Kunst & Design

Wie Ralph Hospenthal nach einer Nahtoderfahrung als Künstler durchstartete

Vögel im Grossformat, überdimensionale Orchideen und ein zwölf Meter grosser Hecht: Der Goldauer Künstler Ralph Hospenthal hinterlässt vielerorts in der Region seine Spuren.

Kaum öffnet sich die Tür zu seinem Atelier in Goldau, fällt der Blick auf Kunstwerke, Graffitis und selbst restaurierte Möbel. Ralph Hospenthal, mit Künstlernamen Seone, hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Über zehn Jahre Eigenarbeit stecken in diesem Ort, an dem er seine Ideen Wirklichkeit werden lässt. Der freischaffende Künstler und Auftragsmaler ist auf Sprühdose, Airbrush und Mischtechniken spezialisiert.

Heute lebt der Familienvater von seiner Kunst. Den Grundstein legte er jedoch bereits Ende der 1990er-Jahre. Damals entdeckte er seine Leidenschaft für Graffitis – und seinen Drang nach Freiheit in einer Welt, die ihm zu steril und scheinbar zu perfekt erschien. «Als Jugendlicher war Graffitis sprühen mein Ventil, um aus dieser Tristesse auszubrechen», sagt Hospenthal zum «Boten». «Es hat mich genervt, dass die Bewilligungsverfahren so aufwendig und teilweise sehr langatmig sind. Deshalb mag ich Vögel sehr: Sie kommen und gehen einfach.» Es sind Motive, die viele seiner Arbeiten gemeinsam haben. Für ihn symbolisieren Tiere Freiheit und Unbeschwertheit.

 

Naturverbunden seit der Kindheit

Die Naturverbundenheit kommt nicht von ungefähr. Aufgewachsen ist er direkt am Waldrand in Goldau. In «jeder freien Minute» ging er auf Entdeckungsreise in der Umgebung. Sein 80-jähriger Nachbar nahm ihn schon als Kind mit in den Wald. «Wir waren ständig draussen und haben unter anderem Nistkästen für Vögel aufgehängt», erinnert er sich. Diese Faszination für die Natur begleitet ihn bis heute – und spiegelt sich in seinen Werken wider. Beispielsweise bei den grossformatigen Vögeln, überdimensionalen Orchideen oder dem zwölf Meter grossen Hecht, die er gestaltet hat. Nahtoderfahrung veränderte sein Leben für immer

Die Natur blieb zwar seine wichtigste Inspirationsquelle. Beruflich musste Hospenthal jedoch erst seinen eigenen Weg finden. Während seiner Zweitausbildung zum Gestalter Werbetechnik machte er dann eine prägende Erfahrung, die sein Leben auf den Kopf stellte. Bei einem schweren Velounfall erlitt er eine Nahtoderfahrung. «Plötzlich lag ich bewusstlos am Boden und sah mich aus der Vogelperspektive. Das Bild wurde immer kleiner», erzählt er. Dann habe er eine Stimme gehört: «Was machst du da auf der Strasse? Steh doch wieder auf.»

Wendepunkt für Aufbau genutzt

Obwohl er zunächst selbst nach Hause ging, unterschätzte er die Verletzungen. Am nächsten Tag begann er aus dem Auge zu bluten und musste danach eine Notoperation über sich ergehen lassen. Das Erlebnis habe ihn bis heute nicht mehr losgelassen – es war ein Wendepunkt in seinem Leben. Er erklärt: «Ich habe realisiert, dass es sehr plötzlich vorbei sein kann.» Vorher sei er viel im Ausgang gewesen. «Durch diese Erfahrung habe ich voll fokussiert angefangen, etwas aufzubauen. Meine ganze Energie habe ich in den Ausbau meines Ateliers und in meine Kunst gesteckt», so Hospenthal.

 

Spannende Projekte 

Seitdem kamen zahlreiche spannende Projekte zustande: Er hat beide Hände voll zu tun mit familiären Pflichten, Auftragsmalereien, Workshops und eigenen Arbeiten. Längst stehen nicht mehr reine Graffiti-Schriftzüge, sondern grossformatige fotorealistische Bilder im Fokus. «Bei den Wandmalereien sehe ich ein riesiges Potenzial in der Schweiz, da sie eine langfristige Investition sind», sagt der Goldauer. Dennoch stösst er nicht überall auf offene Türen. Selbst wenn manche Architekturbüros noch zurückhaltend reagieren, lässt er sich nicht beirren. Während im Atelier bereits neue Ideen entstehen, wartet in Luzern bereits die nächste Fassade auf den Künstler.

 

Bote der Urschweiz / Valentin Köpfli

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Bote der Urschweiz

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  • Kunst & Design

Publiziert am

29.07.2026

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