Musik
Trouvaillen rund um die Ufnau
Am Samstag verbanden sich Geschichten und Melodien durch die Vergangenheit des oberen Zürichsees. Die Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufnau bot den perfekten Rahmen für einen bereichernden Abend.
Eingeladen an diesen geschichtsträchtigen Ort auf der Insel im Zürichsee hatte das Kloster Einsiedeln im Rahmen von art-ufnau. Eröffnet wurde am Samstag der musikalische Abend mit einem gregorianischen Choral, gesungen von Sopranistin Sybille Diethelm und begleitet von Fabienne Romer am Klavier. Das ausdrucksvoll vorgetragene «Salve Maria» verschmolz auf zauberhafte Weise mit der kleinen Kirche St. Peter und Paul, beide ungefähr 900 Jahre alt und verbunden mit dem Kloster Einsiedeln, wo seit Jahrhunderten mit diesem Stück die schwarze Madonna verehrt wird.
Die beiden Historiker und Musikwissenschaftler Basil Vollenweider und David Schwarb haben für diesen Abend passende Geschichten und Anekdoten herausgelesen. So wussten sie, dass der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy (1809– 1847) als 22-Jähriger während einer Schweizer Reise zu Fuss vom Klosterdorf nach Rapperswil lief, wo er in einem Hotelzimmer seinen Unmut über das Einsiedler Kloster brieflich festhielt und von «stolzen Pfaffen in geschmackloser Kirche» schrieb. Zum Glück hatte ihn auf seiner Wanderung doch noch die Muse geküsst. Die dabei komponierten Lieder wurden von den beiden Musikerinnen vorgetragen.
Literarische Posse und eine Versteigerung
Der zweite Komponist dieses Liederabends war der Rapperswiler Arthur Brändlin (1896–1986), der eigentlich gar kein Komponist war, sondern Unternehmer. Vollenweider und Schwarb konnten dem Publikum aus einer literarischen Posse von Brändlin vorlesen, in welcher sich der auf der Ufnau beerdigte Ulrich von Hutten beschwerte, weil er sich während der archäologischen Ausgrabungen seines Grabes vor der Kirche St. Peter und Paul in seiner Grabesruhe gestört fühlte.
Der nächste Komponist war auch Rapperswiler, diesmal von Beruf Zahnarzt. Franz Curti (1854–1898) fand spielerisch zur Musik. Eine seiner Opern wurde in Amerika sogar über 30 Mal aufgeführt. Das Liedduo Diethelm/ Romer präsentierte dem Publikum Stücke aus «Reinhard von Ufnau». Die beiden Historiker wussten, dass der Urgrossvater von Franz Curti we-gen politischer Turbulenzen 1801 die Insel Ufnau für 15 000 Franken ersteigern konnte. 1805 ging sie wieder an das Kloster Einsiedeln zurück.
Zwei ehemalige Lehrer aus Lachen
Joachim Raff (1822–1882) wurde an einem Pfingstmontag unter dem harmonischen Geläut der Lachner Pfarrkirche geboren, wie er später gerne erzählte. Der Zürichsee hat ihn stark geprägt, war er doch zeitlebens anspruchsvoll auf die Umgebung, in der er lebte. Für ihn verkörperte Wasser die Seele einer Landschaft. Als unbekannter Lehrer in Rapperswil schaffte er den Sprung zum meistgespielten Komponisten seiner Zeit.
Den Abschluss des lokalen, musikalischen Erbes aus der Region machte Arthur Beul (1915–2010), Lachner Bürger und Lehrer in Siebnen. In dieser Zeit entstand auch eines seiner bekanntesten Lieder: «Stägeli uf, Stägeli ab», welches er für seine Schüler schrieb, die im Schulhaus eifrig die Treppe rauf und runter liefen. Zudem eignete sich das rassige Stück auch als Sprechübung für die Kinder. Einer seiner Riesenhits war «Nach em Räge schint Sunne», welches sogar in Amerika, freilich mit englischem Text, zu einem Nummer-1-Hit wurde. Bevor sich die Kirchentüre nach 90 genussvollen Minuten wieder öffnete und das Publikum die schöne Region mit rot gefärbtem Abendhimmel und ersten Sternen selber geniessen konnte, gab die etablierte Solistin zum Abschluss noch das perfekt passende «Am Himmel stoht es Sternli znacht» mit auf den Weg.
Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Heidi Peruzzo
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