische Trauermusik» erwähnt werden.
Eine Liebhaberformation
Längst ist das Klarinettenensemble Holzbiig dem Stadium des fortgeführten Musikunterrichts entwachsen und inzwischen eine bestandene Liebhaberformation, mit der die Leiterin spannende Musikprojekte anpacken und verwirklichen kann – ein Traum jeder Musiklehrperson. Und bei Sabine Gertschen, Gründerin und Ensembleleiterin, spürt man ihr Engagement, ihre Begeisterung, mit der sie ihr Ensemble packt und motiviert. Für die fünf Werke aus Barock, Klassik und Romantik wählte das Ensemble gute, angepasste Bearbeitungen, darunter auch dreimal solche der musikalischen Leiterin. Alle sorgten für eine durchsichtige Spielweise. Gute, fundierte Ansagen durch die Mitspieler erlaubten das Eintauchen in die Welt von Bach, Mozart und Dvorák.
Der Reihe nach
Die «Toccata und Fuge d-moll» von Johann Sebastian Bach ist unzählige Male für nahezu alle Instrumentalbesetzungen bearbeitet worden. Damit eröffnete die Holzbiig ihr Konzert und setze den Zuhörenden gleich einen ersten Ohrwurm ins Gedächtnis. Die spannungsvollen Gegensätze des Werks – helle Klänge in den obe-ren Stimmen, wuchtige und kraftvolle Basstöne, das Pedal ersetzend – sorgten für ein richtiges Orgelfeeling. Kompliment! Mozart ist für Klarinetten immer geeignet, hat er doch selbst für dieses Instrument Werke geschrieben. Das Ensemble wählte allerdings zwei Bearbeitungen. Die «Maurerische Trauermusik» brachte das Publikum sogleich ins Schwelgen mit schöner Gestaltung und ausdrucksvollem, warmem Spiel. Laut Vorschau sollte es der Ouvertüre zur «Hochzeit des Figaro» «so richtig brodeln». Und wie! Rassig und schwungvoll das Thema, schnelle Läufe, fröhliche Musik herzhaft interpretiert.
Slawische Tänze und «no eis»
Anders der Musikcharakter der beiden Werke des tschechischen Komponisten Antonín Dvorák, der neben Klassik und Sinfonischer Dichtung auch böhmische Volksmusikmotive einsetzte. Die Holzbiig spielte seine «Serenade op. 22» als Hauptwerk des Programms. Das angekündigte «Äs brodlet, schmachtet und fägt» fand statt! Schnelle Teile wechseln ab mit langsamen, melodiösen Abschnitten – Feger kontra Schmachten. Rassig dargeboten, herrlich ausmusiziert. Der «Slawische Tanz» op. 72 beendete schliesslich das Programm. In dieser Tanzmusik kommt sehr schön das slawische Element zum Ausdruck: langsam, schnell als Gegensatz, unbegrenzte Fröhlichkeit, dann wieder typisch klagende Klänge, dazu sind die Klarinetten höchst geeignet. Das Publikum war begeistert, wollte natürlich eine Zugabe.
Und diese war speziell! Sabine Gertschen erklärte: Vor einem Jahr spielte das Ensemble eine Hommage auf Francesco Rasellis Werk. Seither schwirrten seine Melodien immer wieder durch die Holzbiig-Köpfe. Die Mitspielerin Anina Schönbächler erwies Raselli die Reverenz und machte aus seiner tiefgründigen, schwermütigen Musik ein ausdrucksvolles Arrangement, Titel «nu eis», und sorgte mit die-ser Aufführung für einen denkwürdigen Abschluss. Durch den ganzen Auftritt spürte man die Spielfreude die-ser Musizierenden. Das herzhafte und konzentrierte Aufspielen, gepaart mit gutem technischem Können, ergab einen Musikgenuss rundum! Entsprechend begeistert bedachte das Publikum die Darbietungen mit Applaus.
Einsiedler Anzeiger / René Steiner
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Einsiedler Anzeiger
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