Bühne

Theater Mafia auf Tour: Ringen um die Gleichberechtigung als Antrieb

Der Märchler Theaterverein Theater Mafia brachte letztes Jahr mit «Mein Name ist Margreth» seine erste Eigenproduktion auf die Bühne. Nun tourt das Ensemble durch drei Kantone und zeigt, wie weit verbriefte Rechte und Alltagserfahrungen von Frauen auseinanderliegen.

Das müssen wir spielerisch lösen.» Eigentlich müsste man eine Strichliste führen, wie oft die-ser Satz falle, amüsiert sich Laura Stählin, die Vereinspräsidentin der Theater Mafia, an einem glutheissen Sommerabend vor dem Wangner Feuerwehrlokal. Der Satz stammt von Regisseur Roland Ulrich. Drinnen wird deutlich, was er meint. Der verbale Schlagabtausch zwischen den acht Mitspielerinnen zwischen 15 und 25 Jahren und ihrem ehemaligen Lehrer ist lebhaft. Auf den Mund gefallen scheint hier niemand. Die gelöste Atmosphäre kann jedoch nicht über den Aufwand hinwegtäuschen, mit dem hier intensiv an jeder Bewegung, Betonung und Beziehung gefeilt wird. Das Kollektiv hat einen bemerkenswert hohen Anspruch an Text und Darstellung. Ein festes Drehbuch gibt es nicht, das Skript entwickelt sich stetig. «Rund eine Stunde Arbeit steckt hinter jeder Bühnenminute», so Ulrich.

 

Vom Objekt zum Subjekt

Das berühmte Drama «Faust» von Johann Wolfgang von Goethe kam auf Umwegen in die Inszenierung. Inspiration bot die Lektüre von Fatma Aydemirs Neuinterpretation «Doktormutter Faust». Historische und literarische Frauenfiguren verbanden sich während der Improvisationen zu einer eigenen Geschichte, in der Goethes Ordnung zerlegt und neu zusammengesetzt wird. Frau Dr. Faust will eine Wirklichkeit entwerfen, die über diesen Blick hinausreicht. Margreth, im Ursprungstext durch die Verniedlichung «Gretchen» sprachlich abgewertet, lernt in Athenes Bibliothek lesen und schreiben und gewinnt damit Einfluss auf ihre eigene Erzählung. Mephisto und Mephista ringen um die Deutungshoheit, während Bruder Valentin als Soldatin Leo auftritt. So verhandelt das Stück, wer Geschichte schreibt und wer sich in vorgegebene Rollen zu fügen hat.

Zugeschriebene Stereotype begegnen den Mitwirkenden im echten Leben tagtäglich. Fast alle haben eine Berufslehre abgeschlossen, etwa als Zimmerin, Fachfrau Gesundheit oder Köchin. «Wir haben alle schon Situationen erlebt, in denen wir wegen unseres Geschlechts nicht ernst genommen wurden», sagt Stählin. Nach Beispielen gefragt, müssen die Darstellerinnen nicht lange überlegen. Sie schildern, wie sie auf den Körper reduziert, in Männerdomänen ausgegrenzt und mit Sprüchen wie «Häsch dini Täg?» verhöhnt werden, wenn sie sich gegen Alltagssexismus wehren. Solche Erlebnisse sind ein Ansporn, gewachsene Machtstrukturen zu hinterfragen.

Männliches Alltagsverhalten wird aber nicht plump kritisiert, es wird subtil persifliert. Michael Grüter, der einzige Mann im Ensemble, berichtet, dass er immer wieder schockiert sei, wie negativ die Reaktionen sind, wenn er Kollegen erzähle, dass das Stück die Unterdrückung von Frauen thematisiere.

 

Freiraum dank Rückendeckung

Die Proben, teils mehrmals wöchentlich, und die differenzierte Auseinandersetzung mit dem komplexen Stoff lassen das Klischee einer oft als verweichlichte Generation «Schneeflocke» verhöhnten Jugend rasch schmelzen. Die Sensibilität der Theater Mafia ist eine Form der Präzision, ihre Belastbarkeit zeigt sich in der Beharrlichkeit, mit der die Szenen immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden. Ihre Ideen und Visionen entwickeln die jungen Mitwirkenden selbst. Zugleich braucht es die Erfahrung von Zutrauen. Regisseur Ulrich wirkt dabei als Türöffner. Er bringt Erfahrung ein und schafft den Raum, in dem Eigenständigkeit wachsen kann.

Auf die häufige Frage, weshalb sie nichts Lustiges spielten, entgegnet Stählin: «Für mich hat das Stück durchaus eine gewisse Komik.» Sie entsteht aus träfen Dialogen und der Gegenüberstellung historischer Texte mit zeitgeistigen Phänomenen. Es sind keine billigen Schenkelklopfer über Seitensprünge oder schrullige Randfiguren. Der Lacher setzt ein und bleibt im Hals stecken, sobald die Überzeichnung als vertrauter Alltag erkennbar wird. Auch Frauen halten einander bisweilen klein oder verweigern sich Solidarität. Diese Widersprüche bewahren vor einfachen Antworten. Dass aus der ersten Eigenproduktion innerhalb eines Jahres eine Tournee durch Schwyz, St.Gallen und Thurgau wurde, liefert den handfesten Beleg für die Ausdauer der Gruppe und zeigt, wie viel die Theater Mafia bereits spielerisch gelöst hat.

 

Tourtermine Theater Mafia:

5./6. September: Pfäffikon, Berufsbildungszentrum

10. September.: Wil SG, Mädchensekundarschule

14. September: Diessenhofen TG, Tigerfinklifabrik

17. September: Ingenbohl, Theresianum

19. September: Lachen, Gemeindeschule

 

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Micha Brandstetter

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Höfner Volksblatt & March Anzeiger

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  • Bühne

Publiziert am

21.07.2026

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