Dies & Das
Römische Pracht im Klosterdorf
Die Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln beweist einmal mehr ihre Lebendigkeit. Zum 400-Jahr-Jubiläum der Weihe des Petersdoms in Rom präsentiert die Bibliothek eine hochkarätige Ausstellung, die den grösste Kirchenbau der Christenheit greifbar macht.
Es herrscht reger Betrieb in der Bibliothek Werner Oechslin. Wer glaubt, dass historische Architekturgeschichte nur etwas für Fachleute und trockene Akademiker ist, wird in der neuesten Ausstellung eines Besseren belehrt. Pünktlich zum 400-jährigen Jubiläum der Weihe der Peterskirche, die am 18. November 1626 stattfand, widmet sich die neuste Ausstellung den faszinierenden Hintergründen dieses monumentalen Bauwerks.
Faszinierende Stiche
Im Zentrum der Ausstellung stehen äusserst seltene Originaldokumente, Bücher und Stiche aus der Sammlung von Werner Oechslin, die man in dieser Fülle und Zusammenstellung wohl noch nie zu Gesicht bekommen hat. Diese historischen Schätze dokumentieren die dramatische und wechselvolle Zeit der Planung, des Baus und der Fertigstellung von St. Peter.
Auch wenn man noch nie in Rom war, so wie der Schreibende, ziehen die Exponate den Besucher in ihren Bann. Zu sehen sind etwa grossformatige, offizielle Meisterstiche, wie jener von Matteo Greuter aus dem Jahr 1613, der die damals brandneue Fassade von Carlo Maderno in all ihren Details zeigt. Ebenso beeindruckend sind die komplexen Architekturanalysen von Martino Ferrabosco, der das Innere der Kuppel und die Pfeiler so präzise und verwirrend detailreich zeichnete, dass der Betrachter lange am Bild hängen bleibt.
Die Ausstellung veranschaulicht eindrücklich den jahrhundertelangen Wettbewerb um den grössten Kuppelbau der Welt – ein ehrgeiziges Projekt voller Krisen, das die Architekten immer wieder an die Grenzen des Machbaren trieb.
Warum Einsiedeln der perfekte Ort für diese Schau ist
Die Bibliothek Werner Oechslin ist nicht zufällig Schauplatz dieser Ausstellung. Zum einen verfügt Werner Oechslin in seiner riesigen Sammlung über viel Original-Material der damaligen Zeit. Zum anderen gibt es eine Verbindung zwischen dem römischen Petersdom und dem barocken Kloster Einsiedeln. Die lange Geschichte der Formfindung für St. Peter beeinflusste den Neubau der Einsiedler Klosteranlage massgeblich, insbesondere deren repräsentative Westfassade. Noch offensichtlicher wird dieser Bezug auf dem Klosterplatz. Die «umarmende Geste» der Einsiedler Arkaden ist eine direkte architektonische Antwort auf Gian Lorenzo Berninis weltbekannten Petersplatz in Rom.
Kostenlose Führung Ende Mai
Ein Besuch der Ausstellung ist gleichzeitig eine hervorragende Gelegenheit, die Räumlichkeiten der renommierten Bibliothek Werner Oechslin selbst zu besichtigen. Die Stiftung ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern leistet durch ihre Arbeit auch einen bedeutenden kulturellen Beitrag. Wer sich von der architektonischen Magie Roms anstecken lassen möchte, kann die Ausstellung noch bis zum 30. April 2027 besuchen. Sie ist jeweils mittwochs von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Franken, und am Sonntag, dem 31. Mai 2026, wird zudem eine kostenlose öffentliche Führung angeboten.
Einsiedler Anzeiger / Lukas Schumacher
Autor
Einsiedler Anzeiger
Kontakt
Kategorie
- Dies & Das
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/GubN1U