Dies & Das
Restaurant entpuppt sich als Sensation
Der «Adler» in Steinen geht auf das Jahr 1322 zurück. In ein paar Jahren wird er wieder zum Hotel. Die Restauration bringt Ungeahntes hervor.
«Das Gebäude ist eine echte Sensation, ein eigentliches Bilderbuch für die Bauforschung. » So begeistert zeigt sich Ulrike Gollnick, die derzeit im Auftrag der kantonalen Denkmalpflege die Renovation des ehemaligen Restaurants Adler in Steinen bauarchäologisch begleitet. Bauherr und Besitzer des im Kern 1322 erstellten Gebäudes ist der Steiner Beat Auf der Maur. Er will, zusammen mit dem Architekten Jean-Jacques Auf der Maur, das mittelalterliche Haus direkt an der Strasse nach Schwyz in den nächsten Jahren wieder zu neuem Glanz bringen. «Ziel ist», so Beat Auf der Maur, «in den nächsten Jahren wieder ein Restaurant mit Hotelbetrieb zu eröffnen, gemäss dem früheren Zweck des Gebäudes. Ein idealer Ausgangspunkt für Geschichtsinteressierte, um die Perlen der frühen Geschichte des Standes Schwyz zu entdecken und sich mit den Anfängen der Eidgenossenschaft zu beschäftigen.» Ihn erstaunte nicht nur die Grösse des Gebäudes – die bewohnbare Fläche habe rund 500 Quadratmeter betragen –, sondern neben der soliden Bauweise auch die grossen und hohen Räumlichkeiten. Die zu erwartenden Kosten sind noch schwer abschätzbar, da die Bauforschung laufend neue, schützenswerte Juwelen hervorbringt, die die Planung beeinflussen. Die Restaurierung soll in den nächsten drei bis vier Jahren erfolgen. Für die Finanzierung wird man auf Spendengelder angewiesen sein. Ein Konzept wird erarbeitet.
Sensation: Erste Herdstelle gefunden
Gollnick geht davon aus, dass der «Adler » schon immer ein spezielles Gebäude war und nicht nur Hotelgäste empfing. Sie vermutet, dass das Haus eine Art Sust oder Handelshaus war, wo zu Zeiten, als die Steiner Aa noch nicht überbrückt, sondern nur per Furt überquert werden konnte, Waren eingelagert werden konnten. Das Gebäude sei jedenfalls ein eigentliches «Phänomen und eine wahre Freude». Sie begründet dies durch eine Reihe von grandiosen Befunden, die im Adler gemacht werden konnten. Dazu gehört eine weit über 22 Quadratmeter grosse Stube, was zu jener Zeit sehr gross gewesen sei. Zwischen den qualitativ hochstehenden Holzbalken konnten kleine Heiligenbilder und Jasskarten gefunden werden. Die Balken sind mit vielen und verschiedensten Symbolen aus der Volksfrömmigkeit versehen. Eine eigentliche Sensation ist aber, dass im Adler erstmals eine Herdstelle offengelegt werden konnte. Sie habe schon rund 500 solche mittelalterlichen Häuser untersucht, einen solchen Fund aber noch nie entdeckt – auch nicht bei den insgesamt rund 70 Häusern aus den Anfängen der Eidgenossenschaft in der Region Innerschwyz. Diese sind von besonderer Bedeutung, da sie in der schriftquellenlosen Zeit der materielle Beweis dafür sind, dass um 1300 tatsächlich ein immenser Bauboom herrschte.
Was sagen uns die Entdeckungen?
Bei der Herdstelle handelt es sich um eine Feuerstelle im Boden, die neben einer Steinsetzung auch eine Aschenschicht aufweise. Die Feuerstelle wurde vermutlich mit dem Beginn des Hausbaus bereits 1322 und nicht erst später eingerichtet. In der späteren Verfüllung fanden sich Knochen- und Keramikreste. Ebenso sensationell ist, dass im verwinkelten «Adler» – ein Teil wurde im 19. Jahrhundert ergänzt – auch ein Sockelraum im Bereich des ansonsten nie unterkellerten Hinterhausbereichs gefunden wurde. Konkret: Im Hinterhaus findet sich ein 3,5 Meter hoher Keller, in dem wohl Sustgüter und Warenladungen untergebracht werden konnten. Schliesslich könne auch die Lage und der Verlauf der Blocktreppe zwischen den beiden Wohngeschossen erstmals in einem solchen Blockbau nachgewiesen werden. Die historische Bedeutung des Adlers, dessen Kern nachweislich auf das frühe 14. Jahrhundert zurückreicht, ist noch nicht abschliessend untersucht. Für Gollnick ist aber klar: «Diese grossen Räume zeigen, dass es sich hier wohl nicht nur um ein Wohnhaus, sondern um ein halböffentliches Haus handelt.»
Bote der Urschweiz / Jürg Auf der Maur
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Bote der Urschweiz
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