Kunst & Design
Wenn «brutale» Architektur begeistert
Der Verein Schwyz Kultur Plus organisierte einen interessanten Architektur-Abendspaziergang – es drehte sich viel um Beton.
Die einen finden ihn schrecklich, die anderen sind begeistert: den «béton brut», oder den Brutalismus. In den 1950er-Jahren ist dieser architektonisch strikte Baustil entwickelt worden und hat sich bis in die 1980er-Jahre gehalten. Insbesondere hat der international renommierte Schweizer Architekt Le Corbusier diesen Stil geprägt. Auch bildete die boomende Wirtschaft dafür die notwendige Basis. Der Brutalismus ist geprägt durch geometrische Strenge, klare und wuchtige Formen und vor allem durch die Verwendung von rohen Materialien, insbesondere von Sichtbeton. Darum: Den einen gefällts, die anderen sind mindestens distanziert.
Das eigene Büro- und Geschäftshaus gezeigt
An einem interessanten Abendspaziergang hat nun Schwyz Kultur Plus seine Mitglieder auf eine Erkundung zum Thema Brutalismus mitgenommen. Geführt wurden die Besucher durch Thomas Kesseli, Leiter der Arbeitsgruppe Architektur bei Schwyz Kultur Plus. Er hat gleich sein eigenes Wohn-, Büro- und Geschäftshaus als Besichtigungsobjekt zur Verfügung gestellt. Es ist am Standort des einstigen Gewerbe- und Handwerksbetriebs der Spenglerei Blum an der Hirschistrasse in Schwyz erstellt und im letzten November bezogen worden. Es steht etwas zurückversetzt vom Personenverkehr und wird damit kaum beachtet. Hier haben Kesseli und seine KUB Architektur AG ein Musterexemplar an neu verstandenem Brutalismus realisiert.
Frei schwebende Kochinseln
Vieles in diesem Gebäude mit Büros und drei Wohnungen ist überraschend. Alle Bauteile sind vor Ort in Beton gegossen worden. Eine Herausforderung für hochpräzises und fachkundiges Schaffen, auch für die Bauunternehmung und den zuständigen Polier. Viele der Wände im Innern sind bemalt, in Lindengrün, Grau oder Weinrot. Einen Kontrast setzt das für die Fenster und Türen verwendete Naturholz. Raffiniert sind die Küchen gestaltet worden, mit teils frei schwebenden Kochinseln in schwarzem Design, das kontrastierend zum grauen Beton sehr stark wirkt. Die Aussenhülle ist als Schutz gegen die Witterung hydrophobiert worden. Ein Prachtsstück ist das geschwungene Treppenhaus, das ebenfalls vor Ort betoniert worden ist, mit einer ebenfalls raffiniert gestalteten Untersicht. Vom Betrieb her haben sich die Büros und die Wohnungen sehr bewährt. Die Reinigung ist einfach, die Akustik überraschend zurückhaltend. Und dekorative Elemente fallen im neutralen Raum besonders auf. Das von der KUB Architekten AG hier realisierte Gebäude zeigt aber auch, dass der vor 50 Jahren angewandte Brutalismus sich stark weiterentwickelt hat. Er hat die Wucht reiner Betonbauten ziemlich verloren und spielt auch mit anderen Naturmaterialien. Thomas Kesseli hat in der Region weitere Objekte in ähnlichem Stil realisiert: zum Beispiel die Alte Mühle in Oberarth, mehrere Wohnhäuser in Steinen, das Metropol-«Birdy’s» in Brunnen, ein Chalet auf dem Stoos oder auch eine Trafostation im Feldli in Schwyz.
Bote der Urschweiz / Josias Clavadetscher
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Bote der Urschweiz
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