Dies & Das
Sogar eine Echo-Kanone für die neue Tourismus-Ausstellung aufgespürt
Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz zeigt in der neuen Ausstellung «Tourismus. Reiseziel Schweiz» viele Raritäten.
Irgendwann und irgendwo ist jede und jeder von uns mal Touri. Aber wie ist es, wenn der Tourismus zu einem selber ins Land kommt? Dieser komplexen Frage mit vielen ambivalenten Aspekten geht die von Anna Wälli und Sibylle Gerber kuratierte neue Ausstellung im Forum Schweizer Geschichte Schwyz nach.
Nach dem Einstieg in diese neue Sonderausstellung werden die Besuchenden durch 23 Stationen in zwei Abteilungen geführt, die sich alle jeweils einem spezifischen Thema widmen. «Es werden Dreh- und Angelpunkte gezeigt», erklärt Wälli. Die erste Abteilung befasst sich damit, wie der junge Tourismus vor rund 200 Jahren mit der Romantik und vor allem durch britische Gäste sowie Abenteurer den Weg in die Alpen und die Schweiz gefunden hat.
In einer Wechselwirkung damit verbunden war der Ausbau der Infrastruktur: in der Zentralschweiz etwa ab 1837 mit der Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee, 1871 mit dem Bau der Rigibahn und erst recht ab 1882 mit der Eröffnung der Gotthardbahn. Die Alpen wurden zum Sehnsuchtsort, zum spektakulären Erlebnis. Es etablierte sich, verglichen mit der einfachen Lebensweise vor Ort, ein eigentlicher Luxustourismus, manifestiert durch die Hotelpaläste der Belle Époque.
Nach der grossen Krise folgt Massentourismus
Die Ausstellung zeigt aber auch, wie durch den Tourismus völlig neue Berufsfelder entstanden und die teils verarmten Regionen plötzlich Prosperität erlebten. Auch mit negativen Seiten, wie etwa Warnungen in den ersten Reiseführern vor zu aggressiven Rigi-Trägern und Verkäufern belegen. Weiter wird gezeigt, wie die Wintersaison «erfunden» wurden, Pauschalreisen populär wurden oder wie die beiden Weltkriege eine existenzielle Krise auslösten.
In den 1950er-Jahren folgte der Boom des Massentourismus mit immer schnelleren Verkehrsmitteln, ausgebauten Verkehrsträgern und einer sozialen Veränderung mit «Ferien für alle» und dem Camping. In dieser zweiten Abteilung wird die Gratwanderung bis zur heutigen Situation dargestellt. Eine Balance, die auch vom Klimawandel, von stark unterbelegten Zweitwohnungen, der CO 2 -Belastung, von Influencerinnen und Influencern, der Parahotellerie oder dem Overtourism geprägt ist. Interessant ist ganz am Schluss der Ausstellung die Frage an alle, in welche Richtung sich der Tourismus entwickeln wird oder soll. Oder dann wird den Besuchenden die Möglichkeit geboten, vor verschiedenen Kulissen Selfies zu schiessen und zu verschicken. Ausgestattet mit Chips, die mit dem Eintritt abgegeben werden, kann man sich in der Ausstellung auch sehr amüsant und spannend interaktiv beteiligen.
Viele Objekte aus der Region
Die gesamte Ausstellung ist attraktiv dokumentiert mit Originalgegenständen. Gerade die Zentralschweiz und die schwyzerische Tourismusgeschichte sind da gut vertreten. Gezeigt wird zum Beispiel eine Originalholzbank aus der alten Rigibahn, die extrem schief aussieht, weil sie an die Steigung des Trassees angepasst war. Ausgestellt ist auch ein heute anachronistisch wirkender Zweiersessel der einstigen Sattel-Hochstuckli-Bahn, dann ein wunderbares Rütli-Bild von Caspar Wolf, eine Rigi-Sänfte, ein Plakat mit den Terminen von Sonnenaufgang und -untergang auf Rigi Kulm oder eine keramische Werbetafel für die damalige Scheidegg-Bahn.
Absolut einmalig und bislang unbekannt ist ein detailliertes Modell von 1920, welches die ganze Anlage des legendären Hotels Axenstein zeigt, mitsamt der Linienführung der Morschacher Bahn und der alten Axenstrasse. Dann ist es sogar gelungen, die aus dem Jahre 1830 stammende Echo-Kanone von der kleinen Scheidegg (BE) aufzuspüren. Für vier Batzen wurde sie geladen und mit einer grossen Pulverwolke abgefeuert, damit die erstaunten Gäste das angeblich siebenfache Echo bestaunen konnten. (cj)
Hinweis
«Tourismus. Reiseziel Schweiz». Ausstellung im Forum Schweizer Geschichte Schwyz vom 20. Juni 2026 bis 2. Mai 2027.
Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher
Autor
Bote der Urschweiz
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