Musik

Wider den tierischen Ernst: Saint-Saëns zum Schmunzeln und mit Witz serviert

Accento Musicale zeigte am Freitag in der Aula Weid in Pfäffikon, wie lebendig klassische Musik sein kann, wenn sie mit Witz, Neugierde und einem Schuss Fasnacht serviert wird.

Schon nach wenigen Takten war klar: Was hier erklingt, ist weit mehr als ein musikalischer Zoobesuch. Mit dem «Karneval der Tiere» schuf Camille Saint-Saëns 1886 ein ebenso geniales wie ironisches Meisterwerk, einen klingenden Maskenball voller Anspielungen und Parodien. Offenbachs Can-Can wird bei den Schildkröten zur Zeitlupe, Mendelssohns eigentlich luftiges Scherzo bei den Elefanten bewusst ins Groteske gebremst. Der Siebner Klarinettist Urs Bamert, Initiator des Ensembles Accento Musicale, erklärte: «Wir möchten dieses Werk gerade auch Kindern näherbringen, und es passt wunderbar in die fünfte Jahreszeit.» Antworten auf die grossen Fragen einer volatilen Weltlage liefere der Abend wohl nicht, fügte er an, «aber vielleicht etwas Ablenkung und die Erinnerung daran, dass Kultur und Humor ebenso wichtig sind».

 

Neue Farben für Debussy und den Pariser Untergrund

Eröffnet wurde das Konzert mit einem erweiterten Programm aus Suiten. Besonders eindrücklich präsentierte sich Debussys «Suite bergamasque», die ursprünglich für Klavier zu zwei Händen geschrieben wurde, in der kammerorchesterartigen Bearbeitung von Flötist Martin Huber. In seiner Einführung sprach er von der Begeisterung für ein Stück, das förmlich danach verlange, in neuen Klangfarben zu erscheinen. Die Kunst sei gewesen, Debussys musikalischen Kern zu bewahren und ihn dennoch, passend zur närrischen Zeit, «in ein anderes Gewand zu kleiden ». Das Klangbild trugen an den Violinen Donat Nussbaumer

und Anja Schärlinger, Lorenz Küchler an der Viola und Severin Suter am Cello. Astrid Grab verlieh dem Kontrabass markante Tiefe, während Katsu Hiraki an der Perkussion feine Akzente setzte. Danach führte Dick van der Stoep, der einst am Zürichsee lebte, mit «Métro à Paris», gespielt von Eleonora Em und Gastpianist Michael Bártek, durch verschiedene Stationen der Stadt der Liebe wie die Bastille oder der Gare du Nord.

 

Mittendrin statt nur dabei – auch mit Loriots Texten

Seine volle Wirkung entfaltete Saint-Saëns’ Tierwelt durch den sichtbaren Spielwitz der Mitwirkenden. Donat Nussbaumer verkörperte Hahn und wilde Esel mit szenischer Präsenz, Bassistin Astrid Grab verlieh der Elefantin schwerfälligen Charme, und Urs Bamert wanderte als Kuckuck mit der Klarinette durch den Saal. «Heimweh»Sänger Markus Stadelmann schliesslich gab dem Loriot-Text als Sprecher eine eigene Bühnenkraft, hauchte Ameisen, Löwen und Mehlwürmern Leben ein und verlieh dem Konzert eine zusätzliche theatralische Ebene. Humor war hier nicht Beiwerk, sondern das Herzstück: Ein Abend, der zeigte, dass hohe Kunst auch befreiend komisch sein darf.

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger /  Micha Brandstetter

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  • Musik

Publiziert am

02.02.2026

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